8. Januar 2019: Vorläufiges Fazit der Bankenkrise

Heute vor exakt 10 Jahren wurde bekannt, dass der Bund 25% plus 1 Aktie der Commerzbank übernommen, sich also mit insgesamt 18,2 Mrd. (in Zahlen: 18.200.000.000,00) Euro in Deutschlands damals zweitgrößter Bank engagiert hatte.

In „Staatliche Hilfen für die Commerzbank AG – Eine vorläufige Bilanz“ nimmt der Fachbereich WD 4 (Haushalt und Finanzen) des Deutschen Bundestages am 21. Juni 2017 unter dem Aktenzeichen WD 4 – 3000 – 052/17 in Punkt 3 „Vorläufiges Fazit“ auf Seite 9 wie folgt Stellung zu diesem Engagement:

[… Der Bund] hält derzeit nach diversen Kapitalerhöhungen noch 15,6 Prozent der Aktien der Commerzbank AG (Stand 31. Dezember 2016). Für die Aktien zahlte er damals insgesamt 5,1 Mrd. Euro. Der Wert dieses Aktienpakets betrug am 31. Dezember 2015 1,9 Mrd. Euro. Im Mai 2017 ist der Wert auf ca. 1,7 Mrd. Euro gesunken. […]

*** 2008 | Frankfurt am Main | Commerzbank-Rettungsschirm *** Exzerpt von Deutschland 5Uhr30 – #d5h30 *** Hommage an Chargesheimers Köln 5Uhr30 ***|||*** „Der Rettungsschirm für die Commerzbank ist aufgespannt: Das zweitgrößte deutsche Kreditinstitut und der Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin) einigten sich am Freitag in Frankfurt auf die genauen Konditionen der stillen Staatseinlage von 8, 2 Mrd. Euro. Sie fließt zum 31.12. dieses Jahres in einer Tranche und wird mit neun Prozent jährlich verzinst, teilte die Commerzbank am Abend mit.“ (Handelsblatt am 19. Dezember 2008 um 19Uhr45, abgerufen am 20. September 2015

Bis heute, so meldet die ARD, sei der Wert auf nur noch 1,2 Mrd. Euro zusammengeschnurrt.

Honi soit qui mal y pense.


©2015 für das Lichtbildwerk: Dieter Röseler | ©2019 Text: Dieter Röseler – alle Rechte vorbehalten | all rights reserved

31. Dezember 2018: „Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.“

Dieser Satz feiert im vor der Türe stehenden Jahr 2019 seinen 60. Geburtstag. Die österreichische Schriftstellerin Ingeborg Bachmann prägt ihn am 17. März 1959 während einer Rede im Bonner Bundeshaus. Seit 1973 ziert er ihren Grabstein auf dem Klagenfurter Zentralfriedhof Annabichl.

Bis zur halben Wegstrecke des Zeitstrahls seither in Richtung Gegenwart wird dieser Satz sehr gerne von Alfred Herrhausen zitiert. So gerne und häufig, dass so Mancher den Ursprung des Satzes schon diesem Ausnahmebanker und Querdenker der Bonner Republik zuschreibt.

Dieser brillante Mann war seiner Zeit in Vielem voraus: so bringt er bereits 1987 auf großer Bühne (während einer Tagung der Weltbank in Washington) einen teilweisen Schuldenerlass für Entwicklungsländer ins Gespräch – eine Idee, die zu seiner Zeit so unerhört, so undenkbar ist, dass er nicht selten dafür öffentlich angefeindet wird. Zum Beispiel vom Chef der Commerzbank, der ihm „unsolidarisches Verhalten“ gegenüber anderen Banken vorwirft. Und von seinem Nachfolger auf dem Sessel des Vorstandssprechers der Deutschen Bank, „Peanuts“-Hilmar Kopper, der diesen Gedanken als „intellektuelle Bemerkung“ abtut. Zwölf Jahre später erst unterbreiten die G8-Staaten der Weltbank und dem IWF auf dem Kölner Gipfel einen auf Herrhausens Ideen basierenden Vorschlag. Diese wiederum verabschieden zur Jahrtausendwende diesen Vorschlag und setzen ihn seither im Rahmen der sogenannten HIPC-Initiative um.

