24. August 2019: Geschichte wiederholt sich

Die regierenden Unionsparteien CDU und CSU machten ab Mitte der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts im West-Teil des noch geteilten Deutschlands bereits Stimmung gegen sogenannten „Asylbetrug“ und gegen Wirtschaftsflüchtlinge. Die Folgen: Deutlich vermehrte Gewalttaten von Neonazis gegen Ausländer. Rechtsradikale Parteien ziehen in mehrere Parlamente ein. Und ebenso wie Horst Seehofer in den Jahren 2015 bis 2018 droht auch damals schon der seinerzeitige bayerische Innenminister, spätere Ministerpräsident des Freistaats und Kanzlerkandidat der Union im Jahr 2002 Edmund Stoiber mit der Spaltung der Union, falls die Schwesterpartei CDU sich in der Asylrechtsfrage im Rahmen des damals bestehenden Rechts und damit an der Seite der übrigen im Bundestag vertretenen Parteien SPD, Grüne und sogar dem kleinen Koalitionspartner FDP positionieren sollte.

In den Monaten nach der Wiedervereinigung spitzen die Unionsparteien den politischen Diskurs mit Unterstützung der Springer-Blätter Bild und Welt am Sonntag dramatisch zu. Zu einer der schärfsten, polemischsten und folgenreichsten Auseinandersetzungen der deutschen Nachkriegsgeschichte, wie der Historiker Professor Ulrich Herbert in seinem Buch „Geschichte der Ausländerpolitik in Deutschland“ auf Seite 299 ausführt.

1992 steigt die Zahl der Asylsuchenden im wiedervereinigten Deutschland, vorwiegend aufgrund des Bürgerkriegs in Jugoslawien, sprunghaft auf 440.000 an – nahezu doppelt so viel wie im Vorjahr und gut acht Mal so viel wie 1987. Jedoch immer noch ein verschwindend geringer Bruchteil gegenüber den Millionen Flüchtlingen, die nach dem Ende des 2. Weltkrieges in Westdeutschland eine neue Heimat fanden… lange bevor die BRD zu einem der reichsten Länder der Welt avancierte.

Rostock, Sonnenblumenhaus (Schauplatz des Pogroms vom 22. – 26. August 1992) „In der Nacht vom Samstag zum Sonntag räumen wir in Lichtenhagen auf. Das wird eine heisse Nacht.“ Unbekannter Anrufer, am 19. August 1992 kommentarlos zitiert in der Rostocker Tageszeitung Norddeutsche Neueste Nachrichten | Exzerpt der Werkreihe „Deutschland 5 Uhr 30 – #d5h30“

Am 22. August 1992 schließlich beginnt – befeuert durch kommentarlos publizierte Aufrufe zur Gewalt in den lokalen Tageszeitungen Norddeutsche Neueste Nachrichten und Ostsee-Zeitung – das furchtbare Pogrom von Rostock. In dessen Verlauf hat ein bis zu 4.000 Menschen starker Mob fünf ganze Tage lang das Sonnenblumenhaus und dessen BewohnerInnen im Ortsteil Lichtenhagen in Todesangst und Schrecken versetzen können. Heute vor genau 27 Jahren, am Abend des 24. Augusts, ist das Gewaltmonopol des Staats in Form der Polizeikräfte faktisch komplett außer Kraft gesetzt. Ebenso wie in der Silvesternacht 2015 am Kölner Hauptbahnhof. Fast die gesamte Führungsriege glänzt durch Abwesenheit. Zwei davon mit der vielsagenden „Begründung“, Hemden wechseln zu müssen.

Parteichef Björn Engholm hat die SPD-Spitze übrigens für das Wochenende vom 22. bis 23. August zu einer Klausurtagung im fernen Bonn eingeladen, auf der mit den sogenannten Petersberger Beschlüssen der Weg bereitet wurde für Artikel 16a des Grundgesetzes.

Mit diesen ist am 6. Dezember des gleichen Jahres das Asylrecht erheblich eingeschränkt worden.

Ist das eine nur zufällige zeitliche Koinzidenz? Ist ein Schelm, der Böses dabei denkt?

Ich glaub‘ ja nicht an Zufälle.


©2019 für Text- und Bildbeiträge (soweit nicht anders angegeben): Dieter Röseler – alle Rechte vorbehalten.

22. Juli 2019: #metoo am Potsdamer Heiligen See?

Ein gutes Jahr, bevor der Hashtag #metoo im Zusammenhang mit sexuellen Übergriffen des US-amerikanischen Filmproduzenten Harvey Weinstein weltweites Aufsehen erregte, sah sich der Vorstand des Axel-Springer-Verlags mit ähnlichen Vorwürfen gegen Kai Diekmann (langjähriger Chefredakteur und damals amtierender Herausgeber des Springer-Boulevardblatts Bild) konfrontiert. Wegen eines Vorfalls, der sich heute vor drei Jahren am Rande einer Klausurtagung zugetragen haben soll:

2016 | Villa Diekmann — Exzerpt von „Deutschland 5Uhr30 – #d5h30“

„Der angebliche Tat-Zeitpunkt war der späte Abend des 22. Juli 2016. An diesem Tag fand rund um den privaten Wohnsitz Diekmanns der gesellschaftliche Ausklang der jährlichen Klausurtagung der Bild-Gruppe statt. Etliche Teilnehmer nutzten diesen Anlass zu einem sommerlichen Bad im Potsdamer See. Was dabei zwischen dem Bild-Herausgeber und der Springer-Angestellten kurz vor Mitternacht geschah, ist völlig unklar. Sicher ist nur, dass die Frau Vorwürfe der sexuellen Belästigung durch den Chef der roten Gruppe erhebt und bis heute daran festhält.“ (Quelle: meedia: https://meedia.de/2017/01/06/kai-diekmann-und-der-sex-vorwurf-mit-bild-im-fahrstuhl-nach-oben-mit-dem-spiegel-wieder-nach-unten/)

