14. April 2019: Hebdomada sancta

Zur Feier der diesjährigen „heiligen Woche“, wie die Karwoche außerhalb des deutschsprachigen Raumes in der katholischen Liturgie genannt wird, und als kleiner Dank für die großartige Untertstützung des Podcasts „Die Besten ….“ kommen alle Abonnenten des Lichtbildner-YouTube-Kanals in den Genuss einer 50%-igen Vergünstigung für Porträt-Sitzungen und Unternehmens-Porträts.

Diese Rabatt-Aktion beginnt Palmsonntag um 10:00 Uhr und endet Karfreitag mit Freischaltung der Hedonistischen Karfreitagsliturgie von und mit Lady Dominique um 15:00 Uhr. Buchungen bitte nur via E-Mail.

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17. April 2019: Das (Dorf-) Leben ist schön

Ich mag sie, die kleinen Schwestern der großen Städte: Ob nun Bensberg, Kleinmachnow oder Schwane- und Worpswede. Um’s mal pointiert mit der unvergessenen Romy Schneider zu schreiben: ich mag sie sogar sehr.

Die Wege sind bedeutend kürzer als in den Metropolen Berlin, Bremen und Köln. Zum Beispiel bei der Anmeldung des neuen Wohnorts: in keinem der Dörfer, in denen ich leb(t)e, mußte ich länger als 15 Minuten Wartezeit hierfür aufwenden. Selbst eine nicht ganz alltägliche Angelegenheit wie der formelle Antrag auf einen Künstler- respektive Ordensnamen benötigte seinerzeit deutlich weniger als eine Woche Bearbeitungszeit in der kleinen, aber offenbar hoch effizienten Verwaltung von Schwanewede.

Vor Allem aber:

Tradition und Brauchtum werden gepflegt. Und gelebt.

So findet heuer bereits zum vierten Mal in Folge im Bensberger Ristorante Italia am 30. April kein „Tanz in den Mai“ statt, sondern das von „Einfach Eddi“ initiierte und mit viel Herzblut und großem Engagement gefütterte Charity-Diner zugunsten des Heilpädagogischen Kinderheims. Die diesjährige Auflage steht unter dem Motto „Kindern Flügel Verleihen“.

Ein guter Zweck, für den Eddi unermüdlich trommelt und trommelt. So, dass sich Jeder vor den Karren und einspannen lässt. Und zwar: gerne einspannen lässt! Von Moderator Sebastian Hempfling, der durch den Abend führen wird, über Restaurant-Inhaber Valentino Bruno, der von jedem 3-Gang-Menu 10 Euro in den Spendentopf geben wird und Heimleiter Klaus Landen bis hin zu Bürgermeister Lutz Urbach, um nur einige Wenige zu nennen.

Eddi Stoffel
Bürgermeister Lutz Urbach
Sebastian Hempfling

Gestern fand sich dieser illustre Herren-Zirkel auf Brunos Schloßstrassen-Terrasse bei einem der besten Espressi der Gegend zusammen, um gemeinsam das Veranstaltungsplakat vorzustellen und den Ablauf des Abends zu beprechen.

Valentino Bruno

Ziel der Veranstaltung ist es in diesem Jahr, vermittels einer Tombola mit hochwertigen Preisen sowie der Versteigerung von signierten Sportler-Devotionalien unterschiedler Sportler verschiedener Disziplinen so viel Gelder einzuwerben, dass den leidgeprüften Kindern wirksam geholfen werden kann.

Aus diesem Grunde sind alle UnternehmerInnen und HändlerInnen herzlichst aufgerufen, Hotel-Chef Kurt Wagner nachzueifern, der freundlicherweise einen Übernachtungsgutschein im größten Barockschloß nördlich der Alpen (das mit den atemberaubenden Blicken auf malerischste Sonnenuntergänge hinter den Kölner Domspitzen) gespendet hat. Oder auch an Herrn Brune, der schöne Damen-Armreifen zur Verfügung stellt. Oder auch an Herrn Lübbers, der eine hochwertige Armbanduhr spendet.

Es wird gebeten, die (gerne auch Geld-)Spenden im Ristorante Italia auf der Schloßstrasse 62 unter dem Stichwort „Kindern Flügel Verleihen“ abzugeben. Spendenquittungen können selbstverständlich auf Wunsch ausgestellt werden.

v. l. n. r.: Sebastian Hempfling, Valentino Bruno, Bürgermeister Lutz Urbach, Eddi Stoffel, Klaus Landen

25. März 2019: Bastard I – V

Bastard II | 10. August 2018 | Bensberg

Inspiriert von den frühen Wolken-Arbeiten Marina Abramovics auf der einen Seite und vom Song „Bastard“ des erfolgreichsten deutschen Pop-Duos Rosenstolz andererseits hat Dieter Röseler im August 2018 die Arbeit an seinem Schwarzweiss-Zyklus Bastard aufgenommen.

