#minnsche


Hendrik Neubauer | Schriftsteller und Journalist | am 19. Mai 2018 im Hotel Worpsweder Tor

„[…] Im schönen Mai traf es sich, dass ich bei einem Termin mit Dieter Röseler in Worpswede Einblick nehmen konnte in die Porträt-Basismappe #minnsche. Das Projekt ist noch in der Entwicklung. Aber es machte mir selbst noch mal deutlich, wie erhellend der Blick in die Fotogeschichte für zeitgenössische Fotografen sein kann. Röseler hat sich von August Sanders „Antlitz der Zeit“ inspirieren lassen. Sander hat der Gesellschaft vor hundert Jahren einen Spiegel vorgehalten. Nur #minnsche verharrt nun nicht in einer Hommage an Sander. „Nichts ist Anfang des 21. Jahrhunderts so sicher wie die Unsicherheit”, hat der Kunstkritiker Klaus Honnef in Anbetracht der Arbeit bereits konstatiert. Ja, Unsicherheit spiegelt sich bei der Betrachtung in der Serie #minnsche wider. Unsere Arbeitsplätze und unser Broterwerb sind existenziell für den Einzelnen. Nie war die Vielfalt an Beschäftigungen so groß und unüberschaubar, aber auch noch nie war die Unsicherheit so groß wie heute?! Nur urteilten die Menschen unter den Auswirkungen des 1. Weltkrieges und Wirtschaftskrisen in den 1920er-Jahren nicht genauso? Was droht den Menschen heute – Robotik und Künstliche Intelligenz? Wie sieht die Zukunft der Arbeit aus?

Wie war noch mal die Frage? Hilft den Fotografen der Blick in die Fotogeschichte? Der Blick zurück ist nie Selbstzweck. Und zumindest #minnsche entwickelt auf diesem Weg eine bohrende Fragestellung. Gerade weil die Arbeit sich auf einen Klassiker bezieht und nicht in Epigonentum abdriftet. […]“

Hendrik Neubauer am 13. August 2018 in seiner PROFIFOTO-Kolumne „Ungefragt.“


Blatt 23: Der Kunstkritiker | 19. September 2014 | Köln

„[…] Gerade weil Dieter Röseler den Bezug [zu August Sander] wagt, erhebt sich seine Bilderreihe „#minnsche“ weit über eine Ansammlung großartiger fotografischer Individualporträts. … und erlaubt triftige Einsichten in das Selbstbild einer Gesellschaft, die sich ihrer Selbst nicht mehr sicher ist.“

Kunstkritiker Prof. Klaus Honnef am 6. April 2018 in seiner Einführung zu #minnsche


Dieter Röseler | Foto: Lukas Liese

Der Kölner Lichtbildner Dieter Röseler, Jahrgang 66, ist quasi ein Kind der Bonner Republik. Dort wurde er geprägt, als die 68er mit frischem Mut und Wind den tausendjährigen Muff hinweggefegt hatten. Sein Blick auf seine Mitmenschen ist immer emotional, voller Leidenschaft und Sinnlichkeit. Und voller Haltung.

Und zwar einer weltoffenen, freigeistigen Haltung, die maßgeblich durch den US- Fotografen Lee Friedlander gefestigt wurde. Nicht nur, aber durchaus auch aufgrund dessen Vorliebe für Spiegel-Selbstporträts. Röseler ist ebenso „ene kölsche Jung“ (wenn auch von der „Schääl Sick“) und so gewissermaßen bereits mit der Muttermilch vom großen August Sander beeinflusst. Mit ihm verbindet ihn nicht nur die Liebe zum Rheinland, sondern auch der Hang zu formaler Strenge und handwerklicher Perfektion.

Zwischen diesen beiden Polen malt Röseler. Mit Licht. Authentisch… oder ist es doch inszeniert?