9. Juni 2019: Staat und Nazis Hand in Hand

Alles Zufälle und Verkettungen unglücklicher Umstände?!

*** 2004 | Keupstrasse | Köln *** Exzerpt von #d5h30

Am 9. Juni 2004 – heute vor genau 15 Jahren – wurde vom NSU-Komplex das menschenverachtend grausame Nagelbombenattentat in der Kölner Keupstraße verübt.

Um 15Uhr56 detonierte eine mit über 700 zehn Zentimeter langen Zimmermannsnägeln und mindestens 5500 Gramm Schwarzpulver bestückte Bombe. Wie durch ein Wunder wurde bei diesem feigen terroristischen Anschlag niemand seines Lebens beraubt.

In der Folge dieser Straftat jedoch wurden viele Opfer und Opferangehörige ihrer Ehre beraubt. Und ihrer – eigentlich grundgesetzlich verbrieften – Würde (das Wort „eigentlich“ negiert auch hier – wie immer – die Grundaussage des Satzes, in dem es Verwendung findet).

In stillem Gedenken an die Opfer und Opferangehörigen nachfolgend einige nachdenkliche Stimmen. Mag ein JedeR seine eigenen Gedanken dazu entwickeln:

1. „Der Ort des Anschlags ist eine Straße mit vielen türkischen Geschäften. Dies hätte die Ermittler bewegen können, von einem rassistischen Tathintergrund auszugehen, sagten damals schon Betroffene. Doch bereits nach einem Tag meinte die Staatsanwaltschaft zu wissen, dass es „keine Hinweise auf eine terroristische Lage“ gebe. Der damalige Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) sagte damals ebenso schnell, dass die Erkenntnisse auf den Hintergrund eines „kriminellen Milieus“ hinweisen würden. 2013 entschuldigte er sich bei seiner Vernehmung im NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestags für diese Fehleinschätzung.“

Quelle: taz vom 23. Juni 2013, abgerufen am 8. Juni 2019 hier: http://www.taz.de/!5064684/


2. „Wichtige Zeugen wurden nicht befragt, eine Datenbank nicht richtig genutzt […] Als „fast schon skandalös“ bezeichnete Clemens Binninger, der CDU-Obmann im NSU-Untersuchungsausschuss, das Verhalten der Kölner Polizei nach dem Anschlag im Jahr 2004. „Diesen Fall hätte man aufklären können“, ist Binninger überzeugt. Zu diesem Schluss kommt der Politiker nach der Befragung eines Kölner Polizisten im NSU-Untersuchungsausschuss am Donnerstag (25.04.2013) in Berlin. Der Beamte sei gemeinsam mit einem Kollegen zum Zeitpunkt des Anschlags in direkter Nähe auf Streife gewesen. […] die beiden Beamten hätten wichtige Hinweise geben können – wenn sie denn vernommen worden wären. […] Nach WDR-Informationen wurden sie allerdings nicht gefragt, ob sie Verdächtige gesehen hätten, die Ähnlichkeit mit den mutmaßlichen Attentätern des NSU gehabt hätten. Zum Ärger von Binninger: „Erst jetzt, neun Jahre nach dem Anschlag, werden sie vernommen und das noch nicht einmal gründlich“. Die Vernehmung habe ausgerechnet der Ermittler geführt, der 2004 für die Versäumnisse in Köln verantwortlich gewesen war. […] „Der Vorwurf der Verfahrensbeeinflussung steht im Raum“, sagte Petra Pau (Linke).“

3. „Wäre nach den Schlagworten „männlich“, „Koffer“ und „rechtsradikal“ gefragt worden, hätte man die Datei des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt abrufen können, kritisierte der CDU-Obmann. Spliethoff [Leiter der zuständigen Polizei-Tatortgruppe] war diese Abfragmöglichkeit nach eigenen Angaben nicht bekannt.“

Quelle von 2 und 3: WDR am 25. April 2013, abgerufen am 8. Juni 2019 hier: https://www.wdr.de/archiv/am-rechten-rand/nsu-108.html