Vom Balkon seiner Wohnung im rheinisch-bergischen Bensberg fängt er seither mit der Kamera triviale Wolkenformationen ein, die er in einem weiteren Arbeitsschritt spiegelt. So entstehen Faltbilder, die als Grundlage für ein psychodiagnostisches Testverfahren nach dem freudianischen Psychiater und Psychoanalytiker Hermann Rorschach dienen können.

Die ersten fünf Bildtafeln legt er nun als optische Untermalung für das titelgebende Musikstück vor:


©2019 für Text- und Bildbeiträge (soweit nicht anders angegeben): Dieter Röseler – alle Rechte vorbehalten.

18. Februar 2019: Neues Wohnzimmer

Es ist noch keine drei Monate her, dass das Projektbüro Berlin-Brandenburg mit einer Hausausstellung von #minnsche am 1. Dezember 2018 im „Bensberg Berlins“ – also in Kleinmachnow – eröffnet wurde. Und gerade einmal eineinhalb Monate, dass Dieter Röseler den Podcast „Die Besten im Westen – Im Osten nur Kosten?!“ mit seinem Selbstgespräch am Neujahrsmorgen 2019 startete.

Am Samstag dann erreichte ihn die Frohe Botschaft, dass der Freundeskreis der Neuen Kammerspiele Kleinmachnow sein Projekt tatkräftig unterstützen wolle – gleichsam als ostdeutsches Pendant zum Bürgerportal Bergisch Gladbach, das nicht weniger als die Hebamme oder Geburtshelferin von #dbiwionk ist: sowohl mit ideeller als auch mit pekuniärer Unterstützung von der ersten Sekunde an.

Vier Episoden werden daher 2019 ausnahmsweise nicht an einem Ort aufgezeichnet, den der/die ProtagonistIn aufgrund tiefer emotionaler Verbundenheit auswählt, sondern in Röselers flammneuem ostdeutschen Wohnzimmer: den Neuen Kammerspielen im brandenburgischen Kleinmachnow.

Für Dieter Röseler ein Zeichen, dass tatsächlich zusammenwächst, was zusammen gehört!


Die nächste Podcast-Episode erscheint kommenden Samstag übrigens mit dem im Juli 2015 als Staatsfeind Nr. 1 von einem gewissen Hans-Georg Maaßen gehetzten netzpolitik.org-Gründungs-Chef Markus Beckedahl.

Markus Beckedahl, Netzaktivist, Lobbyist und Unternehmer – Gründer von netzpolitik.org Porträt im Besprechungsraum „Tresor“

Damit hat der seinerzeitige Leiter des Bundesamtes für Verfassungsschutz sich auf eine Stufe gestellt mit dem 1962 amtierenden Bundesverteidigungsminister Franz-Josef Strauß: er hatte die … nunja: mindestens sportliche, vor Allem aber verabscheuungswürdig demokratiefeindliche Auffassung, dass ein StaatsDIENER einen investigativ tätigen Journalisten mit Hilfe eines mehr schlecht als recht an den Haaren herbeigezogenen Verdachts auf Landesverrat (§94 StGB) mundtot machen könne.

Strauß hatte 1962 nach 52 Tagen keine andere Wahl mehr, als auf sein Amt zu verzichten. Nachdem alle FDP-Minister 11 Tage zuvor aus Protest geschlossen zurückgetreten sind.

Maaßen hingegen durfte nach seinem Lapsus noch drei Jahre und vier Monate den Inlandsgeheimdienst leiten – warum auch immer.

Vorgestern schließlich traute Schorsch Maaßen sich wieder in die Öffentlichkeit (gute drei Monate, nachdem ihn Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier endgültig mit sofortiger Wirkung in den einstweiligen Ruhestand versetzt hatte). Mit einer Rede, in der er die Flüchtlingspolitik des Jahres 2015 als grundlegende Ursache für eine wachsende Gefahr des islamistischen Terrors brandmarkte.

Maaßen mag Jurist und politischer Beamter sein, wie die deutsche wikipedia im ersten Satz feststellt. Vor Allem aber ist er zweifelsohne eins: ein rechter Brandbeschleuniger.