Schon am 20. November 1989 – 11 Tage nach dem Fall der Berliner Mauer – plädiert Herrhausen in einem Interview mit dem Hamburger Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ bereits für die deutsche Wiedervereinigung. Auf die pointierte Frage: „Reicht es Ihnen als Unternehmer und Banker nicht, wenn die DDR zuerst assoziiertes und später vielleicht einmal volles Mitglied der EG wird?“, antwortet er: „Als Banker und Unternehmer müßte ich damit wohl zufrieden sein. Ich würde als deutscher Staatsbürger bedauern, wenn wir auf Wiedervereinigung ein für allemal verzichten würden.“

10 Tage später verblutet Alfred Herrhausen infolge seiner Verletzungen. Unter bis heute nicht geklärten Umständen ist es der RAF am 30. November 1989 möglich, einen feigen Bombenanschlag auf ihn zu verüben. Obwohl es schon Wochen zuvor Hinweise gibt, dass ein Anschlag der Linksterroristen gegen Herrhausen geplant werde, wird das üblicherweise vorausfahrende Begleitfahrzeug an diesem Morgen kurz vorher abgezogen. Der angebliche Kronzeuge Siegfried Nonne bezichtigt Mitte 1992 hessische Verfassungsschützer, ihn mit kaum verhohlenen Morddrohungen zu einer Falschaussage genötigt zu haben. Dieser Vorwurf wird von Aussagen eines BKA-Mitarbeiters gestützt.

Exzerpt von „Deutschland 5Uhr30 – #d5h30“ | Hommage an Chargesheimers „Köln 5Uhr30“

„Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.“, steht heute auch eingemeißelt auf einer der drei Gedenkstelen an Alfred Herrhausens Attentats- und Gedenkort.

Wie augenscheinlich schon 1992 vertritt das hessische Landesamt für Verfassungsschutz auch 2017 wieder die Antithese zum Titelsatz: ein interner Bericht in Bezug auf den NSU-Komplex wird mit einer Sperrfrist von sagenhaften 120 (in Worten: einhundertundzwanzig) Jahren belegt, wie u. A. Susanne Höll in der Süddeutschen Zeitung berichtet. Oberster Dienstherr der hessischen Verfassungsschützer ist von April 1999 bis August 2010 – also während aller vom NSU begangenen Morde – übrigens Volker Bouffier; seither Ministerpräsident Hessens.

Exzerpt der Werkreihe #minnsche

Ende 2018 schließlich erschüttert die Geschichte des vielfach preisgekrönten Blenders Claas Relotius die (Medienlandschaft der) Berliner Republik: die Story eines jungen geltungssüchtigen Mannes, dem es ein ganzes Jahrzehnt lang gelingt, fast allen namhaften deutschsprachigen Printmedien – allen voran dem Spiegel – erdichtete Scheinwelten als Realität zu verkaufen.

Spiegel-Impressum von Heft 52/2018

Die vornehmste Aufgabe d e s deutschen Investigativ-Magazins im kommenden Jahr dürfte sein, seiner Leserschaft zu erklären, wie und warum das so lange möglich war. Denn Ingeborg Bachmann hatte Recht, als sie sagte:

„Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.“

In diesem Sinne: Ein Frohes, Gutes und Wahres Neues Jahr!


©2006, 2010, 2015 und 2018 für die Bildbeiträge: Dieter Röseler | ©2018 Text: Dieter Röseler – alle Rechte vorbehalten | all rights reserved

29. Dezember 2018: Fichtners Fiasko

Der tiefe Fall des talentierten Herrn R.

Er kann stolz auf sich sein. Und er ist es auch, während er zärtlich das filigrane Türchen der Glasvitrine öffnet, in der die Auszeichnungen und Preise seiner Laufbahn ein beredtes, wenn auch stummes Zeugnis über seine außerordentliche Befähigung zu Höherem ablegen. Schon seit geraumer Zeit ist ihm das Polieren der funkelnden Kristall- und Edelmetallflächen am Wochenanfang ein liebgewonnenes und mit Hingabe zelebriertes Ritual. „Ihr seid der Spiegel meines Wirkens“, murmelt der Ausnahme-Journalist halblaut. Und selbstzufrieden. Nicht nur ob des gelungenen kleinen Wortspiels. Sondern vor Allem, weil der nächste Sprung seiner Bilderbuchkarriere unmittelbar bevorsteht. Er ahnt an diesem ungewöhnlich warmen Herbstmorgen noch nicht, welches Unwetter sich außerhalb seines Gesichtsfeldes zusammenbraut. Nicht im Geringsten. Ein Sturm, dessen Zerstörungskraft keinen Stein seines Lebens auf dem anderen wird stehenlassen.

So sieht der szenische Einstieg zu einer großen und preisverdächtigen Reportage aus. Seit Jahren schon. Frei und wortreich nach des Spiegel-Gründers Credo: „Sagen, was gefühlt, gedacht, gemurmelt sein worden könnte“. Statt kurz und knapp dem Original-Motto: „Sagen, was ist.“ folgend.

Eine Laune der Natur, dass dieser Auftakt-Akkord nicht nur das Porträt des Fälschers Claas-Hendrik Relotius einleiten kann, sondern auch genauso gut und (unzu)treffend die Hausmitteilung über den Einzug Ullrich Fichtners in die Chefredaktion an der Hamburger Ericusspitze? Wohl kaum. Das ist schlicht dem perfiden Zuspitzungscharakter des Autors geschuldet.