4. „Am Tag des Nagelbombenanschlags war Andreas Temme, der Beamte des hessischen Landesamts für Verfassungsschutz, der im April 2006 beim NSU-Mord an Halit Yozgat in Kassel am Tatort anwesend war, in Köln, um eine Tagung zu besuchen.“

Quelle: Wikipedia, abgerufen am 9. Juni 2019 hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Nagelbomben-Attentat_in_K%C3%B6ln#Hintergr%C3%BCnde


Volker Bouffier, CDU, Ministerpräsident von Hessen

5. „Unglaubliche 120 Jahre Sperrfrist für eine Akte des Verfassungsschutzes zum NSU: Damit konfrontiert hatte sich auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) im Juni 2017 überrascht gezeigt. „Wie bitte?“, entfuhr es ihm. Die Linken waren auf die Existenz des Berichts gestoßen, den der hessische Verfassungsschutz verheimlichen wollte. Es geht um streng geheime Unterlagen darüber, was der ihm Jahre lange unterstellte Verfassungsschutz zur extremen rechten Szene zusammengetragen – und dabei ignoriert oder nicht ernst genommen hat.“

Quelle: Lars Wienand am 16. Juli 2018 auf t-online, abgerufen am 9. Juni 2019 hier: https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/innenpolitik/id_84106974/warum-bleibt-die-nsu-akte-120-jahre-unter-verschluss-.html


6. „Am 10.Juni stellte die Berliner Staatsanwaltschaft das von der Polizei eingeleitete Strafverfahren wegen Verunglimpfung des Staates ein. Die Staatsanwaltschaft bewertet die strittige Aussage [Staat und Nazis Hand in Hand] als eine im Kontext der Erkenntnisse zum NSU-Komplex zulässige Meinungskundgabe und betont, „dass die Formulierung ‚Staat und Nazis Hand in Hand‘ keine Gleichsetzung des Staates mit Nazis zum Ausdruck bringt, sondern nur eine enge Kooperation des Staates mit Nazis anprangert.“

Quelle: glokal am 2. Juli 2014, abgerufen am 9. Juni 2019 hier: https://www.glokal.org/nsu-schlappe-fur-polizei-staat-nazis-hand-in-hand-verunglimpft-staat-nicht/


7. „In Köln ist weiterhin nicht klar, wo das Mahnmal zur Erinnung an das Nagelbombenattentat vom 9. Juni 2004 gebaut werden soll. Nach Angaben von Oberbürgermeisterin Henriette Reker vom Freitag (07.06.2019) gibt es noch kein Grundstück für das Mahnmal. […] Wo bleibt der Aufschrei, fragen Anwohner zusammen mit der Initiative „Keupstrasse ist überall“ in einem offenen Brief, der jetzt im Internet zu lesen ist. Die Verantwortlichen in der Verwaltung hätten immer noch nicht begriffen, welche Bedeutung dieses Mahnmal habe, heißt es. […] Sollte es keine Einigung auf einen neuen Standort geben, dann sieht Kölns Oberbürgermeisterin die Gefahr, „dass wir auch in den kommenden Jahren und auf absehbare Zeit kein Mahnmal sehen werden“.

Quelle: WDR am 7. Juni 2019, abgerufen am 9. Juni 2019 hier: https://www1.wdr.de/nachrichten/rheinland/streit-mahnmal-keupstrasse-gedenktag-100.html


©2019 für Text- und Bildbeiträge (soweit nicht anders angegeben): Dieter Röseler – alle Rechte vorbehalten.

4. Juni 2019: Das Sommer-Theater

Alle für Einen – Einer für Alle

Manuela Schwesig als Athosia

Die Genderifizierung in der Hauptstadt macht auch vor Klassikern nicht Halt: Im politischen Sommertheater wurde gestern eine Aufführung in mehreren Aufzügen des vor 175 Jahren veröffentlichten Mantel-und-Degen-Romans von Alexandre Dumas dem Älteren annonciert – mit sage und schreibe drei weiblichen Musketierinnen.