Hier als Appetitanreger der Teaser-Trailer zum Gespräch mit Markus Beckedahl:


©2019 für Wort- und Bildbeiträge: Dieter Röseler – alle Rechte vorbehalten | all rights reserved

24. Januar 2019: „Ich sehe was, was du nicht siehst – Fotografische Ansichten“

Gemeinsam mit Projekt-Initiatorin Marlis Sauer kuratiert Dieter Röseler seit zwölf Wochen eine lebendige Fotografie-Ausstellung für das Zentrum Bensbergs. Ihr gemeinsames Projekt „Ich sehe was, was du nicht siehst – Fotografische Ansichten“ verfolgt das Ziel, die Künstlerische Fotografie in ihrer ganzen Vielfalt wieder im kulturellen Leben der Stadt zu verankern. Bei der Premierenveranstaltung am kommenden Sonntag und weitere drei Wochen lang werden insgesamt zwölf (sic!) Künstlerinnen und Künstler aus Köln, dem Rhein-Sieg- und dem Rheinisch-Bergischen Kreis ihre unterschiedlichen Positionen dem interessierten Publikum zeigen.

Dieter Röseler wird eingedenk des Internationalen Gedenktages an die Opfer des Holocausts streng limitierte Vintage Prints aus seiner Werkreihe „Deutschland 5Uhr30 – #d5h30″– inszenieren.

Hier als kleines Appetithäppchen vorab ein paar Impressionen der gestrigen Gespräche mit den Vertreterinnen und Vertretern der lokalen Presse… enJOY!

SAVE THE DATE: Sonntag, 27. Januar 2019 | 18Uhr30 | Schloßstr. 16a | 51429 Bensberg


©2019 für Wort- und Bildbeiträge: Dieter Röseler – alle Rechte vorbehalten | all rights reserved

8. Januar 2019: Vorläufiges Fazit der Bankenkrise

Heute vor exakt 10 Jahren wurde bekannt, dass der Bund 25% plus 1 Aktie der Commerzbank übernommen, sich also mit insgesamt 18,2 Mrd. (in Zahlen: 18.200.000.000,00) Euro in Deutschlands damals zweitgrößter Bank engagiert hatte.

In „Staatliche Hilfen für die Commerzbank AG – Eine vorläufige Bilanz“ nimmt der Fachbereich WD 4 (Haushalt und Finanzen) des Deutschen Bundestages am 21. Juni 2017 unter dem Aktenzeichen WD 4 – 3000 – 052/17 in Punkt 3 „Vorläufiges Fazit“ auf Seite 9 wie folgt Stellung zu diesem Engagement:

[… Der Bund] hält derzeit nach diversen Kapitalerhöhungen noch 15,6 Prozent der Aktien der Commerzbank AG (Stand 31. Dezember 2016). Für die Aktien zahlte er damals insgesamt 5,1 Mrd. Euro. Der Wert dieses Aktienpakets betrug am 31. Dezember 2015 1,9 Mrd. Euro. Im Mai 2017 ist der Wert auf ca. 1,7 Mrd. Euro gesunken. […]

*** 2008 | Frankfurt am Main | Commerzbank-Rettungsschirm *** Exzerpt von Deutschland 5Uhr30 – #d5h30 *** Hommage an Chargesheimers Köln 5Uhr30 ***|||*** „Der Rettungsschirm für die Commerzbank ist aufgespannt: Das zweitgrößte deutsche Kreditinstitut und der Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin) einigten sich am Freitag in Frankfurt auf die genauen Konditionen der stillen Staatseinlage von 8, 2 Mrd. Euro. Sie fließt zum 31.12. dieses Jahres in einer Tranche und wird mit neun Prozent jährlich verzinst, teilte die Commerzbank am Abend mit.“ (Handelsblatt am 19. Dezember 2008 um 19Uhr45, abgerufen am 20. September 2015

Bis heute, so meldet die ARD, sei der Wert auf nur noch 1,2 Mrd. Euro zusammengeschnurrt.

Honi soit qui mal y pense.


©2015 für das Lichtbildwerk: Dieter Röseler | ©2019 Text: Dieter Röseler – alle Rechte vorbehalten | all rights reserved

7. Januar 2019: „Das alte Jamaika spielt gar keine Rolle mehr, das ist vollendete Vergangenheit.“

Zum 40sten Geburtstag von Christian Lindner

Der passionierte Porsche-Pilot startet durch. Zum Jahresbeginn geht der FDP-Parteichef in die Medien-Offensive:

  1. Am Samstag zitiert der „Spiegel“ ihn mit den Worten: „Also, wenn Frau Kramp-Karrenbauer und Herr Habeck auf uns zukommen, dann laufen wir nicht weg – aber wir laufen denen auch nicht hinterher.
  2. Gestern sendet die „Tagesschau“ zur besten Sendezeit die Losung, die er auf dem traditionellen Dreikönigstreffen seiner Partei in der Stuttgarter Oper ausgibt: „Wer uns ein faires Angebot zur Erneuerung des Landes macht, der kann zu jeder Zeit damit rechnen, dass wir bereit sind, Verantwortung für dieses Land zu übernehmen, meine Damen und Herren.
  3. Und heute an seinem vierten runden Geburtstag spricht er Klartext im Podcast „Die Besten im Westen – Im Osten nur Kosten?!“:
Christian Lindner in seinem Fraktionsvorsitzenden-Büro im Deutschen Bundestag

„Wir sind in einer neuen Zeit.“

Das großzügige Eckbüro des FDP-Fraktionsvorsitzenden im Deutschen Bundestag hat mit seiner Nordwest-Ausrichtung zwar keine Morgensonne, aber einen direkten und unverbaubaren Blick auf die nur 20 Meter entfernte Südost-Ecke des Reichstagsgebäudes. Beherrscht wird es optisch durch zwei mächtige, gekreuzte Fahnen: die Bundes- und die Europaflagge.

Auf dem penibel aufgeräumten Schreibtisch liegt nur die dunkle Ledermappe mit dem blindgeprägten Siegel des US-amerikanischen Senats, die er von einer Washington-Reise mitgebracht hat. So aufgeräumt wie sein Arbeitsumfeld wirkt auch der im rheinisch-bergischen Wermelskirchen aufgewachsene Vollblut-Politiker selber während des intimen Vier-Augen-Gesprächs. Nicht ohne Genugtuung nimmt Lindner, erklärter BVB-Fan und auf der letzten Mitgliederversammlung in den Wirtschaftsrat des Bundesligisten berufen, den in den Lauf gespielten rhetorischen Ball elegant an und fasst zusammen, was CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt in Reinhold Beckmanns Mikrofon sprach:

Dobrindt hat gesagt, Frau Merkel hat den Grünen alle möglichen Brücken gebaut und Kompromisse angeboten, der FDP nicht. Und er habe damals gewarnt, die FDP müsse auch etwas haben, sonst tritt sie nicht in eine Regierung ein. Und vorher wurde ja immer gesagt, eine Einigung war zum Greifen nah. Und jetzt hat mal einer die tatsächliche Situation dargestellt. Das finde ich gut, zeigt aber eins: wir sind in einer neuen Zeit. Das alte Jamaika spielt gar keine Rolle mehr, das ist vollendete Vergangenheit. Und Leute, die nach vorne schauen, wie der Kollege Alexander Dobrindt, die denken schon wieder an die nächsten Situationen.

Damit hat Dobrindt nicht mehr getan, als den Schwarzen Peter für das Scheitern der 2017er Jamaika-Sondierungsgespräche von der FDP an Bundeskanzlerin Angela Merkel weiterzureichen. Allerdings auch nicht weniger.

„Ich war extrem schwer und fett.“

So lange ersehnt die Absolution des Alexander Dobrindt auch für das Geburtstagskind gewesen sein mag – im heutigen Gespräch spielen dessen beruflich-politischen Ambitionen nur eine Nebenrolle. Im Gespräch mit Dieter Röseler erhält das Private eine größere Gewichtung, wenngleich die Haltung eines Berufspolitikers zur Titelfrage durchaus auch von professionellen Aspekten geprägt sein dürfte.

Auf Augenhöhe mit Siegesgöttin Victoria: Blick vom Reichstag auf Christian Lindners Büro, die Quadriga auf dem Brandenburger Tor im Hintergrund

Aber was der laut VRdS (Verband der Redenschreiber deutscher Sprache) beste Redner im Bundestagswahlkampf 2017 auf die Frage antwortet, ob er im Zweifel dem Fußball oder seiner Partnerin den Vorzug gebe, wie es um seine Work-Life-Balance bestellt ist, warum man ein Herz für Hasen haben müsse, ob er sich als Womanizer oder Frauenversteher sieht und wie es sich anfühlt, „Posterboy“ oder „Bambi“ genannt zu werden, erlaubt durchaus Einblicke in die Seele des bald schon zweitdienstältesten Chefs einer im Bundestag vertretenen Partei. Ebenso die reflektierte Haltung zu seiner Kindheits-Adipositas.

Alles Gute zum Geburtstag, lieber Christian. Lass Dich angemessen – also ordentlich – feiern!


©2018 für die Bildbeiträge: Dieter Röseler | ©2019 Text: Dieter Röseler – alle Rechte vorbehalten | all rights reserved

31. Dezember 2018: „Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.“

Dieser Satz feiert im vor der Türe stehenden Jahr 2019 seinen 60. Geburtstag. Die österreichische Schriftstellerin Ingeborg Bachmann prägt ihn am 17. März 1959 während einer Rede im Bonner Bundeshaus. Seit 1973 ziert er ihren Grabstein auf dem Klagenfurter Zentralfriedhof Annabichl.