Keine Frage, im direkten Vergleich zu Mercedes-Benz 1997 („Ich bitte Sie – wegen einem umgekippten Auto geb‘ ich doch kein Interview!“) und Audi im Jahre 2000 (Das Fahrverhalten des Audi TT zeige „weder einen Mangel im Sinne der Gewährleistung noch einen Fehler im Sinne des Produkthaftungsrechts“. Kunden hätten demzufolge „grundsätzlich keinen Anspruch auf Rückkauf“) ist das Krisenmanagement des Hamburger Nachrichtenmagazins heuer weit vorne:

„Wir haben in den letzten Tagen versucht vor der Welle zu bleiben […] und uns nicht von Anderen vorführen zu lassen“, spricht Steffen Klusmann, der designierte Vorsitzende der Spiegel-Chefredaktion, am Erscheinungstag von Heft 52 am Samstag vor Weihnachten ins Tagesthemen-Mikrofon. Und auch der Gedanke, schon in dieser frühen Phase der Spiegel-Affäre 2.0 den sachlichen Dialog mit einem seriösen und über jeden Zweifel erhabenen Journalisten wie Giovanni di Lorenzo zu suchen, verdient Respekt. Und Achtung.

Der Bock wird zum Gärtner. Gemacht.

Dass nun aber gerade Klusmanns künftiger Chefredakteurs-Kollege Ullrich Fichtner verantwortlich zeichnen darf für das journalistische Machwerk, in dem der Hochstapler Relotius am 19. Dezember 2018 vor aller Welt enttarnt wird, hat einen rasch wahrnehmbaren und auch strengen Hautgout. Denn Fichtner war es, der als großer Förderer des jungen Superstars viel dazu beigetragen hat, den seinerzeit erst 26-jährigen Relotius seit 2011 immer enger an das „Sturmgeschütz der Demokratie“ zu binden. Pointierter formuliert: Fichtner hat dem Spiegel die Laus Relotius erst in den Pelz gesetzt.

Dass diese – sicher sehr schmerzhafte – Nabelschau im Gewand einer „Mischung aus Kulturreportage und Essay“ daherkommt, ist nicht minder verstörend, denn „das schön Geschriebene, das spannend Geschriebene“ sei „Teil dessen, was Ihnen jetzt im Fall Relotius vorgeworfen wird. Eine nüchterne Darstellung ohne Atmosphärisches hätte ich passender gefunden, und es hätte mich persönlich auch mehr vom Aufklärungswillen der Redaktion überzeugt.“, erläutert Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo und spricht damit nicht nur Klartext, sondern auch mir aus der Seele. Da Ullrich Fichtner aber – aus welchen Gründen auch immer – das mehrheitliche „Placet“ seiner Redaktion für eine gefühlige Reportage bekommen hat, kann der gebürtige Oberfranke seinen gefallenen Engel auf sieben langen Seiten – zugegeben: rhetorisch brillant – mit jedem Satz ein wenig höher hängen. Und er tut es auch. Es wäre nur allzu menschlich, wenn blinde Wut und Enttäuschung über den Sündenfall des Claas-Hendrik Relotius Herrn Fichtner hierbei die Feder geführt hätten.

Eine auch nur halbwegs nachvollziehbare Erklärung dafür, wie und warum ein blutjunger Mann sieben lange Jahre nach Herzenslust Details und ganze Geschichten erfinden, mithin die laut aktuellem Impressum 62 Köpfe starke Dokumentation und 17 Schlußredakteure nachhaltig und dauerhaft hinters Licht führen konnte, bleibt er hingegen schuldig. Schade. Doppelt schade, denn dass es Hochstapler auf dieser Welt gibt, ist nicht wirklich eine neue Erkenntnis – die Antwort hingegen auf die Frage, wie es jemand zuwege gebracht haben mag, die legendären Sicherungssysteme des Spiegel nachhaltig jahrelang außer Kraft zu setzen, hätte durchaus einen gewissen Nachrichtenwert.

Die Einzeltäter-Theorie

„Wir haben es – man muss es glaub‘ ich so sagen – mit einem genialen Einzeltäter zu tun.“ So fränkelt Fichtner in Sonderfolge 62 des kostenpflichtigen Spiegel-Podcasts „Sagen, was ist.“ Das ist eine – mutmaßlich zum Schutze aller ehrlich arbeitenden Journalisten gut gemeinte – Tatsachenbehauptung. Eine, die in den restlichen 28 1/2 Minuten jedoch durch nichts gestützt wird. Was bedauerlicherweise dem Gedanken Vorschub leistet, dass die Einzeltäter-Theorie im vorliegenden Fall einen ähnlichen Wahrheitsgehalt haben könnte wie im NSU-Komplex.