Athosia, dargestellt von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, Porthine (MP-Kollegin Malu Dreyer) und Annegret Kramp-Karrenbauer als Aramia interpretieren die Romanfiguren eigenwillig und neu. Mit bescheiden-femininem Pathos. Sie lesen während der beiden Generalproben im Konrad-Adenauer- und im Willy-Brandt-Haus noch große Textpassagen aus dem Drehbuch ab, was ein wenig hölzern anmutet. Auch ihre Spielfreude wirkt seltsam gebremst.

Annegret Kramp-Karrenbauer in der Rolle der Aramia

Der Gascogner d’Artagnan wird auch heuer noch von einem Mann, dem Hessen Thorsten Schäfer-Gümbel, gegeben. Er war es auch, der am Tag nach dem Thronverzicht von MiLady de Nahles die titelgebende Losung ausgab.

Planmäßig wird dieses Stück in mehreren Episoden nach dem Echtzeit-Konzept der amerikanischen TV-Serie „24“ aufgeführt: die Premiere ist für den 24. Juni annonciert – der letzte Akt wird voraussichtlich am Folgetag der Landtagswahlen von Thüringen zur Aufführung gebracht werden.

Szenenlichtbildwerke der Generalproben können ab sofort über laif lizenziert werden.

Das Willy-Brandt-Denkmal von Maler und Bildhauer Rainer Fetting

©2019 für Text- und Bildbeiträge (soweit nicht anders angegeben): Dieter Röseler – alle Rechte vorbehalten.

2. Juni 2019: Flaute.

Der Himmel verdüstert sich über der CDU-Parteizentrale

Tag 7 nach der für die ehemaligen Volksparteien SPD und CDU desaströsen Europawahl – in der jüngsten Sonntagsfrage liegen die Grünen mit 29% nun 2 Prozentpunkte vor der CDU und sind damit die stärkste bundespolitische Kraft.

Nach ihren Gedanken zur Regulierung des Internets in Zeiten des Wahlkampfs wird damit die Luft für die erst seit knapp sechs Monaten amtierende CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer zusehends dünner.

Da fügt sich ins Bild, dass die Parteifahne auf dem Dach des Konrad-Adenauer-Hauses heute mittag sehr müde an ihrem Mast herunterhängt.

Vielsagendes Detail am Rande: Bei strahlendstem Sonnenschein und 24° Celsius in der Hauptstadt generiert die moderne CDU-Zentrale ausweislich der digitalen Anzeigetafel im Foyer heute 0,0 Kilowattstunden Strom aus Solarkraft und spart damit NullKommaNull Gramm CO2 ein. Ob da jemand immer noch nicht den Schuss gehört hat?! Vielleicht legt ja heute Abend ein gnädiges Präsidiums- und/oder Vorstandsmitglied zu Beginn der Klausurtagung einfach mal den Schalter um?! Wir werden sehen.

26. Mai 2019 – 16Uhr20: Wahlprognose

Vergleicht man die Zahlen der letzten Sonntagsfrage mit dem Wahlergebnis 2004, fällt auf, dass die ehemaligen Volksparteien der Union und die SPD seither nahezu einem gesamten Drittel ihrer einstigen Wählerschaft verlustig gegangen sind. Nachhaltig.

Geht man dazu über, die aktuelle Sonntagsfrage mit jener vom 25. Oktober des Vorjahres zu vergleichen, ist zu vermelden, dass die Parteien der jeweiligen Ränder in den letzten sieben Monaten fast ein Viertel an Zuspruch und Rückhalt verloren haben.

Im gleichen Zeitraum haben die sogenannten „Sonstigen“ um weit über 300 Prozent zugelegt.

Der Zeitraum der Befragungen für die aktuelle Sonntagsfrage erstreckte sich über eine gesamte Woche und endete Donnerstag. Nur sehr kurz, nachdem die Wahlkampf-StrategInnen der Union aus ihrer tagelangen Schock-Starre erwachten und das private Wahlkampf-Video des YouTubers Rezo zunächst diskreditierten, dann „den ältesten 26-Jährigen der Welt“ vor die hauseigenen Kameras der Unionszentrale zitierten, nur um das fertig produzierte Video schließlich von AKK kassieren und in der Versenkung verschwinden zu lassen. Noch bevor es das Licht der Öffentlichkeit erblicken durfte.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Rezos Kampfansage „nur“ 5 Millionen Aufrufe. Jetzt, gute eineinhalb Stunden vor Schließung der Wahl-Lokale sind es bereits 11.219.474 (in Worten: Elf Millionen zweihundertneunzehntausendvierhundertundvierundsiebzig). Hinzu kommen 2.819.697 Aufrufe des Statements von 90+ YouTuberinnen, das postwendend vor zwei Tagen veröffentlicht worden ist.

