Deutschland 5Uhr30 – Hommage an Chargesheimers „Köln 5Uhr30“

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Eine fotografische Bestandsaufnahme Deutschlands

Am 9. November 1989 haben die Deutsche Demokratische Republik und die Bundesrepublik Deutschland sich mit dem Fall des Eisernen Vorhangs „verlobt“. Die Heirat wurde binnen Jahresfrist vollzogen: seit dem 3. Oktober 1990 sind die beiden Staaten „vermählt“ und führen einen gemeinsamen Namen.

Dieter Röseler lebte im 25. Jahr in dieser Verbindung und hatte das Bedürfnis, zur Silberhochzeit des wieder vereinigten Deutschlands eine fotografische Zwischenbilanz zu ziehen, als er am 9. Novemver 2014 die Arbeit an dieser Werkreihe begann.

Seine Fotografie wird keine Antwort geben können auf Fragen gesellschaftlicher Relevanz, aber mit ihrer Hilfe lassen sich sehr gut Fragen formulieren – oder erst focussieren.

Wo stehen wir in Deutschland?

Woher kommen wir?

Und: wo wollen wir hin?

Chargesheimer, ein Kölner Fotograf, hat bereits vor 50 Jahren eine solche Bestandsaufnahme auf kommunaler Ebene durchgeführt. Die Auseinandersetzung mit dessen gesellschaftskritischer Werkreihe „Köln 5Uhr30“ hat Röseler den Weg gewiesen, das Konzept für sein Projekt zu erarbeiten. Daher widmet er „Deutschland 5Uhr30“ dem heute nur noch wenig bekannten Kölner Bohémien der Nachkriegsjahre. An Chargesheimers Arbeit angelehnt sind die Wahl der Stilmittel (Hoch-)Format, kurze Brennweite, konsequente Schwarzweiß-Fotografie sowie die Abwesenheit von Menschen auf den Fotografien, die Röseler seit dem 25. Jahrestag des Mauerfalls anfertigt. Und weiterhin anfertigen wird. Ebenfalls wie Chargesheimer hält Röseler sich nicht sklavisch an die im Titel genannte Uhrzeit – sie ist lediglich sinnbildliches Kriterium dafür, den deutschen Lebensumraum, unser Umfeld konzentriert betrachten zu können – ohne abgelenkt zu werden von den Gesichtern und Gebärden spielender Kinder, schöner Frauen und/oder mächtiger Männer (gerne auch umgekehrt).

Anders als Chargesheimer jedoch betrachtet Röseler seine Umwelt nicht ausschließlich unter städtebaulichen Aspekten: viele Fotografien des mittlerweile über 1.000 Aufnahmen umfassenden Konvoluts werfen Fragen zu energie-, umwelt- und sozialpolitischen Standpunkten auf. Darüber hinaus stellt er Betrachtungen sowohl zur jüngeren als auch zur älteren Geschichte seines Heimatlandes an. Und vereinzelt kommt er auch nicht umhin, „nur“ die atemberaubende Schönheit eines Augenblicks festzuhalten.

Die Welt – genauer gesagt: seine Welt – gleicht einer guten und gelungenen Schwarzweiß-Fotografie: weder ganz schwarz noch rein weiß. Erst durch Zwischen- und Halbtöne entsteht das gute Lichtbild.

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