Es ist ja keine schöne Geschichte“

Stattdessen ergeht sich der – wie Relotius auch mit vielen Preisen für seine Erzählkunst dekorierte – Fichtner in einer weiteren detailverliebt-gefühligen Schilderung: „Es ist ja keine schöne Geschichte, aber es hat Elemente von einem Film […] Wir verdanken es dann nach Juan Moreno Özlem Gezer, das ist die stellvertretende Leiterin des Gesellschafts-Ressorts, und ihrer Menschenkenntnis auch so’n bißchen, die in dem Moment, als sich die Hinweise immer weiter verdichten, einfach eines Abends sich ’n Auto mietet auf der Straße, zu Relotius vor die Tür fährt und sagt: „Claas, Du kommst jetzt hier runter oder ich komm‘ hoch – ich will jetzt wissen, was hier los ist.““ Wenn ich mich dieser mit einem sanften süddeutsch eingefärbtem Timbre überzogenen sonoren Erzähl-Stimme hingebe, entsteht sofort das Filmplakat vor meinem Inneren Auge, auf dem in großen Lettern prangt: Regie – Florian Henckel von Donnersmarck | Hauptdarsteller – Matthias Schweighöfer … und Drehbuch: Ullrich Fichtner.

Zwischenfazit

„Das System Claas R. bricht zusammen“, soll Fichtner lakonisch in einer SMS zum Thema mitgeteilt haben. Ich möchte hinzufügen: Der Spiegel hat nicht nur in den vergangenen sieben Jahren im Hinblick auf das Wirken des Betrügers Claas-Hendrik Relotius auf ganzer Linie mit all seinen hochgelobten und ebenso gefürchteten Sicherungssystemen versagt. Leider hat er auch beim ersten Anlauf der Aufarbeitung der Spiegel-Affäre 2.0 das Thema verfehlt. Sechs. Setzen. Und zügig professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Ob nun von Giovanni di Lorenzo, Stefan Aust oder Georg Mascolo ist einerlei.

Update

Vor viereinhalb Stunden hat ZEIT Online vermeldet, dass Ullrich Fichtner seinen noch nicht angetretenen Posten in der Chefredaktion zur Verfügung gestellt habe und Klusmann den Vertrag der durchaus verdienten Edelfeder aussetzen will. GUTE Entscheidung!!! Seit dem 19. Dezember ein erster Schritt in die richtige Richtung. Ein allererster. Chapeau, Herr Klusmann. Weiter so! Bitte.


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18. Dezember 2018: Slow Life

In einer Woche ist Weihnachten. Ein rasantes Jahr läuft mit Riesenschritten auf sein Ende zu. Wenig ist im bundesdeutschen Alltag 2019 zu spüren von den Tugenden, die sich seit alters her mit der Adventszeit verbinden: Innehalten, Rückschauen, Reflektieren.

verdi nutzt diese Woche für einen Arbeitskampf gegen den reichsten Mann der Welt, AKKs Aufgabe, die innerparteilichen Gräben zügig zuzuschütten, ist – zumindest in ihrer subjektiven Wahrnehmung – so heikel, dass sie erstmal gar keine Pressekonferenz nach Präsidiumssitzungen duldet und der Einzelhandel sucht erneut händeringend nach Konzepten, wie sich dem stetigen Kleinerwerden seines Kuchenstücks vom Weihnachtsgeschäft Einhalt gebieten lassen könnte.

Wer beruflich die Adventszeit gelassen sehen kann, macht sich das Leben schwer und schwerer mit der Jagd nach möglichst individuellen Geschenken für seine Nahen. 

Dass die Zeit rennt, wußten schon die alten Römer und deren Philosophen. Die Geschwindigkeit, die den Menschen heute in der Ersten Welt unisono abverlangt und vorgelebt wird, ist atemberaubend. Ungesund. Manchmal sogar im wortwörtlichen Sinne. Davon kann mein alter Freund Erik ein langes leidvolles Lied singen. Und er tut es auch.

Seit zwei Jahren nun lässt der erfolgreiche Jurist nach schwerer Erkrankung seine anwaltliche Zulassung ruhen, entschleunigt und widmet sich gemeinsam mit drei langjährigen Weggefährten seiner großen Leidenschaft: der Musik.

Als UNDER ONE SKY haben die vier 2017 ihr erstes Album „Peace Of Mind“ vorgestellt und an einem heißen Hochsommertag im August diesen Jahres hat Erik mich bei einem vorzüglichen Caffe Latte dazu inspiriert, dem Entschleunigen auch in meinem beruflichen Alltag einen höheren Stellenwert einzuräumen.

Eines der Resultate dieser Neuausrichtung ist mein Podcast „Die Besten im Westen – Im Osten nur Kosten“, der am 1. Januar 2019 mit einem nabelschauenden Selbstgespräch startet, bevor am 7. Januar dann Christian Lindner aus seinem reichhaltig gefüllten Nähkästchen plaudern wird. Der Christian Lindner, der seinerzeit der jüngste Abgeordnete im nordrhein-westfälischen Landtag war; der Christian Lindner, der genau 5 Jahre vor AKK den Vorsitz seiner am Boden liegenden Partei übernommen hat; der Christian Lindner, der im November 2017 mit seinem „Nein“ die ersten Jamaika-Sondierungen auf Bundesebene hat platzen lassen.