Wetten, dass die Wahlbeteiligung bei den 18- bis 29-Jährigen heute so hoch wie noch nie sein wird? Und: wetten, dass die „Sonstigen“ noch ein paar Bonus-Prozente mehr dank dieses mehr oder weniger weitsichtigen Unions-Krisenmanagements abgreifen werden?!

26. Mai 2019: BREAKING NEWS – Stimmabgabe für die Europawahl verweigert

Im Wahlraum des Bezirks 021/2 der Stadt Bergisch Gladbach geschieht heute morgen gegen 10 Uhr Bemerkenswertes:

Der Wahlvorsteher (lt. BWG und BWO der ungekrönte König eines jeden Wahlraums) verweigert einem einfachen Bürger, der Briefwahl beantragt hatte, die Teilnahme an der Europawahl. Obwohl dieser seine Briefwahlunterlagen inclusive Stimmzettel vorlegte.

Erst auf mehrmaliges Nachfragen ist der Wahlvorsteher bereit, seinen Namen zu nennen. Minutenlang bleibt er die Antwort schuldig, auf welcher Rechtsgrundlage er die Teilnahme an der Wahl verweigert.

Schließlich benennt er etwas fahrig Paragraph 26 als Rechtsgrundlage für seine Entscheidung. § 26 EuWG behandelt seltsamerweise die Themen Wahlprüfung und Anfechtung.


§26 Europawahlgesetz im Wortlaut

Wahlprüfung und Anfechtung

(1) Über die Gültigkeit der Wahl und die Verletzung von Rechten bei der Vorbereitung oder Durchführung der Wahl wird im Wahlprüfungsverfahren entschieden.

(2) Für das Wahlprüfungsverfahren gelten die Bestimmungen des Wahlprüfungsgesetzes mit Ausnahme des § 6 Abs. 3 Buchstabe e, des § 14 Satz 2 und des § 16 Abs. 2 und 3 in der jeweils geltenden Fassung entsprechend.

(3) Gegen die Entscheidung des Deutschen Bundestages im Wahlprüfungsverfahren ist die Beschwerde an das Bundesverfassungsgericht zulässig. Die Beschwerde kann der Abgeordnete, dessen Mitgliedschaft bestritten ist, eine wahlberechtigte Person oder eine Gruppe von wahlberechtigten Personen, deren Einspruch vom Deutschen Bundestag verworfen worden ist, oder eine Gruppe von wenigstens acht Abgeordneten des Europäischen Parlaments aus der Bundesrepublik Deutschland binnen einer Frist von zwei Monaten seit der Beschlussfassung des Deutschen Bundestages beim Bundesverfassungsgericht erheben; die Beschwerde ist innerhalb dieser Frist zu begründen. Für die Beschwerde an das Bundesverfassungsgericht gelten die Vorschriften des Gesetzes über das Bundesverfassungsgericht entsprechend.

(4) Im Übrigen können Entscheidungen und Maßnahmen, die sich unmittelbar auf das Wahlverfahren beziehen, nur mit den in diesem Gesetz sowie in der Wahlordnung vorgesehenen Rechtsbehelfen angefochten werden.


Der einfache Bürger namens Röseler ist zuversichtlich, in irgendeinem anderen Wahlraum seiner neuen Heimat auf eine/n WahlvorsteherIn zu treffen, die/der a) mehr Demo- als Autokrat und b) eine Spur firmer im Europawahlrecht ist.

