22. Dezember 2018: Neue Männer hat das Land

Und damit den Salat.

Liebe Ina Deter,

bevor selbst ich mich nach wochenlanger Verweigerungshaltung auf der Schlußgeraden dann doch auch noch dem vom Zeitgeist oktroyierten Vorweihnachtskaufrausch überMANNen lassen muss, nutze ich die letzten besinnlichen Stunden in meinem Lieblings-Café Amelie für diese offenen Zeilen an Dich… ich hätte sie Dir gerne – sehr gerne sogar – comme il faut privat zugesendet. Aber Du hast Dir ja so wirksam Frodos Unsichtbarkeitsjöppchen umgeworfen, dass selbst das ansonsten allwissende Wikipedia keine Ahnung hat, ob Du grad in der Hauptstadt, in Spanien oder JottWeeDee weilst.

Schau’ sie Dir mal ganz in Ruhe an, die Geister, die Du vor 36 Jahren riefst und komm mir jetzt nicht mit der lahmen Entschuldigung, dass Du jung gewesen seiest und das Geld gebraucht hättest:

          Jens Spahn               Bernd Höcke | Markus Söder | Karl Lauterbach | Anton Hofreiter

Komm’ raus aus Deinem Versteck, liebe Ina, und stell’ Dich Deiner gesellschaftlichen Mitverantwortung für diesen erbärmlichen Status Quo in Deutschland.

Weißt Du, wenn es sich nur darum handeln würde, dass Du mir mit Deinem (noch nicht einmal #1-, aber immerhin dann doch:) Hit-Wunder meine Adoleszenz sowas von versaut hättest, würd’ ich heute nur müde lächeln… nach drei Therapien hab’ ich meinen Frieden damit gefunden, dass gefühlte 90% aller xx-chromosomalen Wesen meiner Pubertätsaltersklasse hennagefärbt auf der Tanzfläche der Disco im evangelischen Jugendheim Köln-Kalk zu Deinen polemisierenden Liedermacherinnen-Versen verzückt rumzappelten und in keinster Weise empfänglich waren für meine ersten zarten Werbeversuche. Auch der Umstand, dass ich hernach noch für Jahrzehnte dem Irrglauben anhing, dass Frauen grundsätzlich langsam kämen, ist Teil Deiner Verantwortung für mein armes kleines, lange Jahre fehlgeleitetes Leben. Aber: geschenkt. Ehrlich.

Was jedoch das oben abgebildete Quintett des Grauens angeht: über diese allergrößte Sorgen bereitende Entwicklung in diesem unserem Lande kann und darf ich nicht länger das gnadenvolle Mäntelchen des Schweigens hüllen. Das wird mir an diesem besinnlich-friedlichen vierten Adventssamstag 2018 immer bewußter. Diese „MÄNNER“ sind die Ernte Deiner Saat. Deren Allpräsenz in den Medien und an den Schaltstellen der Macht verpasst unserer ehedem wunderschönen Leitkultur (vielen Dank, HERR März (mit „e“), für diese Wortschöpfung) seit Jahren immer häufiger ein führendes „G“ – ohne Punkt, wohlgemerkt.

Ich fordere Dich auf, mir im nächsten Jahr Rede und Antwort zu stehen, Du Powerfrau des Fin de Siècle. Es läßt sich einfach nicht mehr daran vorbeiblicken, dass Du ganz im Gegensatz zu Mephistopheles ein Teil der Kraft bist, die stets das Gute will und doch das Böse schafft.

Ruf. Mich. An. Ich freue mich auf eine weich aber unfair geführte Debatte in meinem neuen Podcast-Format „Die Besten im Westen – Im Osten nur Kosten?!“ Die wenigstens bist Du mir, vor Allem aber Deinem Land schuldig.

Hochgradig verärgert, Dein Dieter


©2018 für den Wortbeitrag: Dieter Röseler – alle Rechte vorbehalten | all rights reserved

Lichtbilder v. l. n. r.: ©2018 Olaf Kosinski | ©2015 Alexander Dalbert | ©2016 Superbass | ©2018 Martin Kraft | ©2014 Foto-AG Gymnasium Melle – Quelle aller Lichtbilder: Wikipedia

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