Bis zur halben Wegstrecke des Zeitstrahls seither in Richtung Gegenwart wird dieser Satz sehr gerne von Alfred Herrhausen zitiert. So gerne und häufig, dass so Mancher den Ursprung des Satzes schon diesem Ausnahmebanker und Querdenker der Bonner Republik zuschreibt.

Dieser brillante Mann war seiner Zeit in Vielem voraus: so bringt er bereits 1987 auf großer Bühne (während einer Tagung der Weltbank in Washington) einen teilweisen Schuldenerlass für Entwicklungsländer ins Gespräch – eine Idee, die zu seiner Zeit so unerhört, so undenkbar ist, dass er nicht selten dafür öffentlich angefeindet wird. Zum Beispiel vom Chef der Commerzbank, der ihm „unsolidarisches Verhalten“ gegenüber anderen Banken vorwirft. Und von seinem Nachfolger auf dem Sessel des Vorstandssprechers der Deutschen Bank, „Peanuts“-Hilmar Kopper, der diesen Gedanken als „intellektuelle Bemerkung“ abtut. Zwölf Jahre später erst unterbreiten die G8-Staaten der Weltbank und dem IWF auf dem Kölner Gipfel einen auf Herrhausens Ideen basierenden Vorschlag. Diese wiederum verabschieden zur Jahrtausendwende diesen Vorschlag und setzen ihn seither im Rahmen der sogenannten HIPC-Initiative um.

Schon am 20. November 1989 – 11 Tage nach dem Fall der Berliner Mauer – plädiert Herrhausen in einem Interview mit dem Hamburger Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ bereits für die deutsche Wiedervereinigung. Auf die pointierte Frage: „Reicht es Ihnen als Unternehmer und Banker nicht, wenn die DDR zuerst assoziiertes und später vielleicht einmal volles Mitglied der EG wird?“, antwortet er: „Als Banker und Unternehmer müßte ich damit wohl zufrieden sein. Ich würde als deutscher Staatsbürger bedauern, wenn wir auf Wiedervereinigung ein für allemal verzichten würden.“

10 Tage später verblutet Alfred Herrhausen infolge seiner Verletzungen. Unter bis heute nicht geklärten Umständen ist es der RAF am 30. November 1989 möglich, einen feigen Bombenanschlag auf ihn zu verüben. Obwohl es schon Wochen zuvor Hinweise gibt, dass ein Anschlag der Linksterroristen gegen Herrhausen geplant werde, wird das üblicherweise vorausfahrende Begleitfahrzeug an diesem Morgen kurz vorher abgezogen. Der angebliche Kronzeuge Siegfried Nonne bezichtigt Mitte 1992 hessische Verfassungsschützer, ihn mit kaum verhohlenen Morddrohungen zu einer Falschaussage genötigt zu haben. Dieser Vorwurf wird von Aussagen eines BKA-Mitarbeiters gestützt.

Exzerpt von „Deutschland 5Uhr30 – #d5h30“ | Hommage an Chargesheimers „Köln 5Uhr30“

„Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.“, steht heute auch eingemeißelt auf einer der drei Gedenkstelen an Alfred Herrhausens Attentats- und Gedenkort.

Wie augenscheinlich schon 1992 vertritt das hessische Landesamt für Verfassungsschutz auch 2017 wieder die Antithese zum Titelsatz: ein interner Bericht in Bezug auf den NSU-Komplex wird mit einer Sperrfrist von sagenhaften 120 (in Worten: einhundertundzwanzig) Jahren belegt, wie u. A. Susanne Höll in der Süddeutschen Zeitung berichtet. Oberster Dienstherr der hessischen Verfassungsschützer ist von April 1999 bis August 2010 – also während aller vom NSU begangenen Morde – übrigens Volker Bouffier; seither Ministerpräsident Hessens.

Exzerpt der Werkreihe #minnsche

Ende 2018 schließlich erschüttert die Geschichte des vielfach preisgekrönten Blenders Claas Relotius die (Medienlandschaft der) Berliner Republik: die Story eines jungen geltungssüchtigen Mannes, dem es ein ganzes Jahrzehnt lang gelingt, fast allen namhaften deutschsprachigen Printmedien – allen voran dem Spiegel – erdichtete Scheinwelten als Realität zu verkaufen.