9. Mai 2019: Besonders empfindlich

Neue Kammerspiele Kleinmachnow: Katrin Göring-Eckardt steht Rede und Antwort

Die als „Gespräch mit Kulturschaffenden aus Kleinmachnow“ angekündigte öffentliche Podiumsdiskussion im Kleinen Saal der altehrwürdigen kulturellen Institution im südwestlichen Speckgürtel Berlins zieht am gestrigen Abend des 74. Jahrestages der bedingungslosen Kapitulation Nazi-Deutschlands weite Kreise.

Während im Großen Saal – zur Feier der Befreiung bei freiem Eintritt – der große Bruno Ganz Adolf Hitler in „Der Untergang“ gibt, plaudert der realpolitisch-wertkonservative große Bindestrich der Bündnisgrünen unter der Moderation von Alexandra Pichl im Gespräch mit den drei Kleinmachnower Kulturschaffenden Rainer Ehrt, Christiane Heinke und Carolin Huder aus dem Nähkästchen. Direkt nach der Vorstellungsrunde geht die langjährige kulturpolitische Sprecherin ihrer Partei in globalpolitische medias res:

Katrin Göring-Eckardt

„Wenn wir uns anschauen, was in China gerade passiert – wir haben in Potsdam letzte Woche Fraktionsklausur gehabt und haben uns mit China beschäftigt … und ich weiß nicht, ob ich da als Ossi so besonders empfindlich bin, aber wenn man „social screening“ kriegt, wenn man Punkte für Wohlverhalten kriegt, und wenn der Staat sich diese Punkte anguckt, und dann überlegt, in welcher Art und Weise man eigentlich drankommt bei der Wohnungssuche, beim Arzt oder bei irgendwas… , dann muß ich sagen: „Da wird mir wirklich ganz anders.“ „

Es schließt sich ein nachdenklicher Blick auf Europa an:

Wir woll’n Dich hier nicht mehr! Bitte such‘ Dir doch mal ’nen anderen Job. Du bist zu liberal – Du bist uns zu freiheitlich. Du bist uns zu offendenkend. Das woll’n wir nicht mehr haben.“, zitiert die in Thüringen aufgewachsene Tochter eines Tanzlehrerehepaars einen nicht näher benannten österreichischen Regierungsvertreter, um mit der rhetorischen Frage zu schließen:

„Wo leben wir hier eigentlich?“

In einem Land, führt Carolin Huder (geschäftsführende Vorständin der Neuen Kammerspiele) aus, in dem allein schon der Antrag auf eine Kulturprojekt-Förderung nach dem europäischen Erasmus-Programm 81 (in Worten: einundachtzig) Seiten umfasst.

Carolin Huder im Podcast-Gespräch mit Dieter Röseler

Weitere wirklichkeitsfremde Narreteien aus der europäischen, bundes- und landespolitischen Kulturpolitik gibt Caro ab dem 12. Juli in der 16. Episode von „Die Besten …“ preis. Für jedermann. Staaaaay tuuuuuned!

5. Mai 2019: Photoszene-Festival 2019

SAVE the TIME!

Künstlergespräch mit Kurt Buchwald

5. Mai 2019 | 14:00 Uhr | Erzbergerplatz 9 | 50733 Köln

Kurt Buchwald

Vorgestern hat die „heiße“ Festivalwoche begonnen und der mutige Entschluß der OrganisatorInnen um Geschäftsführerin Heide Häusler, sich vom Diktat und der Unberechenbarkeit der KölnMesse nicht weiter beeindrucken zu lassen, hat sich zweifellos als richtig erwiesen.

Als eines der ältesten und renommiertesten Foto-Festivals weltweit präsentiert die Internationale Photoszene Köln in diesem „Nicht-photokina-Jahr“ erneut eine Vielzahl von Ausstellungen im Kölner Stadtgebiet, die sich großer Aufmerksamkeit erfreuen.

Eine der Interessantesten feierte gestern im Kölner Norden Eröffnung. Die beiden Mitbegründer der Initiative HIGH FIVE, HP Schaefer und Helmut Hergarten, haben sich in diesem Jahr die KollegInnen Philipp J. Bösel (DGPh) aus meiner neuen Heimat Bensberg, Kurt Buchwald (DFA) aus Berlin und die Kölnerin Steffi Sonntag ins Boot geholt.