Christian Lindner im Büro des Fraktionsvorsitzenden der FDP im Deutschen Bundestag

Der Christian Lindner, der am 7. Januar 2019 seinen 40sten Geburtstag feiert.


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8. Dezember 2018: „Es war mir eine Ehre.“

Mit diesen Worten beendete Bundeskanzlerin Angela Merkel gestern in Hamburg ihre über 18 lange Jahre währende Regentschaft als Bundesvorsitzende der CDU.

In ihrer Abschiedsrede ist Raum für Demut. Für Dankbarkeit und sogar für augenzwinkernden Humor. Vor allem aber für Würde.

Dies ist eine weitere ihrer zumindest in diesem Jahrtausend singulären – und hoffentlich stilbildenden – Leistungen: der (gerade noch) rechtzeitige Rückzug in Würde aus einem hohen politischen Amt. 

Genauso viel Respekt nötigt mir ab, dass sie alles in ihrer Macht Stehende unternommen hat, die Frage ihrer Nachfolge dazu zu nutzen, innerhalb ihrer Partei mehr Demokratie zu wagen, um einen sozialdemokratischen Claim aus den frühen Siebzigern des letzten Jahrhunderts zu bemühen.

Dass sich mindestens zwei der drei Bewerber um den Parteivorsitz während ihrer gemeinsamen Regionalkonferenzen-Ochsentour durch die Republik „fast wie eine Rockband“ fühlten, spricht zwar nicht gerade dafür, dass diese mit den Usancen im Musikantengewerbe vertraut sind, lässt jedoch im Umkehrschluss die Hoffnung auf eine gesunde Selbstironie der Protagonisten aufkeimen.

Der Foto-Finish im zweiten Wahlgang von 51,75% Zustimmung für Merkels Mädchen AKK verdeutlicht, dass es keine klare Linie innerhalb der Union gibt. Die Freunde des Bewahrens haben nur eine hauchdünne Mehrheit vor jenen des Neuanfangs. Friedrich Merz verzichtete darauf, sich allzu sehr einbinden zu lassen. Er schaut sich die weiteren Entwicklungen vorerst lieber vom Spielfeldrand aus an.

Wenn AKK bei den nächsten Wahlen nicht umgehend liefern kann, bleibt er dort – und nur dort – möglichst unbeschädigt. Seine Nehmerqualitäten auf dem bundespolitischen Parkett waren nie sonderlich ausgeprägt.

Es bleibt – Vorsicht: BILLIGER Kalauer – spahnend.

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7. Dezember 2018: „Wir sind in einer neuen Zeit.“

So erklärt sich Christian Lindner – heute auf den Tag genau seit 5 Jahren Bundesvorsitzender der FDP – die Generalamnestie, die Alexander Dobrindt ihm in einem Gespräch mit Reinhold Beckmann ausgestellt hat. Für seinen öffentlich und auch parteiintern sehr kontrovers kommentierten Entschluss, am 19. November 2017 die Sondierungen über eine erste Jamaika-Koalition auf Bundesebene abzubrechen. Der seinerzeitige CSU-Unterhändler äußert großes Verständnis für die Entscheidung der FDP-Spitze und lastet das Scheitern der Sondierungen vollumfänglich der Vorsitzenden seiner Schwesterpartei, Angela Merkel, an. 

Die Dokumentation „Lindner und die FDP – Aufbruch ins Abseits?“ wird am Abend nach der für die ehemaligen Volksparteien CDU und SPD desaströsen Hessenwahl erstmals in der ARD ausgestrahlt. Am gleichen Tag, an dem Bundeskanzlerin Angela Merkel völlig überraschend erklärt, heute nicht mehr für den Bundesvorsitz der CDU kandidieren zu wollen und damit selbst das Ende ihrer Ära einläutet. Eine bemerkenswerte zeitliche Koinzidenz.

„Das alte Jamaika spielt gar keine Rolle mehr – das ist vollendete Vergangenheit.“

So führt Christian Lindner seine Analyse fort in dem Gespräch, das wir Ende November in seinem geräumigen Fraktionsvorsitzenden-Eckbüro mit Blick auf die Südost-Ecke des Reichstagsgebäudes führen.

Wenn Horst Seehofer wie geplant seinen Parteivorsitz am 19. Januar 2019 abgegeben haben wird, ist Christian Lindner der zweitdienstälteste Vorsitzende einer im Bundestag vertretenen Partei. Ein alter Hase. Trotz seines vergleichsweise sehr jungen Lebensalters von dann gerade einmal 40 Jahren.

