7. September 2018: Berliner Polizei verschlampt Personalausweis

StaatsdienerInnen vertuschen wochenlang ihre Inkompetenz und mutmaßliche Schludrigkeit – gedeckt von der Polizeipräsidentin in Berlin

Die Ausgangslage: am frühen Morgen des 23. August wird der Berliner Polizei frühmorgens am Zentralen Omnibusbahnhof im Nachtschatten des Westberliner Funkturms von einem Dieb mein Personalausweis ausgehändigt.

Der weitere Verlauf, in welchem ich mich bemühe, wieder in den Besitz meines amtlichen Ausweisdokuments zu gelangen, mutet an wie eine der lustigen Geschichten aus Schilda – lustig sind diese ja nur, weil sie Fiktion sind. In der Realität sind sie meistens mindestens peinlich. Jedenfalls für die Hauptakteure der jeweiligen Posse. Zurück zur – leider wahren – Geschichte:

Am Morgen des 24. August – ich befinde mich noch nichtsahnend auf der Dachterrasse eines sehr guten Freundes in Kreuzberg und genieße den traumhaft-schönen Sonnenaufgang über der Hauptstadt – ist weder das Büro der Polizeipräsidentin in Berlin noch die Polizeidirektion 3 – Abschnitt 32 telefonisch erreichbar. Anrufversuche laufen minutenlang ins Leere. Um kurz vor 9 Uhr morgens.

Am Abend des 25. August schließlich – in der Zwischenzeit zeitigten meine Recherchen das Ergebnis, dass sich mein Personalausweis im PK 24 auf dem Kaiserdamm befinde – geruht der Diensthabende, ans Telefon zu gehen. Zum Glück für mich während eines meiner nicht wenigen Anrufversuche. Dieser Diensthabende nun gibt mir die Information, dass mein Personalauweis routinemäßig als Fundsache behandelt worden sei und er demzufolge schon am Vortag seinen Weg ins Zentrale Fundbüro am Platz der Luftbrücke angetreten habe. Das Fundbüro sei erst am übernächsten Morgen – dem Montagmorgen telefonisch zu erreichen. Ab 8 Uhr.

Ab da geht es Schlag auf Schlag.

27. August, 8 Uhr morgens: Mein angeblich „gefundener“ Personalausweis ist im Zentralen Fundbüro unauffindbar.

27. August, 18Uhr55: Ich erstatte bei der Direktion 2 der Berliner Polizei schriftlich per E-Mail Strafanzeige gegen den Dieb gem. §§ 132 und 242 StGB (Amtsanmaßung und Diebstahl). Im gleichen Zuge erbitte ich eine amtliche Verlustbescheinigung, die ich dringend benötige.

30. August, 8Uhr31: Die Polizeibeamtin Janine L. vom Abschnitt 22 der Polizeidirektion 2 kommt mit einer neuen Version über den Verbleib meines Ausweises um die Ecke. Schriftlich. In einer E-Mail. Nun sei mein Personalausweis bereits am 23. August an das Bürgeramt in meinem Wohnort versendet worden. Meine telefonische Nachfrage, ob dieser Brief mit einfacher Post – also nicht nachverfolgbar – gesendet wurde, bejahte die zu diesem Zeitpunkt noch freundliche Janine. Dass er nicht auf direktem Wege an meine Meldeanschrift gesendet worden ist, die ja auf dem Personalausweis steht, hätte mich schon stutzig machen können. Und auch sollen, wie der weitere Verlauf dieser unseligen Causa noch zeigen wird.

3. September, 21Uhr11: Meiner Bürgerspflicht folgend informiere ich Janine L. und auch die Polizeidirektion 2 schriftlich darüber, dass mein Personalausweis weder behördlicherseit verlustig gemeldet worden noch in meinem Bürgeramt angekommen sei. Gleichzeitig erbitte ich Informationen darüber, ob meine Strafanzeigen aufgenommen worden sind. Schließlich erfrage ich noch den Sachstand in Bezug auf die erbetene Verlustbescheinigung und die amtliche Verlustmeldung.

4. September, 9Uhr32: Die in zunehmend gereizter Diktion schreibende Janine zündet in ihrer Antwort-E-Mail einige auf Behördendeutsch abgefasste rhetorische Nebelkerzen, ohne auch nur eine meiner Fragen vom Vorabend zu beantworten.