Tagestipp für heute: das Künstlergespräch mit dem Fotografen, Aktions- und Konzeptkünstler Kurt Buchwald, den Schaefer am Rande der Hamburger DFA-Tagung für die diesjährige Gruppen-Show der HOHEN FÜNF gewinnen konnte.

Der gebürtige Wittenberger Kurt Buchwald, dessen Sohn – gutes antizipierendes Timing – am 9. November Geburtstag feiert, weiss Einiges zu berichten: so konnte er beispielsweise den Mauerfall vor 30 Jahren von einem Logenplatz aus beobachten: am Fenster seiner Berliner Wohnung. Irgendwann im Verlauf der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989 wurde er von Baggerlärm geweckt und wunderte sich, warum die Grenzsicherungstruppen der NVA sich am „Antifaschistischen Schutzwall“ der Bernauer Straße zu schaffen machten.

(In diesem Zusammenhang muss leider erwähnt werden, dass der Chronist im Rahmen einer Vernissagen-Wette einige Kaltschalen kölnischen Gerstensafts verloren hat: der BesserWissi verwechselte die Bernauer mit der Bornholmer Straße…)

Buchwalds Arbeiten spiegeln seine Lebensphilosophie: durchaus gesellschaftskritisch nähert er sich selbst dem ernstesten Thema stets mit mindestens einer Prise augenzwinkerndem Humor. Mitunter durchaus sarkastisch. Und tiefschwarz. Wie seine Röhren. Und die 99 Luftballons, die seine Koje markieren.

8. Januar 2019: Vorläufiges Fazit der Bankenkrise

Heute vor exakt 10 Jahren wurde bekannt, dass der Bund 25% plus 1 Aktie der Commerzbank übernommen, sich also mit insgesamt 18,2 Mrd. (in Zahlen: 18.200.000.000,00) Euro in Deutschlands damals zweitgrößter Bank engagiert hatte.

In „Staatliche Hilfen für die Commerzbank AG – Eine vorläufige Bilanz“ nimmt der Fachbereich WD 4 (Haushalt und Finanzen) des Deutschen Bundestages am 21. Juni 2017 unter dem Aktenzeichen WD 4 – 3000 – 052/17 in Punkt 3 „Vorläufiges Fazit“ auf Seite 9 wie folgt Stellung zu diesem Engagement:

[… Der Bund] hält derzeit nach diversen Kapitalerhöhungen noch 15,6 Prozent der Aktien der Commerzbank AG (Stand 31. Dezember 2016). Für die Aktien zahlte er damals insgesamt 5,1 Mrd. Euro. Der Wert dieses Aktienpakets betrug am 31. Dezember 2015 1,9 Mrd. Euro. Im Mai 2017 ist der Wert auf ca. 1,7 Mrd. Euro gesunken. […]

*** 2008 | Frankfurt am Main | Commerzbank-Rettungsschirm *** Exzerpt von Deutschland 5Uhr30 – #d5h30 *** Hommage an Chargesheimers Köln 5Uhr30 ***|||*** „Der Rettungsschirm für die Commerzbank ist aufgespannt: Das zweitgrößte deutsche Kreditinstitut und der Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin) einigten sich am Freitag in Frankfurt auf die genauen Konditionen der stillen Staatseinlage von 8, 2 Mrd. Euro. Sie fließt zum 31.12. dieses Jahres in einer Tranche und wird mit neun Prozent jährlich verzinst, teilte die Commerzbank am Abend mit.“ (Handelsblatt am 19. Dezember 2008 um 19Uhr45, abgerufen am 20. September 2015

Bis heute, so meldet die ARD, sei der Wert auf nur noch 1,2 Mrd. Euro zusammengeschnurrt.

Honi soit qui mal y pense.