In seiner Bewerbungsrede um den Vorsitz einer vom Wähler aus der Regierungskoalition in den „außerparlamentarischen Bildungsurlaub“ geprügelten Partei sagte der passionierte Jungjäger vor genau fünf Jahren:

„ […] die FDP, sie muß nicht fürchten, bekämpft zu werden für das, wofür wir stehen. Die FDP muss nur fürchten, für nichts zu stehen, […] “

Ein Satz, der heute nicht weniger wahr ist. Auch nicht für die Buchstabenkombinationen C, D und U – oder auch für S, P und D.

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15. November 2018: „Es kommt auf Substanz an.“

So erklärt Vizekanzler Olaf Scholz die enorme Popularität von Helmut Schmidt.

Als Ergebnis einer bundesweiten Umfrage wurde der zweite sozialdemokratische Kanzler der Bonner Republik 2012 zum größten Vorbild der Deutschen erklärt. Anläßlich Schmidts 100-jährigem Geburtstag am 23. Dezember eröffnet der Bundesfinanzminister  an der Seite der Künstlerischen Leiterin des Freundeskreises, Gisela Kayser, im Willy-Brandt-Haus heute die Ausstellung „Helmut Schmidt: Hanseat – Staatsmann – Weltbürger“.

 

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11. November 2018: „Gläbbich alaaf!“ – oder: „Danke Monsieur de Gaulle!“?

Alljährlich beginnt bei uns im Rheinland am 11. November um 11Uhr11 die fünfte Jahreszeit – der Karneval: In den Straßen und Kneipen der Region herrscht der gleiche Ausnahmezustand wie an Weiberfastnacht und/oder Rosenmontag.

Dieser an und für sich sehr, sehr schöne Brauch ist überaus dominant. Und läßt nur sehr wenig – an und für sich gar nichts – neben sich bestehen.

So mußte ich 49 Jahre alt werden und im Süden Frankreichs – dem Midi – überwintern, um lernen und erleben zu können, dass bei unseren westlichen Nachbarn der 11. November ebenfalls gefeiert wird. Anders zwar – deutlich anders sogar –, aber nicht minder intensiv.

L‘Armistice de Rethondes

Gefallenendenkmal im südfranzösischen Puyricard – dem nördlichsten sehr dörflichen Viertel von Aix-en-Provençe

In der Wichtigkeit aller französischen Feiertage rangiert der 11. November direkt unterhalb des 14. Juli – es ist der zweitwichtigste im Lande. Noch im kleinsten Dorf versammelt sich die Bevölkerung kurz vor 11 um das Gefallenen-Denkmal unter der Trikolore. Die Veteranen legen in vollem Ornat Kränze nieder und alle GrundschülerInnen haben vor Aufregung schweißnasse Hände.

Wenn die Punkt 11 in Erinnerung an die Unterzeichnung des ersten Waffenstillstandsabkommens von Compiègne läutenden Glocken verstummen, ist der große Augenblick gekommen, an dem sie endlich voller Inbrunst die Marseillaise im Chor intonieren dürfen.

Fête de l’Armistice am 11. November 2015 in Puyricard

Ich kann nicht ermessen, ob ich die letzten 51 Jahre einfach zu sehr auf den Sessions-Auftakt fokussiert war oder ob die „Armistice“-Feierlichkeiten unserer französischen Freunde in Jahren ohne rundes Jubiläum keinerlei Nachrichtenwert für die bundesdeutschen Leitmedien haben. Umso mehr berührt mich Emmanuel Macrons Einladung an unsere Bundeskanzlerin. Ebenso die gestrige ausführliche Berichterstattung in Tagesschau und Tagesthemen. Und die große stille Geste der Versöhnung – auch wenn Angela Merkel sie vor drei Jahren fast deckungsgleich an der Seite von François Hollande gab.

Neue Heimat

Die Schwert-Spitze des Gefallenendenkmals auf dem Deutschen Platz

Nun begab es sich vor drei Tagen, dass ich als Neu-Bensberger bei meinem Spaziergang vom Café Amélie zurück ins Unterdorf erstmals meine Schritte auf diesen kleinen Platz links lenkte, dessen Name mich schon länger seltsam berührt: „Deutscher Platz“ fühlt sich für mich deutlich aus der Zeit gefallen an. Dass das Kreuz auf der Spitze des den Platz beherrschenden Denkmals gar kein christliches ist, sondern die Silhouette eines martialischen Schwertes, befremdet mich. Die starre Mimik der vier stahlhelmbewehrten Steinfratzen auf dem dritten Segment über dem Wehrmachtskreuz und der Inschrift „Treue um Treue“ löst ein Gefühl der Scham und Bestürzung in mir aus.

Das. Darf. Doch. Nicht. Wahr. Sein.