4. September, 9Uhr48: Ich erbitte erneut bei Janine die Beantwortung meiner sachlich simplen Fragen. Bis 12 Uhr mittags.

4. September, 12Uhr59: Janine spielt „Tote Frau“ und bewegt sich nicht mehr. Jedenfalls für mich nicht wahrnehmbar, so dass ich mich mit meinem Anliegen schriftlich an ihre oberste Dienstherrin, die Polizeipräsidentin in Berlin, Frau Dr. Slowik, wende.

6. September, 8Uhr16: Janine raspelt plötzlich Süßholz. Sie schreibt wörtlich:

[…] gern teilen wir Ihnen die Vorgangsnummer bezüglich des Diebstahls und der Amtsanmaßung mit […]

6. September, 8Uhr33: Der von Janine beigefügten „Bestätigung einer Strafanzeige“ ist zu entnehmen, dass der Vorgang erst am Vortag aufgenommen worden ist. Mithin schlappe 9 (in Worten: neun) Tage nach Erstattung meiner Anzeige. Ich erbitte bei Janine eine Erklärung dafür.

6. September, 14Uhr3: Janine ist offenkundig wieder in ihr „Tote-Frau“-Katatonie verfallen, so dass ich mich genötigt sehe, erneut die Polizeipräsidentin um die Beantwortung meiner seit bereits drei Tagen ungeklärten Fragen zu bitten.

6. September, 14Uhr53: Statt Antworten zu geben, beschließt Frau Dr. Slowik,  einen frischen Spieler einzuwechseln: Polizeikommissar W. aus dem Stab 333 der Direktion 2 – Sachbereich Beschwerden – meldet sich zu Wort und läßt mich wissen, dass ab jetzt er federführend mein Anliegen bearbeite.

6. September 15Uhr55: Ich weise W. freundlich darauf hin, dass ich gar keine Beschwerde führe, sondern lediglich auf Antworten auf simple Fragen hoffe und bitte ihn bis 9 Uhr des Folgetages um die Benennung eines sachkompetenten Ansprechpartners – wahlweise auch um Beantwortung meiner einfachen Fragen. W. kann ja nix dafür, dass er ins Feld geschickt wird. Der arme Mann ist weisungsgebunden. W. entscheidet sich genau wie Janine zuvor, ab nun „Toter Mann“ zu spielen.

7. September, 9Uhr1: Ich wende mich erneut an die Polizeipräsidentin in Berlin und stelle in meinem letzten Satz die Behauptung auf:

Es kann nicht sein, dass die Hauptstadtpolizei wochenlang keine Antwort darauf findet, wie der Sachstand in Bezug auf eine amtliche Verlustmeldung ist.

Einem spontanen Impuls folgend, schicke ich die Frage hinterher:

Oder kann es das doch?

Eine weitere Frage. Eine, die bis zur Stunde ebenfalls noch unbeantwortet ist.

7. September, 10Uhr36: Meine Recherchen haben zu dem Ergebnis geführt, dass unzweifelhaft zu keinem Zeitpunkt seit dem 24. August d. J. ein Schreiben der Berliner Polizei unter der von Janine genannten Adresse eingegangen ist.

Der Verbleib meines Personalausweises ist auch nach über zwei Wochen noch ungeklärt.

Eine amtliche Verlustmeldung ist seitens der Berliner Polizei offenbar noch nicht erfolgt. Genausowenig hat die Berliner Polizei mir eine Verlustbescheinigung zukommen lassen.

Wer eins und eins zusammenzählen kann, kommt schnell zu dem Schluß, dass es nicht gänzlich unwahrscheinlich ist, dass mein armer Personalausweis sich noch irgendwo im Kompetenzbereich von Frau Dr. Slowik befindet. Offenbar unauffindbar.

Mein Vertrauen in die Hauptstadtpolizei stärkt das nicht. Ob es gänzlich zerstört werden wird, werden die nächsten Tage zeigen.

Für eine Stellungnahme war Frau Dr. Slowik heute vormittag nicht erreichbar. Der – seinen eigenen Ausführungen zufolge ja seit gestern – federführende Kommissar W. ebenfalls nicht. Auch nicht Janine. Niemand, der in der Berliner Polizei seinen hoheitlichen Aufgaben nachgeht. Oder wenigstens nachgehen sollte.

Honi soit qui mal y pense.

Stay tuned.

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