24. Januar 2019: Bürgerportal Bergisch Gladbach

Philosophie des Sehens: „Ich sehe was, was Du …”

Antje Schlenker-Kortum am 24. Januar 2019

Künstler & Akteure beim Preview: Philipp J. Bösel, Wim Woeber, Gisela Schwarz, Marlis Sauer, Dieter Röseler, Ingrid Schaeffer-Rahtgens, Dieter Klein, Ulla Franke, Sascha Häusler

Am Sonntag wird die Ausstellung „Ich sehe was, was Du nicht siehst” in Bensberg feierlich eröffnet. 12 Künstler sind dabei; vorab plaudern einige von ihnen über ihre „fotografischen Ansichten“ – und  erlauben spielerische Einsichten.

Text: Antje Schlenker-Kortum / Fotos: Helga Niekammer

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Der Sonntag ist aber auch der Tag  der Befreiung von Auschwitz und des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, ein Tag den man grundsätzlich mit Kultur verbringen solle, passender weise hier sogar mit historischen Bezügen in der Arbeit von Dieter Röseler.

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Ingrid Schaeffer-Rahtgens, Marlis Sauer, Dieter Röseler

Dienstag, 29. Januar bis Sonntag den 17. Februar 2019
Schloßstraße 16a, 51429 Bergisch Gladbach, Bensberg
geöffnet: dienstags bis sonntags 15 – 18.30 Uhr

Vernissage Sontag den 27. Januar ab 18.30 Uhr

Mit einem Livekonzert von Marco Sanna und Anselmo Simini.

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Dann wurde mal eben „das Schaufenster umfunktioniert“ und es „funktioniert gut“ scherzt Dieter Röseler, denn er war auf Marlis Sauer und die hier gezeigte Kunst während der „l´art privé“ im vergangenen Herbst aufmerksam geworden.

Kinderspiel oder Kunstbetrachtung?

Beim Ausstellungstitel „Ich Ich sehe was, was Du nicht siehst“ denkt man ganz unwillkürlich an das Kinderspiel, dass laut Pädagogen hervorragend geeignet sein soll, die Wahrnehmung und die Kommunikation zu schulen. Kunstbetrachtung ist doch kein Kinderspiel.

Was im ersten Moment etwas provokant klingt, ist ernst und durchaus wörtlich gemeint, spätestens seit Marcel Duchamp, dem Vordenker der zeitgenössischen Kunst und seiner These [„der Betrachter macht die Kunst”].

Das klingt logisch, denn jeder sieht anders. Man sieht vor allem das, was man kennt und das Gespräch über Kunst macht das erst bewusst.

Bei einer Preview wie jetzt in Bensberg sind die Werke oft noch ohne Titel. Ein schöner Wink, den Titel wörtlich zu nehmen und Spielaufforderung der Künstler, zurückzuspielen. Ein Foto der Künstler zu betrachten und nach dem zu suchen, was der andere vor dem inneren Auge sieht.

Bei Fotokünstlern entspricht das der Frage nach dem künstlerischen Fokus.

Im folgenden konfrontiere ich die Künstler jeweils mit meiner ersten Vermutung, um ein erhellendes, erquickendes oder gar kontroverses Gespräch in Gang zu bringen. Ganz nach dem Motto „Ich sehe was, was Du nicht siehst. Ist es vielleicht….?”.

Ich sehe, wenn ich weiß

Dieter Röseler sieht und fokussiert historische Orte und gibt teils überraschende Hintergrundinfos

Ist es vielleicht ein Ort in Bergisch Gladbach?

Ich glaubte, einen vertrauten Ort wiederzuerkennen und hatte das Bild einer Treppe vom Aufgang der Tiefgarage im Kopf. Ich hätte selbst drauf kommen können, dass es ein Bahnhof ist. Aber nicht darauf, dass er ein Tatort war, in Bad Kleinen, Ort eines Massakers zwischen RAF-Terroristen und GSG9-Beamten. Im Fokus seiner Kamera sah Dieter Röseler Blut, anstelle des herabrinnenden Regenwassers.

„Deutschland 5Uhr30“, so nennt er die Serie, Orte ohne Menschen, irgendwann im Nirgendwann, eine Homage an „Köln 5Uhr30″, von Chargesheimer. Röseler sucht sie gezielt aus nach ihrer Symbolkraft, reale Orte, im hier und jetzt, vergessene und verwitterte Kulissen menschlicher Dramen und deutscher Geschichte. Vor allem stille und unbekannte Zeitzeugen, die eben nicht zum Denkmal erklärt worden sind.

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©2019 für den Wortbeitrag: Antje Schlenker-Kortum | ©2019 für alle Bildbeiträge außer Beitragsbild: Helga Niekammer | ©2019 Beitragsbild: Dieter Röseler – alle Rechte vorbehalten | all rights reserved