Gefallenendenkmal mit Inschrift „TREUE UM TREUE“ auf dem Deutschen Platz inBensberg

Ist es aber. Leider. Recht zügig lässt sich dank Internet recherchieren, dass der Platz diesen Namen seit 1945 trägt. Die zwölf Jahre davor war’s der „Adolf-Hitler-Platz“. Geboren wurde er während der Weimarer Republik allerdings als „Friedensplatz“. Seinerzeit übrigens noch ohne das martialisch-revanchistische Gefallenendenkmal. In diesem Zusammenhang halte ich es auch für bemerkenswert, dass die Verantwortlichen in meiner Neuen Heimat es offenbar erst Ende der 80er Jahre über’s Herz gebracht haben, die Ehrenbürgerwürde für Adolf Hitler zu annullieren, wie Gisbert Franken am 17. Februar 2013 in der Bergischen Landesleitung schreibt.

Stephanie Peine schreibt nun in Bezug auf das Gefallenendenkmal am 27. Februar diesen Jahres im Kölner Stadtanzeiger:

Als Vorbild könnte die französische Partnerstadt Bourgoin-Jallieu dienen […]. Hier hatte man, in einer auch für Frankreich recht außergewöhnlichen und nicht unumstrittenen Aktion, die örtlichen Kriegerdenkmäler abgebaut und die Materialien vom Bildhauer Gilbert Primard in die Gesamtanlage eines Friedensdenkmals, das Memorial de la Paix, einarbeiten lassen. Im Mittelpunkt steht jetzt eine vier Meter hohe Friedenstaube auf einer Weltkugel. Friedenstaube contra Schwert, das könnte auch ein Arbeitstitel für Bensberg sein.

Dem schließe ich mich an. Vorbehaltlos.

Danke.

Und ich bedanke mich bei Charles de Gaulle, der als sich erst wenige Wochen im Amt befindender französischer Ministerpräsident die menschliche Größe und den politischen Instinkt hatte, den deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer am 14. September 1958 in sein privates Landhaus nach Colombey-les-deux-Églises einzuladen. Eine Ehre, die weder davor noch danach irgendeinem anderen Politiker zuteil wurde. Damit hat er den Grundstein für die Aussöhnung und den seither lang anhaltenden Frieden in Westeuropa gelegt.

Es wäre nicht nur schön, wenn aus den Bensberger Kriegerdenkmälern nach französischem Vorbild Friedensdenkmäler entstünden. Zeitgemäß wäre auch, dass der „Deutsche Platz“ wieder seinen ursprünglichen Namen bekommt: „Friedensplatz“. Oder wenigstens „Deutsch-Französischer Platz“.

©2015–2018 für Text- und Bildbeiträge: Dieter Röseler – alle Rechte vorbehalten.

5. August 2018: Nichts ist der Anfang von Allem – 2/2

Die Mutter der Performance-Kunst in Bonn

Marina-Abramović-Retrospektive in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland

 

„tock ––––– Tock –––– TOck ––– TOCk –– TOCK –– TOCKK –––––––––– TOCK – TOCKK – TOCKKK – TOCKKKK – TOCKKKKK – TOCKKKKKK“

Diese stakkato-artigen Töne beherrschen den ersten reinen Schmerz-Raum der Ausstellung. Sie sind aufgezeichnet worden während einer Performance, in der die Abramović mit den unterschiedlichsten Messern das Spiel mit sich selber spielt, das Jedem aus alten Western-Saloons geläufig ist: in immer schneller werdenden Folgen sticht sie das Messer in die Zwischenräume zwischen den Fingern ihrer gespreizten linken Hand, die auf einem Holzstück unbeweglich ruht – wenn’s gut läuft. Wenn’s nicht ganz so gut läuft, treibt sie sich die Klinge mit voller Wucht ins eigene Fleisch. Erst lange nach dem ersten akustischen Reiz wird der Ausstellungsbesucher  die optische Aufarbeitung dieser Performance gewahr: riesige überlebensgroße grobkörnige Silbergelatineabzüge der Hand und der verschiedenen zum Einsatz gekommenen Messer.

Coming and Going | 1973/2017 | Silbergelatineabzüge | Courtesy of Marina Abramović-Archives

Am Ende dieses Teils hängt ein neunteiliges Tableau von Fotografien mit dem im ersten Moment und im direkten Kontrast nachgerade harmlosen Titel „Coming and Going“: hier ist der Schmerz sehr subtil inszeniert. Eine Atempause zum Luftholen, bevor man sich nach links wendet und das inszenierte Tisch-Stillleben mit Stuhl, Rotwein, Metronom, Honig – und Lederpeitsche vor den Video-Projektionen auf sich wirken lässt.

I SLOWLY EAT 1 KILO OF HONEY WITH A SILVER SPOON

Wer den Videobildern der Selbstkasteiung fliehen will, wird hinter der nächsten Trennwand empfangen von einem Monitor, der einem in Endlosschleife die Performance „Art must be beautiful – The artist must be bautiful!“ in Ton und Bild entgegenschleudert: manisches Kämmen des Haupthaares – bis aufs Blut. Auffallend viele weibliche Besucherinnen verweilen geduldig und gebannt vor dieser Installation.