Anders als im Fall Kachelmann berichtete die Bild nun nicht von vorderster Front. Ebenfalls in scharfem Kontrast zu ihren Kollegen, die wenige Jahre zuvor gegen den durchs Fernsehen bekannt gewordenen Meteorologen ermittelten, agierte die seit Herbst 2016 im Fall Diekmann ermittelnde Staatsanwaltschaft Potsdam deutlich weniger publikumswirksam. Mutmaßlich, um einer öffentlichen Vorverurteilung des Beschuldigten keinerlei Vorschub zu leisten.

Es wurde schließlich nicht einmal Anklage gegen den Mann erhoben, der während der Wulff-Affäre wenig skrupulös den Bundespräsidenten durch das Lancieren einer Mailbox-Sprachnachricht öffentlich diskreditierte – und damit die Vertraulichkeit des Wortes verletzte:

Es habe sich kein hinreichender Tatverdacht ermitteln lassen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. „Denn hinsichtlich der Feststellung der tatsächlichen Geschehnisse im Sommer 2016 stehen sich im Ergebnis allein die Einlassung des Beschuldigten und die Bekundungen der Zeugin diametral gegenüber.“ Dabei seien die Angaben des Beschuldigten nicht weniger wahrscheinlich als die Angaben der Frau. Objektive Beweismittel gebe es nicht.“, meldet der Spiegel ein Jahr später am 2. August 2017 (https://www.spiegel.de/panorama/justiz/kai-diekmann-staatsanwaltschaft-stellt-ermittlungen-ein-a-1161029.html).

Ob diese Einstellung des Verfahrens den tatsächlichen Geschehnissen des späten Abends des 22. Juli 2016 gerecht wurde, wissen nur die beiden Beteiligten…

Der Rechtsstaat aber hat nach wenig rühmlichen Eskapaden im Fall Kachelmann Boden gut gemacht, denn auch noch für den skrupellosesten aller Blattmacher hat der Rechtsgrundsatz zu gelten: „In dubio pro reo.“


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1. Juli 2019: „Kommt die D-Mark, bleiben wir…“

Ein Angebot, das sie nicht ablehnen konnten?

Heute vor 29 Jahren trat der Staatsvertrag über die Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion beider deutscher Teilstaaten in Kraft – noch nicht einmal acht Monate nach dem Fall der Berliner Mauer.

Die „Welt am Sonntag“ fragte schon vor 15 Jahren Karl Otto Pöhl, von 1980 – 1991 Präsident der Bundesbank:

1990 | Frankfurt am Main |Bundesbank ||| Exzerpt von „Deutschland 5 Uhr 30“

„Herr Pöhl, war die Einführung der D-Mark im Jahr 1990 zum Kurs eins zu eins auch aus heutiger Sicht falsch?

Karl Otto Pöhl: Ja. Es kann heute keinen Zweifel mehr geben, dass dies eine ökonomisch verhängnisvolle Entscheidung war. […] Als Ergebnis beendete die Treuhand ihre Tätigkeit mit einer gigantischen Verschuldung in Höhe von mehreren hundert Milliarden D-Mark, obwohl sie einen großen Teil der DDR-Wirtschaft privatisiert hatte. Eine noch schlimmere Konsequenz ist die Tatsache, dass weite Teile Ostdeutschlands deindustrialisiert wurden […]

Stünde es heute besser um die ostdeutsche Wirtschaft, wenn die Ost-Mark damals niedriger bewertet worden wäre?

Pöhl: Sicherlich. Man sieht das ja an anderen ehemaligen kommunistischen Staaten, wie etwa Ungarn oder der Tschechischen Republik, die dank eines realistischen Wechselkurses einen wettbewerbsfähigen Außenwert ihrer Währung erreicht haben. […]

Bundeskanzler Helmut Kohl stand bei der Einführung der D-Mark in der DDR unter großem politischen Druck. War das für Sie ein Faktor?

Pöhl: Selbstverständlich. Es ist richtig: Kohl und die gesamte politische Klasse der Bundesrepublik standen unter einem gewaltigen Druck. […]“

Quelle: https://www.welt.de/print-wams/article115077/Karl-Otto-Poehl-ist-ueberzeugt-Der-Kurs-beim-Umtausch-war-verhaengnisvoll.html


In der siebten Folge seiner Reihe „Deutsche Rufe“ widmet sich Thilo Schmidt dem (ost?)deutschen Droh-Ruf der Wendezeit:

Wurde dieser Slogan aus Bonn lanciert?

„Kommt die D-Mark, bleiben wir, kommt sie nicht, geh’n wir zu ihr!“ Die Wirkung dieser Parole war enorm – auf den Straßen und in den Regierungszentralen. Doch wer verwendete sie zuerst? Wurde sie gar von Strategen aus Bonn gezielt auf der Montagsdemonstration platziert? Hinweise darauf gibt es, aber auch ein Dementi.[…] Insgesamt sind über 200.000 DDR-Bürger in die Bundesrepublik übergesiedelt, noch bevor die Mauer fällt. Die DDR blutet aus. Statt der „Hierbleiber“ prägen die Ausreiser das Bild. […]

„Kommt die D-Mark, bleiben wir, kommt sie nicht, geh’n wir zu ihr“. Plakatiert in der Wendezeit. Die Botschaft ist unmissverständlich: Das Land wird weiter ausbluten, wenn die Sehnsucht nach Westgeld nicht erfüllt wird. Aber wer hat es zuerst plakatiert? Wann? Wo? Und warum? Die Spuren führen ins Eichsfeld, nach Leipzig – und nach Bonn.

Im Oktober ’89, spätestens mit dem Mauerfall, verändert sich der Charakter der friedlichen Revolution. Plakate und Sprechchöre wie „Keine Gewalt“, „Neues Forum zulassen“, Forderungen nach Perestroika, Meinungsfreiheit und Zivildienst weichen denen nach Einheit und Westgeld. […]

Der Hamburger Publizist Otto Köhler:„[…] Sarrazin sagte schon kurz zuvor: Wir müssen es anders machen. Wir brauchen eine, so wörtlich: Offensive Lösung. Hallers Überlegung war: Was wäre, wenn wir keine Währungsunion im eigentlichen Sinne machten, sondern die D-Mark in die DDR bringen?“ […]

[Am 21. Januar 1990 meldet die] Tagesschau: „Zu einer symbolischen Massenflucht aus der DDR haben sich heute rund 60.000 DDR-Bürger in Teistungen bei Duderstadt versammelt. […] mit Koffern und Umzugsgepäck gingen sie geschlossen über die Grenze in die Bundesrepublik. Sie wollten damit zeigen, wie viele Menschen bereit seien, auszureisen, falls die SED nach der Wahl am 6. Mai die Macht behalten sollte. […]

Ostberlin, am Zentralen Runden Tisch, im Februar 1990. […]

[Gerd] Poppe [Minister ohne Geschäftsbereich der DDR]: „Ja, ich möchte noch ein paar Bemerkungen machen zum Verlauf der Verhandlungen dort. Mir ist aufgefallen, dass eigentlich immer nur von Geld die Rede war, von Seiten des Bundeskanzlers. Es ging aber weder um die 40-jährige Geschichte der beiden Staaten, es ging auch nicht um die Akzeptanz einer spezifischen DDR-Identität, es ging auch nicht um die sozialen Probleme, die in diesem Lande zu erwarten sind, wenn es zu einer schnellen Währungsunion kommt.“ […]

Die CDU steuerte auf eine herbe Wahlniederlage zu. Konnte die schnelle Einführung der D-Mark im Osten Helmut Kohl die Wiederwahl sichern? In Bonn spielt ein weiterer Ministerialbeamter eine entscheidende Rolle: Horst Teltschik, Kohls Vize-Kanzleramtschef.

Der Publizist Otto Köhler:„Teltschik nahm die Idee, wenn wir nicht mit der D-Mark in die DDR kommen, kommen die zu uns, am 6.2. in sein gedrucktes Tagebuch auf: ‚Unsere Überlegung: Wenn wir nicht wollen, dass sie zur D-Mark kommen, müssen wir ihnen die D-Mark bringen.‘ Das war am 6.2. Drei Tage später, am 9. Februar 1990, sagte er: ‚Die DDR wird in wenigen Tagen völlig zahlungsunfähig sein.‘ […] das ist eine so frappante Geschichte! Als dann Jahrzehnte später die Deutsche Bank so etwas über den Medienmogul Kirch sagte, wurde er tatsächlich zahlungsunfähig und klagte dann! Weil allein durch diese Bemerkung, er sei zahlungsunfähig, er zahlungsunfähig wurde, wenn es von der Deutschen Bank kommt. Und so ähnlich war die Geschichte ja auch mit Teltschik.“

Tagesschau: „[…] dadurch könne es möglich sein, dass die Volkskammerwahlen vorgezogen würden. […]“

Köhler: „Am 12.2., drei Tage später, registriert Daniela Dahn, die große Journalistin aus dem Osten, in einem ihrer entsprechenden Werke, dass bei der Leipziger Montagsdemonstration diese Parole erstmals auftauchte. ‚Kommt die D-Mark, bleiben wir, kommt sie nicht, gehen wir zu ihr.‘ […]

Doch woher kam dieses Plakat? Aufgenommen […] in Leipzig, sechs Tage, nach dem Horst Teltschik in sein Tagebuch schrieb: „Wenn wir nicht wollen, dass sie zur D-Mark gehen, muss die D-Mark zu den Menschen gehen“? […]

Köhler: „… und da fiel mir etwas auf. Dieses Transparent hängt nicht an Latten, wie man sie in der DDR, dem Mängelstaat, immerhin noch überall bekam, sondern an Bambusstöcken! Und das war, in der DDR, die ja nicht mal Bananen für ihre Einwohner hatte, doch etwas ungewöhnlich![…] Und diese Bambusstöcke tauchten auch auf in Dresden, als Helmut Kohl seine berühmte Kundgebung, schon sehr früh, das war im Dezember, da waren viele schwarz-rot-goldene Fahnen an Bambusstöcken befestigt. Und später erfuhr ich, dass aus Bonn, aus der Propagandazentrale der CDU Wagen gekommen waren, die Fahnen mit eben diesen Stöcken anlieferten […] Es gab in Leipzig – das war im Wahlkampf, dann, im März – ein Transparent, ein großes Transparent, Helmut Kohl hat es in seinen Erinnerungen abgebildet, das Foto. Ein Transparent, dass eine derartige Beleidigung war der Ostdeutschen. Aber die haben’s nicht gemerkt! Auf dem stand: ‚Helmut, nimm uns an die Hand, zeig uns den Weg ins Wirtschaftswunderland‘. Dass die Ostdeutschen so etwas fabriziert hätten, ist nicht glaublich. Dass sie es hingenommen haben, ist natürlich sehr, sehr schlimm. Aber es war natürlich aus Bonn gekommen.“

Die Wahl am 18. März gewinnt die Allianz für Deutschland unter Federführung der Ost-CDU. Am 18. Mai unterzeichnen die Wirtschaftsminister der beiden deutschen Staaten den Vertrag über die Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion. Auf der Vertragsmappe der BRD prangt der Bundesadler, auf der Vertragsmappe der DDR fehlt das DDR-Enblem – kein Aufdruck mehr.

Friedrich Schorlemmer [evangelischer Theologe und DDR-Bürgerrechtler]: „Helmut Kohl hat politisch, was ihn selbst anlangt, klug gehandelt. Und Helmut Kohl hat die Wahl am 2. Dezember 1990 … hat er schon vorausgewonnen. Nämlich schon in der Wahl am 18. März 1990. Als klar war: Wenn ihr CDU wählt, dann kommt die Deutsche Einheit. Und natürlich mit der D-Mark! Die Deutsche Einheit mit der D-Mark. Oder: Die D-Mark plus deutsche Einheit. Und er versprach die D-Mark auch unter Bedingungen, vor denen die Ökonomen gewarnt hatten! […] Wir hätten einen längeren Weg in unserem Land zu uns selbst finden sollen, um dann nicht als Konkursmasse der Bundesrepublik, der prosperierenden Bundesrepublik angeschlossen zu werden, sondern als ein Partner, als ein willkürlich abgeteiltes Teilland Deutschlands, nun uns überlegen: Wie wollen wir unser Land gemeinsam gestalten, und wie erfüllen wir Artikel 146 des Grundgesetzes? Nämlich dass das deutsche Volk sich in freier Selbstbestimmung eine Verfassung gibt? Und zwar so, dass die unterschiedlichen Erfahrungen da mit einfließen können. Was wir aber hatten war: Die komplette Übernahme. Nicht ein einziger Blick wurde mehr in den Verfassungsentwurf des Runden Tisches getan, kein einziger Blick wurde hereingeworfen in diesen Verfassungsentwurf.“

Quelle: https://www.deutschlandfunkkultur.de/deutsche-rufe-7-8-kommt-die-d-mark-bleiben-wir.1001.de.html?dram:article_id=294872


©2019 für Text- und Bildbeiträge (soweit nicht anders angegeben): Dieter Röseler – alle Rechte vorbehalten.


9. Juni 2019: Staat und Nazis Hand in Hand

Alles Zufälle und Verkettungen unglücklicher Umstände?!

*** 2004 | Keupstrasse | Köln *** Exzerpt von #d5h30

Am 9. Juni 2004 – heute vor genau 15 Jahren – wurde vom NSU-Komplex das menschenverachtend grausame Nagelbombenattentat in der Kölner Keupstraße verübt.

Um 15Uhr56 detonierte eine mit über 700 zehn Zentimeter langen Zimmermannsnägeln und mindestens 5500 Gramm Schwarzpulver bestückte Bombe. Wie durch ein Wunder wurde bei diesem feigen terroristischen Anschlag niemand seines Lebens beraubt.

In der Folge dieser Straftat jedoch wurden viele Opfer und Opferangehörige ihrer Ehre beraubt. Und ihrer – eigentlich grundgesetzlich verbrieften – Würde (das Wort „eigentlich“ negiert auch hier – wie immer – die Grundaussage des Satzes, in dem es Verwendung findet).

In stillem Gedenken an die Opfer und Opferangehörigen nachfolgend einige nachdenkliche Stimmen. Mag ein JedeR seine eigenen Gedanken dazu entwickeln:

1. „Der Ort des Anschlags ist eine Straße mit vielen türkischen Geschäften. Dies hätte die Ermittler bewegen können, von einem rassistischen Tathintergrund auszugehen, sagten damals schon Betroffene. Doch bereits nach einem Tag meinte die Staatsanwaltschaft zu wissen, dass es „keine Hinweise auf eine terroristische Lage“ gebe. Der damalige Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) sagte damals ebenso schnell, dass die Erkenntnisse auf den Hintergrund eines „kriminellen Milieus“ hinweisen würden. 2013 entschuldigte er sich bei seiner Vernehmung im NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestags für diese Fehleinschätzung.“

Quelle: taz vom 23. Juni 2013, abgerufen am 8. Juni 2019 hier: http://www.taz.de/!5064684/


2. „Wichtige Zeugen wurden nicht befragt, eine Datenbank nicht richtig genutzt […] Als „fast schon skandalös“ bezeichnete Clemens Binninger, der CDU-Obmann im NSU-Untersuchungsausschuss, das Verhalten der Kölner Polizei nach dem Anschlag im Jahr 2004. „Diesen Fall hätte man aufklären können“, ist Binninger überzeugt. Zu diesem Schluss kommt der Politiker nach der Befragung eines Kölner Polizisten im NSU-Untersuchungsausschuss am Donnerstag (25.04.2013) in Berlin. Der Beamte sei gemeinsam mit einem Kollegen zum Zeitpunkt des Anschlags in direkter Nähe auf Streife gewesen. […] die beiden Beamten hätten wichtige Hinweise geben können – wenn sie denn vernommen worden wären. […] Nach WDR-Informationen wurden sie allerdings nicht gefragt, ob sie Verdächtige gesehen hätten, die Ähnlichkeit mit den mutmaßlichen Attentätern des NSU gehabt hätten. Zum Ärger von Binninger: „Erst jetzt, neun Jahre nach dem Anschlag, werden sie vernommen und das noch nicht einmal gründlich“. Die Vernehmung habe ausgerechnet der Ermittler geführt, der 2004 für die Versäumnisse in Köln verantwortlich gewesen war. […] „Der Vorwurf der Verfahrensbeeinflussung steht im Raum“, sagte Petra Pau (Linke).“