©2015 für das Lichtbildwerk: Dieter Röseler | ©2019 Text: Dieter Röseler – alle Rechte vorbehalten | all rights reserved

7. Januar 2019: „Das alte Jamaika spielt gar keine Rolle mehr, das ist vollendete Vergangenheit.“

Zum 40sten Geburtstag von Christian Lindner

Der passionierte Porsche-Pilot startet durch. Zum Jahresbeginn geht der FDP-Parteichef in die Medien-Offensive:

  1. Am Samstag zitiert der „Spiegel“ ihn mit den Worten: „Also, wenn Frau Kramp-Karrenbauer und Herr Habeck auf uns zukommen, dann laufen wir nicht weg – aber wir laufen denen auch nicht hinterher.
  2. Gestern sendet die „Tagesschau“ zur besten Sendezeit die Losung, die er auf dem traditionellen Dreikönigstreffen seiner Partei in der Stuttgarter Oper ausgibt: „Wer uns ein faires Angebot zur Erneuerung des Landes macht, der kann zu jeder Zeit damit rechnen, dass wir bereit sind, Verantwortung für dieses Land zu übernehmen, meine Damen und Herren.
  3. Und heute an seinem vierten runden Geburtstag spricht er Klartext im Podcast „Die Besten im Westen – Im Osten nur Kosten?!“:
Christian Lindner in seinem Fraktionsvorsitzenden-Büro im Deutschen Bundestag

„Wir sind in einer neuen Zeit.“

Das großzügige Eckbüro des FDP-Fraktionsvorsitzenden im Deutschen Bundestag hat mit seiner Nordwest-Ausrichtung zwar keine Morgensonne, aber einen direkten und unverbaubaren Blick auf die nur 20 Meter entfernte Südost-Ecke des Reichstagsgebäudes. Beherrscht wird es optisch durch zwei mächtige, gekreuzte Fahnen: die Bundes- und die Europaflagge.

Auf dem penibel aufgeräumten Schreibtisch liegt nur die dunkle Ledermappe mit dem blindgeprägten Siegel des US-amerikanischen Senats, die er von einer Washington-Reise mitgebracht hat. So aufgeräumt wie sein Arbeitsumfeld wirkt auch der im rheinisch-bergischen Wermelskirchen aufgewachsene Vollblut-Politiker selber während des intimen Vier-Augen-Gesprächs. Nicht ohne Genugtuung nimmt Lindner, erklärter BVB-Fan und auf der letzten Mitgliederversammlung in den Wirtschaftsrat des Bundesligisten berufen, den in den Lauf gespielten rhetorischen Ball elegant an und fasst zusammen, was CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt in Reinhold Beckmanns Mikrofon sprach:

Dobrindt hat gesagt, Frau Merkel hat den Grünen alle möglichen Brücken gebaut und Kompromisse angeboten, der FDP nicht. Und er habe damals gewarnt, die FDP müsse auch etwas haben, sonst tritt sie nicht in eine Regierung ein. Und vorher wurde ja immer gesagt, eine Einigung war zum Greifen nah. Und jetzt hat mal einer die tatsächliche Situation dargestellt. Das finde ich gut, zeigt aber eins: wir sind in einer neuen Zeit. Das alte Jamaika spielt gar keine Rolle mehr, das ist vollendete Vergangenheit. Und Leute, die nach vorne schauen, wie der Kollege Alexander Dobrindt, die denken schon wieder an die nächsten Situationen.

Damit hat Dobrindt nicht mehr getan, als den Schwarzen Peter für das Scheitern der 2017er Jamaika-Sondierungsgespräche von der FDP an Bundeskanzlerin Angela Merkel weiterzureichen. Allerdings auch nicht weniger.

„Ich war extrem schwer und fett.“

So lange ersehnt die Absolution des Alexander Dobrindt auch für das Geburtstagskind gewesen sein mag – im heutigen Gespräch spielen dessen beruflich-politischen Ambitionen nur eine Nebenrolle. Im Gespräch mit Dieter Röseler erhält das Private eine größere Gewichtung, wenngleich die Haltung eines Berufspolitikers zur Titelfrage durchaus auch von professionellen Aspekten geprägt sein dürfte.