Spiegel-Impressum von Heft 52/2018

Die vornehmste Aufgabe d e s deutschen Investigativ-Magazins im kommenden Jahr dürfte sein, seiner Leserschaft zu erklären, wie und warum das so lange möglich war. Denn Ingeborg Bachmann hatte Recht, als sie sagte:

„Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.“

In diesem Sinne: Ein Frohes, Gutes und Wahres Neues Jahr!


©2006, 2010, 2015 und 2018 für die Bildbeiträge: Dieter Röseler | ©2018 Text: Dieter Röseler – alle Rechte vorbehalten | all rights reserved

29. Dezember 2018: Fichtners Fiasko

Der tiefe Fall des talentierten Herrn R.

Er kann stolz auf sich sein. Und er ist es auch, während er zärtlich das filigrane Türchen der Glasvitrine öffnet, in der die Auszeichnungen und Preise seiner Laufbahn ein beredtes, wenn auch stummes Zeugnis über seine außerordentliche Befähigung zu Höherem ablegen. Schon seit geraumer Zeit ist ihm das Polieren der funkelnden Kristall- und Edelmetallflächen am Wochenanfang ein liebgewonnenes und mit Hingabe zelebriertes Ritual. „Ihr seid der Spiegel meines Wirkens“, murmelt der Ausnahme-Journalist halblaut. Und selbstzufrieden. Nicht nur ob des gelungenen kleinen Wortspiels. Sondern vor Allem, weil der nächste Sprung seiner Bilderbuchkarriere unmittelbar bevorsteht. Er ahnt an diesem ungewöhnlich warmen Herbstmorgen noch nicht, welches Unwetter sich außerhalb seines Gesichtsfeldes zusammenbraut. Nicht im Geringsten. Ein Sturm, dessen Zerstörungskraft keinen Stein seines Lebens auf dem anderen wird stehenlassen.

So sieht der szenische Einstieg zu einer großen und preisverdächtigen Reportage aus. Seit Jahren schon. Frei und wortreich nach des Spiegel-Gründers Credo: „Sagen, was gefühlt, gedacht, gemurmelt sein worden könnte“. Statt kurz und knapp dem Original-Motto: „Sagen, was ist.“ folgend.

Eine Laune der Natur, dass dieser Auftakt-Akkord nicht nur das Porträt des Fälschers Claas-Hendrik Relotius einleiten kann, sondern auch genauso gut und (unzu)treffend die Hausmitteilung über den Einzug Ullrich Fichtners in die Chefredaktion an der Hamburger Ericusspitze? Wohl kaum. Das ist schlicht dem perfiden Zuspitzungscharakter des Autors geschuldet.

Keine Frage, im direkten Vergleich zu Mercedes-Benz 1997 („Ich bitte Sie – wegen einem umgekippten Auto geb‘ ich doch kein Interview!“) und Audi im Jahre 2000 (Das Fahrverhalten des Audi TT zeige „weder einen Mangel im Sinne der Gewährleistung noch einen Fehler im Sinne des Produkthaftungsrechts“. Kunden hätten demzufolge „grundsätzlich keinen Anspruch auf Rückkauf“) ist das Krisenmanagement des Hamburger Nachrichtenmagazins heuer weit vorne:

„Wir haben in den letzten Tagen versucht vor der Welle zu bleiben […] und uns nicht von Anderen vorführen zu lassen“, spricht Steffen Klusmann, der designierte Vorsitzende der Spiegel-Chefredaktion, am Erscheinungstag von Heft 52 am Samstag vor Weihnachten ins Tagesthemen-Mikrofon. Und auch der Gedanke, schon in dieser frühen Phase der Spiegel-Affäre 2.0 den sachlichen Dialog mit einem seriösen und über jeden Zweifel erhabenen Journalisten wie Giovanni di Lorenzo zu suchen, verdient Respekt. Und Achtung.

Der Bock wird zum Gärtner. Gemacht.

Dass nun aber gerade Klusmanns künftiger Chefredakteurs-Kollege Ullrich Fichtner verantwortlich zeichnen darf für das journalistische Machwerk, in dem der Hochstapler Relotius am 19. Dezember 2018 vor aller Welt enttarnt wird, hat einen rasch wahrnehmbaren und auch strengen Hautgout. Denn Fichtner war es, der als großer Förderer des jungen Superstars viel dazu beigetragen hat, den seinerzeit erst 26-jährigen Relotius seit 2011 immer enger an das „Sturmgeschütz der Demokratie“ zu binden. Pointierter formuliert: Fichtner hat dem Spiegel die Laus Relotius erst in den Pelz gesetzt.