3. „Wäre nach den Schlagworten „männlich“, „Koffer“ und „rechtsradikal“ gefragt worden, hätte man die Datei des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt abrufen können, kritisierte der CDU-Obmann. Spliethoff [Leiter der zuständigen Polizei-Tatortgruppe] war diese Abfragmöglichkeit nach eigenen Angaben nicht bekannt.“

Quelle von 2 und 3: WDR am 25. April 2013, abgerufen am 8. Juni 2019 hier: https://www.wdr.de/archiv/am-rechten-rand/nsu-108.html


4. „Am Tag des Nagelbombenanschlags war Andreas Temme, der Beamte des hessischen Landesamts für Verfassungsschutz, der im April 2006 beim NSU-Mord an Halit Yozgat in Kassel am Tatort anwesend war, in Köln, um eine Tagung zu besuchen.“

Quelle: Wikipedia, abgerufen am 9. Juni 2019 hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Nagelbomben-Attentat_in_K%C3%B6ln#Hintergr%C3%BCnde


Volker Bouffier, CDU, Ministerpräsident von Hessen

5. „Unglaubliche 120 Jahre Sperrfrist für eine Akte des Verfassungsschutzes zum NSU: Damit konfrontiert hatte sich auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) im Juni 2017 überrascht gezeigt. „Wie bitte?“, entfuhr es ihm. Die Linken waren auf die Existenz des Berichts gestoßen, den der hessische Verfassungsschutz verheimlichen wollte. Es geht um streng geheime Unterlagen darüber, was der ihm Jahre lange unterstellte Verfassungsschutz zur extremen rechten Szene zusammengetragen – und dabei ignoriert oder nicht ernst genommen hat.“

Quelle: Lars Wienand am 16. Juli 2018 auf t-online, abgerufen am 9. Juni 2019 hier: https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/innenpolitik/id_84106974/warum-bleibt-die-nsu-akte-120-jahre-unter-verschluss-.html


6. „Am 10.Juni stellte die Berliner Staatsanwaltschaft das von der Polizei eingeleitete Strafverfahren wegen Verunglimpfung des Staates ein. Die Staatsanwaltschaft bewertet die strittige Aussage [Staat und Nazis Hand in Hand] als eine im Kontext der Erkenntnisse zum NSU-Komplex zulässige Meinungskundgabe und betont, „dass die Formulierung ‚Staat und Nazis Hand in Hand‘ keine Gleichsetzung des Staates mit Nazis zum Ausdruck bringt, sondern nur eine enge Kooperation des Staates mit Nazis anprangert.“

Quelle: glokal am 2. Juli 2014, abgerufen am 9. Juni 2019 hier: https://www.glokal.org/nsu-schlappe-fur-polizei-staat-nazis-hand-in-hand-verunglimpft-staat-nicht/


7. „In Köln ist weiterhin nicht klar, wo das Mahnmal zur Erinnung an das Nagelbombenattentat vom 9. Juni 2004 gebaut werden soll. Nach Angaben von Oberbürgermeisterin Henriette Reker vom Freitag (07.06.2019) gibt es noch kein Grundstück für das Mahnmal. […] Wo bleibt der Aufschrei, fragen Anwohner zusammen mit der Initiative „Keupstrasse ist überall“ in einem offenen Brief, der jetzt im Internet zu lesen ist. Die Verantwortlichen in der Verwaltung hätten immer noch nicht begriffen, welche Bedeutung dieses Mahnmal habe, heißt es. […] Sollte es keine Einigung auf einen neuen Standort geben, dann sieht Kölns Oberbürgermeisterin die Gefahr, „dass wir auch in den kommenden Jahren und auf absehbare Zeit kein Mahnmal sehen werden“.

Quelle: WDR am 7. Juni 2019, abgerufen am 9. Juni 2019 hier: https://www1.wdr.de/nachrichten/rheinland/streit-mahnmal-keupstrasse-gedenktag-100.html


©2019 für Text- und Bildbeiträge (soweit nicht anders angegeben): Dieter Röseler – alle Rechte vorbehalten.

15. Mai 2019: BREAKING (Podcast-)News

Home is where the Dom is

Zutiefst geehrt, demütig dankbar und höchstgradig motiviert haben wir heute die große Freude, einen neuen institutionellen „Die Besten …“-Produzenten begrüßen zu dürfen:

Das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen unterstützt den Chargesheimer-Jedächtnis-Podcast, der kommenden Samstag, den 18. Mai 2019 ab 20 Uhr LIVE aus der Lichtblick School in Köln-Nippes übertragen wird, ebenfalls.

Und zwar mit einem „Heimatscheck“, einem kulturellen Förder-Programm, das erst im letzten Jahr von der neuen schwarz-gelben Landesregierung aufgesetzt wurde.

Unser ganz besonderer Dank gilt an dieser Stelle dem für die Bearbeitung von Heimatscheck-Förderanträgen zuständigen Dezernat 35.3 bei der Bezirksregierung Köln, dessen gute Seelen es geschafft haben, die reguläre Bearbeitungszeit in diesem besonderen Fall zu halbieren. Ganz ohne jedes „Fitzli-Fatzli“. Unbürokratisch. Bürgernah. Toll!