Art must be beautiful – The artist must be beautiful

Rhythm 0

Gerade einmal 26 Jahre alt, geht Marina 1974 in Neapel mit ihrer Performance „Rhythm 0“ auf’s Ganze und liefert sich mit Haut und Haar ihrem Publikum aus. Vorbereitet hat sie 72 Objekte, die gleichsam wie auf einem Altar bereitliegen, um sie an der Künstlerin nach eigenem Gutdünken zu benutzen. Darunter eine rote Rose, Rotwein, Pflanzenöl und eine Federboa. Jedoch auch Stahl- und Eisenketten, Fleischermesser, Fuchsschwanz, ein Beil und nicht zu Allerletzt eine Pistole mit Kugel. Im erklärenden Begleittext spricht sie im Vorfeld jede/n an dieser Performance teilnehmende/n BesucherIn von Konsequenzen für ihr/sein Handeln frei und übernimmt die volle Verantwortung. Nun… sie hat’s überlebt; dem Vernehmen nach jedoch auch nur knapp und weil  jede einzelne der „Rhythm 0„-Performances nach nicht allzu langer und immer vor der Zeit abgebrochen wurde.

Requisiten der Performance „Rhythm 0“ | 1974 | Studio Morra, Neapel – Italien

Ulay

Marina Abramović und Ulay (Frank Uwe Laysiepen): Relation Works

Im nächsten Jahr lernt Marina einen der prägendsten Männer ihres Lebens kennen: Ulay – ebenfalls wie sie selbst an einem 30. November im Sternkreiszeichen des Schützen geboren. 1977 kaufen sie gemeinsam einen alten Bus und werden die nächsten drei Jahre in diesem Vehikel nomadisch um die Welt ziehen. Nicht ohne ein gemeinsames Manifest zu verfassen:

 

ART VITAL

 

Kein fester Wohnsitz

Permanent in Bewegung sein

Direkter Kontakt

Lokaler Bezug

Selbstbestimmung

Grenzüberschreitung

Risikobereitschaft

Bewegliche Energie

 

Keine Proben

Kein festgelegtes Ende

Keine Wiederholung

 

Noch größere Verletzlichkeit

Abhängigkeit vom Zufall

Unmittelbare Reaktionen

Mit ihren gemeinsamen „Relation Works“ widmen sie sich dem Verhältnis zwischen Mann und Frau – losgelöst von ihrer persönlichen Beziehung – auf archaische Art und Weise. Das Potenzial von negativer und positiver Energie erwählen sie sich genauso zum Thema wie die völlige Abhängigkeit und absolutes Vertrauen zwischen zwei Menschen.

 

1988 trennen sich die Wege der Beiden, jedoch haben die Arbeiten von „UlayundMarina“ bis heute eine ungebrochene Relevanz und beeinflussen immer noch neue Generationen von Kunstschaffenden.

The Cleaner ist nur noch sechs Tage in Bonn zu Gast: bis zum 12. August! Dann geht es weiter ins italienische Florenz.

©2018 für Text- und Bildbeiträge (soweit nicht anders angegeben): Dieter Röseler – alle Rechte vorbehalten.

31. Juli 2018: Deutschland 5Uhr30 | 12. Jahrestag der mißglückten Kofferbombenanschläge von Köln

2006 | Hauptbahnhof: Bahnsteig zwischen Gleis 2 und 3 | Köln

Kofferbomben-Anschläge von Köln […] Am 31. Juli 2006 platzierten zwei aus dem Libanon stammende Studenten zwei in Rollkoffern versteckte Sprengsätze in Regionalzügen, die von Köln nach Hamm beziehungsweise Koblenz fuhren. Die Wecker lösen zwar zur eingestellten Zeit um 14.30 Uhr die Zündung aus, das Gas-Benzin-Gemisch in den Gasflaschen kann aber mangels Sauerstoff nicht explodieren. Wäre es anders gewesen, wären Splitter bis zu hundert Meter weit geflogen. Der eine Koffer wird im Fundbüro des Dortmunder Bahnhofs abgegeben und die Bombe dort entdeckt. Die zweite wird am nächsten Tag in Koblenz gefunden. Die Polizei veröffentlicht Videobilder der beiden Männer vom Kölner Hauptbahnhof, von denen einer ein Michael-Ballack-Trikot trägt. […] Das Motiv der beiden Muslime: Gotteskrieg gegen die Ungläubigen im Westen. Hamad wird am 18. Dezember 2007 in Beirut zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Das Urteil gegen El Hajdib fällt am 9. Dezember 2008 in Düsseldorf: lebenslange Haft.

DIE WELT vom 14. Dezember 2012, abgerufen am 21. September 2015 hier: welt.de/newsticker/dpa_nt/infoline_nt/thema_nt/article112029233/Kofferbomben-Anschlaege-von-Koeln.html


Exzerpt von Deutschland 5 Uhr 30 [Hommage an Chargesheimers Köln 5 Uhr 30]

 

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