Dass diese – sicher sehr schmerzhafte – Nabelschau im Gewand einer „Mischung aus Kulturreportage und Essay“ daherkommt, ist nicht minder verstörend, denn „das schön Geschriebene, das spannend Geschriebene“ sei „Teil dessen, was Ihnen jetzt im Fall Relotius vorgeworfen wird. Eine nüchterne Darstellung ohne Atmosphärisches hätte ich passender gefunden, und es hätte mich persönlich auch mehr vom Aufklärungswillen der Redaktion überzeugt.“, erläutert Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo und spricht damit nicht nur Klartext, sondern auch mir aus der Seele. Da Ullrich Fichtner aber – aus welchen Gründen auch immer – das mehrheitliche „Placet“ seiner Redaktion für eine gefühlige Reportage bekommen hat, kann der gebürtige Oberfranke seinen gefallenen Engel auf sieben langen Seiten – zugegeben: rhetorisch brillant – mit jedem Satz ein wenig höher hängen. Und er tut es auch. Es wäre nur allzu menschlich, wenn blinde Wut und Enttäuschung über den Sündenfall des Claas-Hendrik Relotius Herrn Fichtner hierbei die Feder geführt hätten.

Eine auch nur halbwegs nachvollziehbare Erklärung dafür, wie und warum ein blutjunger Mann sieben lange Jahre nach Herzenslust Details und ganze Geschichten erfinden, mithin die laut aktuellem Impressum 62 Köpfe starke Dokumentation und 17 Schlußredakteure nachhaltig und dauerhaft hinters Licht führen konnte, bleibt er hingegen schuldig. Schade. Doppelt schade, denn dass es Hochstapler auf dieser Welt gibt, ist nicht wirklich eine neue Erkenntnis – die Antwort hingegen auf die Frage, wie es jemand zuwege gebracht haben mag, die legendären Sicherungssysteme des Spiegel nachhaltig jahrelang außer Kraft zu setzen, hätte durchaus einen gewissen Nachrichtenwert.

Die Einzeltäter-Theorie

„Wir haben es – man muss es glaub‘ ich so sagen – mit einem genialen Einzeltäter zu tun.“ So fränkelt Fichtner in Sonderfolge 62 des kostenpflichtigen Spiegel-Podcasts „Sagen, was ist.“ Das ist eine – mutmaßlich zum Schutze aller ehrlich arbeitenden Journalisten gut gemeinte – Tatsachenbehauptung. Eine, die in den restlichen 28 1/2 Minuten jedoch durch nichts gestützt wird. Was bedauerlicherweise dem Gedanken Vorschub leistet, dass die Einzeltäter-Theorie im vorliegenden Fall einen ähnlichen Wahrheitsgehalt haben könnte wie im NSU-Komplex.

Es ist ja keine schöne Geschichte“

Stattdessen ergeht sich der – wie Relotius auch mit vielen Preisen für seine Erzählkunst dekorierte – Fichtner in einer weiteren detailverliebt-gefühligen Schilderung: „Es ist ja keine schöne Geschichte, aber es hat Elemente von einem Film […] Wir verdanken es dann nach Juan Moreno Özlem Gezer, das ist die stellvertretende Leiterin des Gesellschafts-Ressorts, und ihrer Menschenkenntnis auch so’n bißchen, die in dem Moment, als sich die Hinweise immer weiter verdichten, einfach eines Abends sich ’n Auto mietet auf der Straße, zu Relotius vor die Tür fährt und sagt: „Claas, Du kommst jetzt hier runter oder ich komm‘ hoch – ich will jetzt wissen, was hier los ist.““ Wenn ich mich dieser mit einem sanften süddeutsch eingefärbtem Timbre überzogenen sonoren Erzähl-Stimme hingebe, entsteht sofort das Filmplakat vor meinem Inneren Auge, auf dem in großen Lettern prangt: Regie – Florian Henckel von Donnersmarck | Hauptdarsteller – Matthias Schweighöfer … und Drehbuch: Ullrich Fichtner.

Zwischenfazit

„Das System Claas R. bricht zusammen“, soll Fichtner lakonisch in einer SMS zum Thema mitgeteilt haben. Ich möchte hinzufügen: Der Spiegel hat nicht nur in den vergangenen sieben Jahren im Hinblick auf das Wirken des Betrügers Claas-Hendrik Relotius auf ganzer Linie mit all seinen hochgelobten und ebenso gefürchteten Sicherungssystemen versagt. Leider hat er auch beim ersten Anlauf der Aufarbeitung der Spiegel-Affäre 2.0 das Thema verfehlt. Sechs. Setzen. Und zügig professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Ob nun von Giovanni di Lorenzo, Stefan Aust oder Georg Mascolo ist einerlei.

