7. Dezember 2018: „Wir sind in einer neuen Zeit.“

So erklärt sich Christian Lindner – heute auf den Tag genau seit 5 Jahren Bundesvorsitzender der FDP – die Generalamnestie, die Alexander Dobrindt ihm in einem Gespräch mit Reinhold Beckmann ausgestellt hat. Für seinen öffentlich und auch parteiintern sehr kontrovers kommentierten Entschluss, am 19. November 2017 die Sondierungen über eine erste Jamaika-Koalition auf Bundesebene abzubrechen. Der seinerzeitige CSU-Unterhändler äußert großes Verständnis für die Entscheidung der FDP-Spitze und lastet das Scheitern der Sondierungen vollumfänglich der Vorsitzenden seiner Schwesterpartei, Angela Merkel, an. 

Die Dokumentation „Lindner und die FDP – Aufbruch ins Abseits?“ wird am Abend nach der für die ehemaligen Volksparteien CDU und SPD desaströsen Hessenwahl erstmals in der ARD ausgestrahlt. Am gleichen Tag, an dem Bundeskanzlerin Angela Merkel völlig überraschend erklärt, heute nicht mehr für den Bundesvorsitz der CDU kandidieren zu wollen und damit selbst das Ende ihrer Ära einläutet. Eine bemerkenswerte zeitliche Koinzidenz.

„Das alte Jamaika spielt gar keine Rolle mehr – das ist vollendete Vergangenheit.“

So führt Christian Lindner seine Analyse fort in dem Gespräch, das wir Ende November in seinem geräumigen Fraktionsvorsitzenden-Eckbüro mit Blick auf die Südost-Ecke des Reichstagsgebäudes führen.

Wenn Horst Seehofer wie geplant seinen Parteivorsitz am 19. Januar 2019 abgegeben haben wird, ist Christian Lindner der zweitdienstälteste Vorsitzende einer im Bundestag vertretenen Partei. Ein alter Hase. Trotz seines vergleichsweise sehr jungen Lebensalters von dann gerade einmal 40 Jahren.

In seiner Bewerbungsrede um den Vorsitz einer vom Wähler aus der Regierungskoalition in den „außerparlamentarischen Bildungsurlaub“ geprügelten Partei sagte der passionierte Jungjäger vor genau fünf Jahren:

„ […] die FDP, sie muß nicht fürchten, bekämpft zu werden für das, wofür wir stehen. Die FDP muss nur fürchten, für nichts zu stehen, […] “

Ein Satz, der heute nicht weniger wahr ist. Auch nicht für die Buchstabenkombinationen C, D und U – oder auch für S, P und D.

©2018 für Text- und Bildbeiträge: Dieter Röseler – alle Rechte vorbehalten.

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