Last but not least: DANKE für diese großartige Unterstützung – sie ist Ehre und Verpflichtung gleichermaßen!!!

5. Mai 2019: Photoszene-Festival 2019

SAVE the TIME!

Künstlergespräch mit Kurt Buchwald

5. Mai 2019 | 14:00 Uhr | Erzbergerplatz 9 | 50733 Köln

Kurt Buchwald

Vorgestern hat die „heiße“ Festivalwoche begonnen und der mutige Entschluß der OrganisatorInnen um Geschäftsführerin Heide Häusler, sich vom Diktat und der Unberechenbarkeit der KölnMesse nicht weiter beeindrucken zu lassen, hat sich zweifellos als richtig erwiesen.

Als eines der ältesten und renommiertesten Foto-Festivals weltweit präsentiert die Internationale Photoszene Köln in diesem „Nicht-photokina-Jahr“ erneut eine Vielzahl von Ausstellungen im Kölner Stadtgebiet, die sich großer Aufmerksamkeit erfreuen.

Eine der Interessantesten feierte gestern im Kölner Norden Eröffnung. Die beiden Mitbegründer der Initiative HIGH FIVE, HP Schaefer und Helmut Hergarten, haben sich in diesem Jahr die KollegInnen Philipp J. Bösel (DGPh) aus meiner neuen Heimat Bensberg, Kurt Buchwald (DFA) aus Berlin und die Kölnerin Steffi Sonntag ins Boot geholt.

Tagestipp für heute: das Künstlergespräch mit dem Fotografen, Aktions- und Konzeptkünstler Kurt Buchwald, den Schaefer am Rande der Hamburger DFA-Tagung für die diesjährige Gruppen-Show der HOHEN FÜNF gewinnen konnte.

Der gebürtige Wittenberger Kurt Buchwald, dessen Sohn – gutes antizipierendes Timing – am 9. November Geburtstag feiert, weiss Einiges zu berichten: so konnte er beispielsweise den Mauerfall vor 30 Jahren von einem Logenplatz aus beobachten: am Fenster seiner Berliner Wohnung. Irgendwann im Verlauf der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989 wurde er von Baggerlärm geweckt und wunderte sich, warum die Grenzsicherungstruppen der NVA sich am „Antifaschistischen Schutzwall“ der Bernauer Straße zu schaffen machten.

(In diesem Zusammenhang muss leider erwähnt werden, dass der Chronist im Rahmen einer Vernissagen-Wette einige Kaltschalen kölnischen Gerstensafts verloren hat: der BesserWissi verwechselte die Bernauer mit der Bornholmer Straße…)

Buchwalds Arbeiten spiegeln seine Lebensphilosophie: durchaus gesellschaftskritisch nähert er sich selbst dem ernstesten Thema stets mit mindestens einer Prise augenzwinkerndem Humor. Mitunter durchaus sarkastisch. Und tiefschwarz. Wie seine Röhren. Und die 99 Luftballons, die seine Koje markieren.

4. Mai 2019: Chargesheimer-Jedächtnis-Podcast

PROFIFOTO berichtet:

2. Mai 2019 

Am 19. Mai würde der legendäre Kölner Fotograf Chargesheimer 95 Jahre alt. Am Vorabend wollen Philipp J. Bösel (DGPh), Markus Schaden (The Photobook-Museum), Wolfgang Zurborn (DFA­ Präsidium) und als Gastgeber Dieter Röseler ein ebenso unterhaltsames wie kurzweiliges und dennoch informatives Gespräch über den bedeutenden deutschen Fotografen der Nachkriegszeit führen.

„Charges…. – wer?“ ist die einhellige Reaktion, wenn man den Künstlernamen von Karl Heinz Hargesheimer (1924 – 1971/72) außerhalb seiner Fan-Gemeinde erwähnt. Dabei war der zeitlebens mit seiner Heimatstadt eng verbundene Kölner einer der gefragtesten und vielbeschäftigsten Nachkriegsfotografen Deutschlands: so beauftragte Spiegel-Gründer Rudolf Augstein ihn beispielsweise im Vorfeld der Bundestagswahl 1957, ein Porträt von Konrad Adenauer anzufertigen. In der Hoffnung, dass der „Alte“ so gezeigt werde, dass ihm keine dritte Amtszeit als Bundeskanzler vergönnt sei.

Obgleich Augsteins Hoffnung sich nicht erfüllte, war Chargesheimers Adenauer-Bildnis (das dieser im Übrigen autorisierte) eines „in Granit gemeißelten, maskenhaften Antlitz[es]“ in seiner ungeschönten Unmittelbarkeit seiner Zeit weit voraus und stilbildend, genauso wie der Bildband „Im Ruhrgebiet“, den er nur ein Jahr später gemeinsam mit dem späteren Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll vorlegte. Während sich die meisten Honoratioren der Ruhrgebiets-Städte über alle Maßen echauffierten („Der Gelsenkirchener Verkehrsdirektor warf den Autoren Böll und Chargesheimer „pessimistische Voreingenommenheit und beispiellose Einseitigkeit“ vor und konstatierte, die beiden Autoren hätten – „das gilt für Mensch und Landschaft“ – nur „Entartung“ dargestellt.“ Der Spiegel 4/1959, Seite 59), urteilte Karl Korn (Gründungsherausgeber und Ressortleiter Feuilleton der FAZ) in seiner Rezension: „Man fühlt sich mit einem Dante der Kamera konfrontiert.“

Auch mit seinem opus summum „Köln 5Uhr30“ (1970) polarisierte Chargesheimer. Seine vehemente fotografische Kritik an der nach dem Leitbild der „autofreundlichen Stadt“ ausgerichteten Kölner Verkehrspolitik der Sechziger Jahre war wenig zeitgemäß. Der melancholische Abgesang „an ‚seine‘ Stadt Köln, die im Beton zu erstarren drohte“ wurde zwar von photokina-Mitbegründer Prof. L. Fritz Gruber mit einer fulminanten Einzel-Ausstellung geadelt – beim Publikum stieß sie jedoch mehrheitlich auf Unverständnis und Ablehnung.