Update

Vor viereinhalb Stunden hat ZEIT Online vermeldet, dass Ullrich Fichtner seinen noch nicht angetretenen Posten in der Chefredaktion zur Verfügung gestellt habe und Klusmann den Vertrag der durchaus verdienten Edelfeder aussetzen will. GUTE Entscheidung!!! Seit dem 19. Dezember ein erster Schritt in die richtige Richtung. Ein allererster. Chapeau, Herr Klusmann. Weiter so! Bitte.


©2018 Dieter Röseler – alle Rechte vorbehalten | all rights reserved

22. Dezember 2018: Neue Männer hat das Land

Und damit den Salat.

Liebe Ina Deter,

bevor selbst ich mich nach wochenlanger Verweigerungshaltung auf der Schlußgeraden dann doch auch noch dem vom Zeitgeist oktroyierten Vorweihnachtskaufrausch überMANNen lassen muss, nutze ich die letzten besinnlichen Stunden in meinem Lieblings-Café Amelie für diese offenen Zeilen an Dich… ich hätte sie Dir gerne – sehr gerne sogar – comme il faut privat zugesendet. Aber Du hast Dir ja so wirksam Frodos Unsichtbarkeitsjöppchen umgeworfen, dass selbst das ansonsten allwissende Wikipedia keine Ahnung hat, ob Du grad in der Hauptstadt, in Spanien oder JottWeeDee weilst.

Schau’ sie Dir mal ganz in Ruhe an, die Geister, die Du vor 36 Jahren riefst und komm mir jetzt nicht mit der lahmen Entschuldigung, dass Du jung gewesen seiest und das Geld gebraucht hättest:

          Jens Spahn               Bernd Höcke | Markus Söder | Karl Lauterbach | Anton Hofreiter

Komm’ raus aus Deinem Versteck, liebe Ina, und stell’ Dich Deiner gesellschaftlichen Mitverantwortung für diesen erbärmlichen Status Quo in Deutschland.

Weißt Du, wenn es sich nur darum handeln würde, dass Du mir mit Deinem (noch nicht einmal #1-, aber immerhin dann doch:) Hit-Wunder meine Adoleszenz sowas von versaut hättest, würd’ ich heute nur müde lächeln… nach drei Therapien hab’ ich meinen Frieden damit gefunden, dass gefühlte 90% aller xx-chromosomalen Wesen meiner Pubertätsaltersklasse hennagefärbt auf der Tanzfläche der Disco im evangelischen Jugendheim Köln-Kalk zu Deinen polemisierenden Liedermacherinnen-Versen verzückt rumzappelten und in keinster Weise empfänglich waren für meine ersten zarten Werbeversuche. Auch der Umstand, dass ich hernach noch für Jahrzehnte dem Irrglauben anhing, dass Frauen grundsätzlich langsam kämen, ist Teil Deiner Verantwortung für mein armes kleines, lange Jahre fehlgeleitetes Leben. Aber: geschenkt. Ehrlich.

Was jedoch das oben abgebildete Quintett des Grauens angeht: über diese allergrößte Sorgen bereitende Entwicklung in diesem unserem Lande kann und darf ich nicht länger das gnadenvolle Mäntelchen des Schweigens hüllen. Das wird mir an diesem besinnlich-friedlichen vierten Adventssamstag 2018 immer bewußter. Diese „MÄNNER“ sind die Ernte Deiner Saat. Deren Allpräsenz in den Medien und an den Schaltstellen der Macht verpasst unserer ehedem wunderschönen Leitkultur (vielen Dank, HERR März (mit „e“), für diese Wortschöpfung) seit Jahren immer häufiger ein führendes „G“ – ohne Punkt, wohlgemerkt.

Ich fordere Dich auf, mir im nächsten Jahr Rede und Antwort zu stehen, Du Powerfrau des Fin de Siècle. Es läßt sich einfach nicht mehr daran vorbeiblicken, dass Du ganz im Gegensatz zu Mephistopheles ein Teil der Kraft bist, die stets das Gute will und doch das Böse schafft.

Ruf. Mich. An. Ich freue mich auf eine weich aber unfair geführte Debatte in meinem neuen Podcast-Format „Die Besten im Westen – Im Osten nur Kosten?!“ Die wenigstens bist Du mir, vor Allem aber Deinem Land schuldig.

Hochgradig verärgert, Dein Dieter


©2018 für den Wortbeitrag: Dieter Röseler – alle Rechte vorbehalten | all rights reserved

Lichtbilder v. l. n. r.: ©2018 Olaf Kosinski | ©2015 Alexander Dalbert | ©2016 Superbass | ©2018 Martin Kraft | ©2014 Foto-AG Gymnasium Melle – Quelle aller Lichtbilder: Wikipedia