Presse

14. Mai 2019 | PICTORIAL ART BUYERS DIGEST |LIVE-TALK „CHARGESHEIMER WIRD 95“

Am 19.5.2019 jährt sich zum 95sten Mal der Geburtstag des Kölner Fotografen Chargesheimer. Aus diesem Anlass sprechen Philipp J. Bösel (Deutsche Gesellschaft für Photographie) , Markus Schaden (Gründungsdirektor The PhotobookMuseum), Wolfgang Zurborn (Präsidiumsmitglied der Deutschen Fotografischen Akademie) und als Gastgeber Dieter Röseler (Fotograf, laif) über die zu den bedeutendsten deutschen Fotografen der Nachkriegszeit zählende Kölner Legende. Chargesheimer starb im Januar 1972.

Wann: Am 18. Mai um 20h. Wo: auf youtube.com/channel/UC60nb0aYIkwCeBsEio-IzjQ ; Live aus der Lichtblick School Köln- Nippes.


2. Mai 2019 | PROFIFOTO | Live-Talk Chargesheimer wird 95

Am 19. Mai würde der legendäre Kölner Fotograf Chargesheimer 95 Jahre alt. Am Vorabend wollen Philipp J. Bösel (DGPh), Markus Schaden (The Photobook-Museum), Wolfgang Zurborn (DFA­ Präsidium) und als Gastgeber Dieter Röseler ein ebenso unterhaltsames wie kurzweiliges und dennoch informatives Gespräch über den bedeutenden deutschen Fotografen der Nachkriegszeit führen.

„Charges…. – wer?“ ist die einhellige Reaktion, wenn man den Künstlernamen von Karl Heinz Hargesheimer (1924 – 1971/72) außerhalb seiner Fan-Gemeinde erwähnt. Dabei war der zeitlebens mit seiner Heimatstadt eng verbundene Kölner einer der gefragtesten und vielbeschäftigsten Nachkriegsfotografen Deutschlands: so beauftragte Spiegel-Gründer Rudolf Augstein ihn beispielsweise im Vorfeld der Bundestagswahl 1957, ein Porträt von Konrad Adenauer anzufertigen. In der Hoffnung, dass der „Alte“ so gezeigt werde, dass ihm keine dritte Amtszeit als Bundeskanzler vergönnt sei.

Obgleich Augsteins Hoffnung sich nicht erfüllte, war Chargesheimers Adenauer-Bildnis (das dieser im Übrigen autorisierte) eines „in Granit gemeißelten, maskenhaften Antlitz[es]“ in seiner ungeschönten Unmittelbarkeit seiner Zeit weit voraus und stilbildend, genauso wie der Bildband „Im Ruhrgebiet“, den er nur ein Jahr später gemeinsam mit dem späteren Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll vorlegte. Während sich die meisten Honoratioren der Ruhrgebiets-Städte über alle Maßen echauffierten („Der Gelsenkirchener Verkehrsdirektor warf den Autoren Böll und Chargesheimer „pessimistische Voreingenommenheit und beispiellose Einseitigkeit“ vor und konstatierte, die beiden Autoren hätten – „das gilt für Mensch und Landschaft“ – nur „Entartung“ dargestellt.“ Der Spiegel 4/1959, Seite 59), urteilte Karl Korn (Gründungsherausgeber und Ressortleiter Feuilleton der FAZ) in seiner Rezension: „Man fühlt sich mit einem Dante der Kamera konfrontiert.“

Auch mit seinem opus summum „Köln 5Uhr30“ (1970) polarisierte Chargesheimer. Seine vehemente fotografische Kritik an der nach dem Leitbild der „autofreundlichen Stadt“ ausgerichteten Kölner Verkehrspolitik der Sechziger Jahre war wenig zeitgemäß. Der melancholische Abgesang „an ‚seine‘ Stadt Köln, die im Beton zu erstarren drohte“ wurde zwar von photokina-Mitbegründer Prof. L. Fritz Gruber mit einer fulminanten Einzel-Ausstellung geadelt – beim Publikum stieß sie jedoch mehrheitlich auf Unverständnis und Ablehnung.


Heute wird diese Ikone der Fotobücher zu Höchstpreisen gehandelt und seine (und auch Heinrich Bölls) Meinung mehrheitlich geteilt, dass die Kölner Innenstadtschneise „Nord-Süd-Fahrt“ eine Bausünde allererster Güte sei. Die Stadt Köln hat zwar schon 1980 ein Nachwuchs-Stipendium im Bereich Medienkunst nach ihrem couragierten Sohn benannt, übt sich seither jedoch in vornehmer Zurückhaltung.


Weitere Erinnerungen im Öffentlichen Bewusstsein sind ausschließlich auf Privatinitiativen engagierter Bürger zurückzuführen (z. B. Gigi und Paolo Campi, Renate Gruber, Helmut Krumminga mit Wolfgang Niedecken, Heinz-Erich Lambertin et alii der Chargesheimer Gesellschaft, Prof. Christoph und Markus Schaden sowie Wolfgang Vollmer und Eusebius Wirdeier, beide DGPh).


Der Chargesheimer-Jedächtnis-Podcast wird planmäßig auf Dieter Röselers YouTube-Kanal live am Vorabend von Chargesheimers 95. Geburtstag am 18. Mai 2019 ab 20:00 Uhr aus der Lichtblick School in Köln Nippes übertragen.


Das Publikums-Interesse an dieser Veranstaltung ist überraschend groß: die Facebook-Veranstaltung hat bereits am 27. April d. J. (also noch vor Beginn aller PR-Aktivitäten der Projekt-Förderer) 1.366 Personen erreicht. Ein erstes Teaser-Video mit Wolfgang Zurborn und Dieter Röseler ist seit dem 20. April online. Das zweite, in dem Röseler und Philipp J. Bösel beim gemeinsamen Frühstück über Chargesheimer sinnieren, feierte am 27. April Premiere. