13. August 2018 | PROFIFOTO

„Alte Hüte. Kurze Nabelschau“

Ungefragt – Die ProfiFoto-Kolumne von Hendrik Neubauer

Hendrik Neubauer | Schriftsteller und Journalist | am 19. Mai 2018 im Hotel Worpsweder Tor | Exzerpt von #minnsche

[…] Im schönen Mai traf es sich, dass ich bei einem Termin mit Dieter Röseler in Worpswede Einblick nehmen konnte in die Porträt-Basismappe #minnsche. Das Projekt ist noch in der Entwicklung. Aber es machte mir selbst noch mal deutlich, wie erhellend der Blick in die Fotogeschichte für zeitgenössische Fotografen sein kann. Röseler hat sich von August Sanders „Antlitz der Zeit“ inspirieren lassen. Sander hat der Gesellschaft vor hundert Jahren einen Spiegel vorgehalten. Nur #minnsche verharrt nun nicht in einer Hommage an Sander. „Nichts ist Anfang des 21. Jahrhunderts so sicher wie die Unsicherheit”, hat der Kunstkritiker Klaus Honnef in Anbetracht der Arbeit bereits konstatiert. Ja, Unsicherheit spiegelt sich bei der Betrachtung in der Serie #minnsche wider. Unsere Arbeitsplätze und unser Broterwerb sind existenziell für den Einzelnen. Nie war die Vielfalt an Beschäftigungen so groß und unüberschaubar, aber auch noch nie war die Unsicherheit so groß wie heute?! Nur urteilten die Menschen unter den Auswirkungen des 1. Weltkrieges und Wirtschaftskrisen in den 1920er-Jahren nicht genauso? Was droht den Menschen heute – Robotik und Künstliche Intelligenz? Wie sieht die Zukunft der Arbeit aus?

Wie war noch mal die Frage? Hilft den Fotografen der Blick in die Fotogeschichte? Der Blick zurück ist nie Selbstzweck. Und zumindest #minnsche entwickelt auf diesem Weg ein bohrende Fragestellung. Gerade weil die Arbeit sich auf einen Klassiker bezieht und nicht in Epigonentum abdriftet.

So weit erst mal. […]

Quelle: PROFIFOTO