Auf Augenhöhe mit Siegesgöttin Victoria: Blick vom Reichstag auf Christian Lindners Büro, die Quadriga auf dem Brandenburger Tor im Hintergrund

Aber was der laut VRdS (Verband der Redenschreiber deutscher Sprache) beste Redner im Bundestagswahlkampf 2017 auf die Frage antwortet, ob er im Zweifel dem Fußball oder seiner Partnerin den Vorzug gebe, wie es um seine Work-Life-Balance bestellt ist, warum man ein Herz für Hasen haben müsse, ob er sich als Womanizer oder Frauenversteher sieht und wie es sich anfühlt, „Posterboy“ oder „Bambi“ genannt zu werden, erlaubt durchaus Einblicke in die Seele des bald schon zweitdienstältesten Chefs einer im Bundestag vertretenen Partei. Ebenso die reflektierte Haltung zu seiner Kindheits-Adipositas.

Alles Gute zum Geburtstag, lieber Christian. Lass Dich angemessen – also ordentlich – feiern!


©2018 für die Bildbeiträge: Dieter Röseler | ©2019 Text: Dieter Röseler – alle Rechte vorbehalten | all rights reserved

18. Dezember 2018: Slow Life

In einer Woche ist Weihnachten. Ein rasantes Jahr läuft mit Riesenschritten auf sein Ende zu. Wenig ist im bundesdeutschen Alltag 2019 zu spüren von den Tugenden, die sich seit alters her mit der Adventszeit verbinden: Innehalten, Rückschauen, Reflektieren.

verdi nutzt diese Woche für einen Arbeitskampf gegen den reichsten Mann der Welt, AKKs Aufgabe, die innerparteilichen Gräben zügig zuzuschütten, ist – zumindest in ihrer subjektiven Wahrnehmung – so heikel, dass sie erstmal gar keine Pressekonferenz nach Präsidiumssitzungen duldet und der Einzelhandel sucht erneut händeringend nach Konzepten, wie sich dem stetigen Kleinerwerden seines Kuchenstücks vom Weihnachtsgeschäft Einhalt gebieten lassen könnte.

Wer beruflich die Adventszeit gelassen sehen kann, macht sich das Leben schwer und schwerer mit der Jagd nach möglichst individuellen Geschenken für seine Nahen. 

Dass die Zeit rennt, wußten schon die alten Römer und deren Philosophen. Die Geschwindigkeit, die den Menschen heute in der Ersten Welt unisono abverlangt und vorgelebt wird, ist atemberaubend. Ungesund. Manchmal sogar im wortwörtlichen Sinne. Davon kann mein alter Freund Erik ein langes leidvolles Lied singen. Und er tut es auch.

Seit zwei Jahren nun lässt der erfolgreiche Jurist nach schwerer Erkrankung seine anwaltliche Zulassung ruhen, entschleunigt und widmet sich gemeinsam mit drei langjährigen Weggefährten seiner großen Leidenschaft: der Musik.

Als UNDER ONE SKY haben die vier 2017 ihr erstes Album „Peace Of Mind“ vorgestellt und an einem heißen Hochsommertag im August diesen Jahres hat Erik mich bei einem vorzüglichen Caffe Latte dazu inspiriert, dem Entschleunigen auch in meinem beruflichen Alltag einen höheren Stellenwert einzuräumen.

Eines der Resultate dieser Neuausrichtung ist mein Podcast „Die Besten im Westen – Im Osten nur Kosten“, der am 1. Januar 2019 mit einem nabelschauenden Selbstgespräch startet, bevor am 7. Januar dann Christian Lindner aus seinem reichhaltig gefüllten Nähkästchen plaudern wird. Der Christian Lindner, der seinerzeit der jüngste Abgeordnete im nordrhein-westfälischen Landtag war; der Christian Lindner, der genau 5 Jahre vor AKK den Vorsitz seiner am Boden liegenden Partei übernommen hat; der Christian Lindner, der im November 2017 mit seinem „Nein“ die ersten Jamaika-Sondierungen auf Bundesebene hat platzen lassen.

Christian Lindner im Büro des Fraktionsvorsitzenden der FDP im Deutschen Bundestag

Der Christian Lindner, der am 7. Januar 2019 seinen 40sten Geburtstag feiert.


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