17. April 2019: Das (Dorf-) Leben ist schön

Ich mag sie, die kleinen Schwestern der großen Städte: Ob nun Bensberg, Kleinmachnow oder Schwane- und Worpswede. Um’s mal pointiert mit der unvergessenen Romy Schneider zu schreiben: ich mag sie sogar sehr.

Die Wege sind bedeutend kürzer als in den Metropolen Berlin, Bremen und Köln. Zum Beispiel bei der Anmeldung des neuen Wohnorts: in keinem der Dörfer, in denen ich leb(t)e, mußte ich länger als 15 Minuten Wartezeit hierfür aufwenden. Selbst eine nicht ganz alltägliche Angelegenheit wie der formelle Antrag auf einen Künstler- respektive Ordensnamen benötigte seinerzeit deutlich weniger als eine Woche Bearbeitungszeit in der kleinen, aber offenbar hoch effizienten Verwaltung von Schwanewede.

Vor Allem aber:

Tradition und Brauchtum werden gepflegt. Und gelebt.

So findet heuer bereits zum vierten Mal in Folge im Bensberger Ristorante Italia am 30. April kein „Tanz in den Mai“ statt, sondern das von „Einfach Eddi“ initiierte und mit viel Herzblut und großem Engagement gefütterte Charity-Diner zugunsten des Heilpädagogischen Kinderheims. Die diesjährige Auflage steht unter dem Motto „Kindern Flügel Verleihen“.

Ein guter Zweck, für den Eddi unermüdlich trommelt und trommelt. So, dass sich Jeder vor den Karren und einspannen lässt. Und zwar: gerne einspannen lässt! Von Moderator Sebastian Hempfling, der durch den Abend führen wird, über Restaurant-Inhaber Valentino Bruno, der von jedem 3-Gang-Menu 10 Euro in den Spendentopf geben wird und Heimleiter Klaus Landen bis hin zu Bürgermeister Lutz Urbach, um nur einige Wenige zu nennen.

Eddi Stoffel
Bürgermeister Lutz Urbach
Sebastian Hempfling

Gestern fand sich dieser illustre Herren-Zirkel auf Brunos Schloßstrassen-Terrasse bei einem der besten Espressi der Gegend zusammen, um gemeinsam das Veranstaltungsplakat vorzustellen und den Ablauf des Abends zu beprechen.

Valentino Bruno

Ziel der Veranstaltung ist es in diesem Jahr, vermittels einer Tombola mit hochwertigen Preisen sowie der Versteigerung von signierten Sportler-Devotionalien unterschiedler Sportler verschiedener Disziplinen so viel Gelder einzuwerben, dass den leidgeprüften Kindern wirksam geholfen werden kann.

Aus diesem Grunde sind alle UnternehmerInnen und HändlerInnen herzlichst aufgerufen, Hotel-Chef Kurt Wagner nachzueifern, der freundlicherweise einen Übernachtungsgutschein im größten Barockschloß nördlich der Alpen (das mit den atemberaubenden Blicken auf malerischste Sonnenuntergänge hinter den Kölner Domspitzen) gespendet hat. Oder auch an Herrn Brune, der schöne Damen-Armreifen zur Verfügung stellt. Oder auch an Herrn Lübbers, der eine hochwertige Armbanduhr spendet.

Es wird gebeten, die (gerne auch Geld-)Spenden im Ristorante Italia auf der Schloßstrasse 62 unter dem Stichwort „Kindern Flügel Verleihen“ abzugeben. Spendenquittungen können selbstverständlich auf Wunsch ausgestellt werden.

v. l. n. r.: Sebastian Hempfling, Valentino Bruno, Bürgermeister Lutz Urbach, Eddi Stoffel, Klaus Landen

24. Januar 2019: „Ich sehe was, was du nicht siehst – Fotografische Ansichten“

Gemeinsam mit Projekt-Initiatorin Marlis Sauer kuratiert Dieter Röseler seit zwölf Wochen eine lebendige Fotografie-Ausstellung für das Zentrum Bensbergs. Ihr gemeinsames Projekt „Ich sehe was, was du nicht siehst – Fotografische Ansichten“ verfolgt das Ziel, die Künstlerische Fotografie in ihrer ganzen Vielfalt wieder im kulturellen Leben der Stadt zu verankern. Bei der Premierenveranstaltung am kommenden Sonntag und weitere drei Wochen lang werden insgesamt zwölf (sic!) Künstlerinnen und Künstler aus Köln, dem Rhein-Sieg- und dem Rheinisch-Bergischen Kreis ihre unterschiedlichen Positionen dem interessierten Publikum zeigen.

Dieter Röseler wird eingedenk des Internationalen Gedenktages an die Opfer des Holocausts streng limitierte Vintage Prints aus seiner Werkreihe „Deutschland 5Uhr30 – #d5h30″– inszenieren.

Hier als kleines Appetithäppchen vorab ein paar Impressionen der gestrigen Gespräche mit den Vertreterinnen und Vertretern der lokalen Presse… enJOY!

SAVE THE DATE: Sonntag, 27. Januar 2019 | 18Uhr30 | Schloßstr. 16a | 51429 Bensberg


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11. November 2018: „Gläbbich alaaf!“ – oder: „Danke Monsieur de Gaulle!“?

Alljährlich beginnt bei uns im Rheinland am 11. November um 11Uhr11 die fünfte Jahreszeit – der Karneval: In den Straßen und Kneipen der Region herrscht der gleiche Ausnahmezustand wie an Weiberfastnacht und/oder Rosenmontag.

Dieser an und für sich sehr, sehr schöne Brauch ist überaus dominant. Und läßt nur sehr wenig – an und für sich gar nichts – neben sich bestehen.