Heute wird diese Ikone der Fotobücher zu Höchstpreisen gehandelt und seine (und auch Heinrich Bölls) Meinung mehrheitlich geteilt, dass die Kölner Innenstadtschneise „Nord-Süd-Fahrt“ eine Bausünde allererster Güte sei. Die Stadt Köln hat zwar schon 1980 ein Nachwuchs-Stipendium im Bereich Medienkunst nach ihrem couragierten Sohn benannt, übt sich seither jedoch in vornehmer Zurückhaltung.


Weitere Erinnerungen im Öffentlichen Bewusstsein sind ausschließlich auf Privatinitiativen engagierter Bürger zurückzuführen (z. B. Gigi und Paolo Campi, Renate Gruber, Helmut Krumminga mit Wolfgang Niedecken, Heinz-Erich Lambertin et alii der Chargesheimer Gesellschaft, Prof. Christoph und Markus Schaden sowie Wolfgang Vollmer und Eusebius Wirdeier, beide DGPh).


Der Chargesheimer-Jedächtnis-Podcast wird planmäßig auf Dieter Röselers YouTube-Kanal live am Vorabend von Chargesheimers 95. Geburtstag am 18. Mai 2019 ab 20:00 Uhr aus der Lichtblick School in Köln Nippes übertragen.


Das Publikums-Interesse an dieser Veranstaltung ist überraschend groß: die Facebook-Veranstaltung hat bereits am 27. April d. J. (also noch vor Beginn aller PR-Aktivitäten der Projekt-Förderer) 1.366 Personen erreicht. Ein erstes Teaser-Video mit Wolfgang Zurborn und Dieter Röseler ist seit dem 20. April online. Das zweite, in dem Röseler und Philipp J. Bösel beim gemeinsamen Frühstück über Chargesheimer sinnieren, feierte am 27. April Premiere. Das dritte und letzte Teaser-Video schließlich, in dem Röseler auf Markus Schaden trifft, wird eine Woche vor der Veranstaltung am 11. Mai erscheinen.

https://www.youtube.com/channel/UC60nb0aYIkwCeBsEio-IzjQ

19. April 2019: Il est cinq heures, Paris s’éveille

Köln auch. Genauer: Bensberg-Lückerath. Jedenfalls dann, wenn man die noch geltende Sommerzeit außer Acht lässt.

Der volle Mond schickt sich an, malerisch hinter dem Kölner Panorama zu versinken. Dankenswerterweise exakt zur Morgendämmerung. Und obendrein in einem Winkel, der von meinem Balkonien aus betrachtet ein passables Bild verspricht.

Also: Die lange Tüte auf den Kamera-Korpus und Beides aufs Stativ… Kaffee kochen und Speicherkarte einlegen. Seit dem Blutmond im letzten Sommer hab‘ ich mich (nicht nur) lichtmalerisch mit dem Erd-Trabanten so häufig beschäftigt, dass sich die perfekte Zeit-Blenden-Kombination quasi selbsttätig einstellt.

Die Welt die monden ist | Hannelore Elsner rezitiert Rilke

Noch steht er zu hoch am Firmament, das beginnt, vom tiefen Blau der Nacht in ein zartes Purpur zu changieren. Wie amüsant… die Kardinalsfarbe. Am Kreuzigungstag.

Zeit zu sinnieren. Über Gott. Die Welt. Und über Chargesheimer, der heute in exakt einem Monat seinen 95sten Geburtstag feiern könnte. Wenn er noch lebte. Ihm würde sicher gefallen, dass die Domspitzen von hier aus nicht auszumachen sind. Einer der vierundzwanzig Nadelbäume aus Nachbars Garten verdeckt sie. Also wähl‘ ich den charakteristischen Pylon der Severinsbrücke als linke Bildbegrenzung. Und warte auf ein wenig mehr Dämmerungslicht. Und darauf, dass der Mond dem Horizont noch ein wenig weiter entgegen wandert… JETZT!

Monduntergang über Köln | 19. April 2019

5Uhr34 und 34 Sekunden würden die Metadaten der Bilddatei als Belichtungszeitpunkt ausweisen, wenn die Kamera-Uhr nicht auf Sommerzeit eingestellt wäre.

Während der Ausarbeitung des Lichtbildwerks am Rechner sehe ich, dass ein lieber Facebook-Freund mir einen YouTube-Link geschickt hat. Sting – ich mag Sting. Sehr. Im Duett mit einer Französin: „Stolen Car“. Ich bin begeistert. Sowohl vom Song als auch vom Video.

Und meine Gedanken fliegen nach Paris. Zugegeben: Meine Gefühle auch. Ich stöbere in den Zeugnissen meines letzten Aufenthalts dort und vernehme den lautlos-lauten Ruf der Stadt der Liebe, ihr baldmöglichst wieder die Ehre zu erweisen.

