19. April 2019: Il est cinq heures, Paris s’éveille

Köln auch. Genauer: Bensberg-Lückerath. Jedenfalls dann, wenn man die noch geltende Sommerzeit außer Acht lässt.

Der volle Mond schickt sich an, malerisch hinter dem Kölner Panorama zu versinken. Dankenswerterweise exakt zur Morgendämmerung. Und obendrein in einem Winkel, der von meinem Balkonien aus betrachtet ein passables Bild verspricht.

Also: Die lange Tüte auf den Kamera-Korpus und Beides aufs Stativ… Kaffee kochen und Speicherkarte einlegen. Seit dem Blutmond im letzten Sommer hab‘ ich mich (nicht nur) lichtmalerisch mit dem Erd-Trabanten so häufig beschäftigt, dass sich die perfekte Zeit-Blenden-Kombination quasi selbsttätig einstellt.

Die Welt die monden ist | Hannelore Elsner rezitiert Rilke

Noch steht er zu hoch am Firmament, das beginnt, vom tiefen Blau der Nacht in ein zartes Purpur zu changieren. Wie amüsant… die Kardinalsfarbe. Am Kreuzigungstag.

Zeit zu sinnieren. Über Gott. Die Welt. Und über Chargesheimer, der heute in exakt einem Monat seinen 95sten Geburtstag feiern könnte. Wenn er noch lebte. Ihm würde sicher gefallen, dass die Domspitzen von hier aus nicht auszumachen sind. Einer der vierundzwanzig Nadelbäume aus Nachbars Garten verdeckt sie. Also wähl‘ ich den charakteristischen Pylon der Severinsbrücke als linke Bildbegrenzung. Und warte auf ein wenig mehr Dämmerungslicht. Und darauf, dass der Mond dem Horizont noch ein wenig weiter entgegen wandert… JETZT!

Monduntergang über Köln | 19. April 2019

5Uhr34 und 34 Sekunden würden die Metadaten der Bilddatei als Belichtungszeitpunkt ausweisen, wenn die Kamera-Uhr nicht auf Sommerzeit eingestellt wäre.

Während der Ausarbeitung des Lichtbildwerks am Rechner sehe ich, dass ein lieber Facebook-Freund mir einen YouTube-Link geschickt hat. Sting – ich mag Sting. Sehr. Im Duett mit einer Französin: „Stolen Car“. Ich bin begeistert. Sowohl vom Song als auch vom Video.

Und meine Gedanken fliegen nach Paris. Zugegeben: Meine Gefühle auch. Ich stöbere in den Zeugnissen meines letzten Aufenthalts dort und vernehme den lautlos-lauten Ruf der Stadt der Liebe, ihr baldmöglichst wieder die Ehre zu erweisen.

Paris, Montmartre | 24. Mai 2018

Je tiefer ich eintauche in die Bilddokumente, desto unbedingter ruft sie in meinem Kopf nach mir: eine Vielzahl von „Cinquante-et-uns-du-Jour“… die Bouquinistenauslagen an der Pont Neuf… schöne Weiber und gelassene Kerle am Seine-Ufer…

… und schließlich der etwas verloren wirkende junge Mann am Gare du Nord – wartet er auf die Ankunft seiner Liebsten?! Wie auch immer: „Il est cinq heures [trente-deux, sagen die Metadaten], Paris s’éveille

Morgendämmerung am Gare du Nord | 26. Mai 2018

Der Legende nach ist dieser französische Chanson mitverantwortlich für den Titel von Chargesheimers opus sumum namens „Köln 5Uhr30“. Der Kreis schließt sich. Wie ein Vollmond. Und es ist beschlossen: ich werd‘ Dich wiederseh’n, Paris mon amour.

J’arriverai. Bientôt!

Frohe Ostern allerseits!!!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.