So mußte ich 49 Jahre alt werden und im Süden Frankreichs – dem Midi – überwintern, um lernen und erleben zu können, dass bei unseren westlichen Nachbarn der 11. November ebenfalls gefeiert wird. Anders zwar – deutlich anders sogar –, aber nicht minder intensiv.

L‘Armistice de Rethondes

Gefallenendenkmal im südfranzösischen Puyricard – dem nördlichsten sehr dörflichen Viertel von Aix-en-Provençe

In der Wichtigkeit aller französischen Feiertage rangiert der 11. November direkt unterhalb des 14. Juli – es ist der zweitwichtigste im Lande. Noch im kleinsten Dorf versammelt sich die Bevölkerung kurz vor 11 um das Gefallenen-Denkmal unter der Trikolore. Die Veteranen legen in vollem Ornat Kränze nieder und alle GrundschülerInnen haben vor Aufregung schweißnasse Hände.

Wenn die Punkt 11 in Erinnerung an die Unterzeichnung des ersten Waffenstillstandsabkommens von Compiègne läutenden Glocken verstummen, ist der große Augenblick gekommen, an dem sie endlich voller Inbrunst die Marseillaise im Chor intonieren dürfen.

Fête de l’Armistice am 11. November 2015 in Puyricard

Ich kann nicht ermessen, ob ich die letzten 51 Jahre einfach zu sehr auf den Sessions-Auftakt fokussiert war oder ob die „Armistice“-Feierlichkeiten unserer französischen Freunde in Jahren ohne rundes Jubiläum keinerlei Nachrichtenwert für die bundesdeutschen Leitmedien haben. Umso mehr berührt mich Emmanuel Macrons Einladung an unsere Bundeskanzlerin. Ebenso die gestrige ausführliche Berichterstattung in Tagesschau und Tagesthemen. Und die große stille Geste der Versöhnung – auch wenn Angela Merkel sie vor drei Jahren fast deckungsgleich an der Seite von François Hollande gab.

Neue Heimat

Die Schwert-Spitze des Gefallenendenkmals auf dem Deutschen Platz

Nun begab es sich vor drei Tagen, dass ich als Neu-Bensberger bei meinem Spaziergang vom Café Amélie zurück ins Unterdorf erstmals meine Schritte auf diesen kleinen Platz links lenkte, dessen Name mich schon länger seltsam berührt: „Deutscher Platz“ fühlt sich für mich deutlich aus der Zeit gefallen an. Dass das Kreuz auf der Spitze des den Platz beherrschenden Denkmals gar kein christliches ist, sondern die Silhouette eines martialischen Schwertes, befremdet mich. Die starre Mimik der vier stahlhelmbewehrten Steinfratzen auf dem dritten Segment über dem Wehrmachtskreuz und der Inschrift „Treue um Treue“ löst ein Gefühl der Scham und Bestürzung in mir aus.

Das. Darf. Doch. Nicht. Wahr. Sein.

Gefallenendenkmal mit Inschrift „TREUE UM TREUE“ auf dem Deutschen Platz inBensberg

Ist es aber. Leider. Recht zügig lässt sich dank Internet recherchieren, dass der Platz diesen Namen seit 1945 trägt. Die zwölf Jahre davor war’s der „Adolf-Hitler-Platz“. Geboren wurde er während der Weimarer Republik allerdings als „Friedensplatz“. Seinerzeit übrigens noch ohne das martialisch-revanchistische Gefallenendenkmal. In diesem Zusammenhang halte ich es auch für bemerkenswert, dass die Verantwortlichen in meiner Neuen Heimat es offenbar erst Ende der 80er Jahre über’s Herz gebracht haben, die Ehrenbürgerwürde für Adolf Hitler zu annullieren, wie Gisbert Franken am 17. Februar 2013 in der Bergischen Landesleitung schreibt.

Stephanie Peine schreibt nun in Bezug auf das Gefallenendenkmal am 27. Februar diesen Jahres im Kölner Stadtanzeiger:

Als Vorbild könnte die französische Partnerstadt Bourgoin-Jallieu dienen […]. Hier hatte man, in einer auch für Frankreich recht außergewöhnlichen und nicht unumstrittenen Aktion, die örtlichen Kriegerdenkmäler abgebaut und die Materialien vom Bildhauer Gilbert Primard in die Gesamtanlage eines Friedensdenkmals, das Memorial de la Paix, einarbeiten lassen. Im Mittelpunkt steht jetzt eine vier Meter hohe Friedenstaube auf einer Weltkugel. Friedenstaube contra Schwert, das könnte auch ein Arbeitstitel für Bensberg sein.

Dem schließe ich mich an. Vorbehaltlos.

Danke.

Und ich bedanke mich bei Charles de Gaulle, der als sich erst wenige Wochen im Amt befindender französischer Ministerpräsident die menschliche Größe und den politischen Instinkt hatte, den deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer am 14. September 1958 in sein privates Landhaus nach Colombey-les-deux-Églises einzuladen. Eine Ehre, die weder davor noch danach irgendeinem anderen Politiker zuteil wurde. Damit hat er den Grundstein für die Aussöhnung und den seither lang anhaltenden Frieden in Westeuropa gelegt.

Es wäre nicht nur schön, wenn aus den Bensberger Kriegerdenkmälern nach französischem Vorbild Friedensdenkmäler entstünden. Zeitgemäß wäre auch, dass der „Deutsche Platz“ wieder seinen ursprünglichen Namen bekommt: „Friedensplatz“. Oder wenigstens „Deutsch-Französischer Platz“.

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