Paris, Montmartre | 24. Mai 2018

Je tiefer ich eintauche in die Bilddokumente, desto unbedingter ruft sie in meinem Kopf nach mir: eine Vielzahl von „Cinquante-et-uns-du-Jour“… die Bouquinistenauslagen an der Pont Neuf… schöne Weiber und gelassene Kerle am Seine-Ufer…

… und schließlich der etwas verloren wirkende junge Mann am Gare du Nord – wartet er auf die Ankunft seiner Liebsten?! Wie auch immer: „Il est cinq heures [trente-deux, sagen die Metadaten], Paris s’éveille

Morgendämmerung am Gare du Nord | 26. Mai 2018

Der Legende nach ist dieser französische Chanson mitverantwortlich für den Titel von Chargesheimers opus sumum namens „Köln 5Uhr30“. Der Kreis schließt sich. Wie ein Vollmond. Und es ist beschlossen: ich werd‘ Dich wiederseh’n, Paris mon amour.

J’arriverai. Bientôt!

Frohe Ostern allerseits!!!


©2019 für Text- und Bildbeiträge (soweit nicht anders angegeben): Dieter Röseler – alle Rechte vorbehalten.

25. März 2019: Bastard I – V

Bastard II | 10. August 2018 | Bensberg

Inspiriert von den frühen Wolken-Arbeiten Marina Abramovics auf der einen Seite und vom Song „Bastard“ des erfolgreichsten deutschen Pop-Duos Rosenstolz andererseits hat Dieter Röseler im August 2018 die Arbeit an seinem Schwarzweiss-Zyklus Bastard aufgenommen.

Vom Balkon seiner Wohnung im rheinisch-bergischen Bensberg fängt er seither mit der Kamera triviale Wolkenformationen ein, die er in einem weiteren Arbeitsschritt spiegelt. So entstehen Faltbilder, die als Grundlage für ein psychodiagnostisches Testverfahren nach dem freudianischen Psychiater und Psychoanalytiker Hermann Rorschach dienen können.

Die ersten fünf Bildtafeln legt er nun als optische Untermalung für das titelgebende Musikstück vor:


©2019 für Text- und Bildbeiträge (soweit nicht anders angegeben): Dieter Röseler – alle Rechte vorbehalten.

18. Februar 2019: Neues Wohnzimmer

Es ist noch keine drei Monate her, dass das Projektbüro Berlin-Brandenburg mit einer Hausausstellung von #minnsche am 1. Dezember 2018 im „Bensberg Berlins“ – also in Kleinmachnow – eröffnet wurde. Und gerade einmal eineinhalb Monate, dass Dieter Röseler den Podcast „Die Besten im Westen – Im Osten nur Kosten?!“ mit seinem Selbstgespräch am Neujahrsmorgen 2019 startete.

Am Samstag dann erreichte ihn die Frohe Botschaft, dass der Freundeskreis der Neuen Kammerspiele Kleinmachnow sein Projekt tatkräftig unterstützen wolle – gleichsam als ostdeutsches Pendant zum Bürgerportal Bergisch Gladbach, das nicht weniger als die Hebamme oder Geburtshelferin von #dbiwionk ist: sowohl mit ideeller als auch mit pekuniärer Unterstützung von der ersten Sekunde an.

Vier Episoden werden daher 2019 ausnahmsweise nicht an einem Ort aufgezeichnet, den der/die ProtagonistIn aufgrund tiefer emotionaler Verbundenheit auswählt, sondern in Röselers flammneuem ostdeutschen Wohnzimmer: den Neuen Kammerspielen im brandenburgischen Kleinmachnow.

Für Dieter Röseler ein Zeichen, dass tatsächlich zusammenwächst, was zusammen gehört!


Die nächste Podcast-Episode erscheint kommenden Samstag übrigens mit dem im Juli 2015 als Staatsfeind Nr. 1 von einem gewissen Hans-Georg Maaßen gehetzten netzpolitik.org-Gründungs-Chef Markus Beckedahl.

Markus Beckedahl, Netzaktivist, Lobbyist und Unternehmer – Gründer von netzpolitik.org Porträt im Besprechungsraum „Tresor“

Damit hat der seinerzeitige Leiter des Bundesamtes für Verfassungsschutz sich auf eine Stufe gestellt mit dem 1962 amtierenden Bundesverteidigungsminister Franz-Josef Strauß: er hatte die … nunja: mindestens sportliche, vor Allem aber verabscheuungswürdig demokratiefeindliche Auffassung, dass ein StaatsDIENER einen investigativ tätigen Journalisten mit Hilfe eines mehr schlecht als recht an den Haaren herbeigezogenen Verdachts auf Landesverrat (§94 StGB) mundtot machen könne.

Strauß hatte 1962 nach 52 Tagen keine andere Wahl mehr, als auf sein Amt zu verzichten. Nachdem alle FDP-Minister 11 Tage zuvor aus Protest geschlossen zurückgetreten sind.

Maaßen hingegen durfte nach seinem Lapsus noch drei Jahre und vier Monate den Inlandsgeheimdienst leiten – warum auch immer.

Vorgestern schließlich traute Schorsch Maaßen sich wieder in die Öffentlichkeit (gute drei Monate, nachdem ihn Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier endgültig mit sofortiger Wirkung in den einstweiligen Ruhestand versetzt hatte). Mit einer Rede, in der er die Flüchtlingspolitik des Jahres 2015 als grundlegende Ursache für eine wachsende Gefahr des islamistischen Terrors brandmarkte.

Maaßen mag Jurist und politischer Beamter sein, wie die deutsche wikipedia im ersten Satz feststellt. Vor Allem aber ist er zweifelsohne eins: ein rechter Brandbeschleuniger.


Hier als Appetitanreger der Teaser-Trailer zum Gespräch mit Markus Beckedahl:


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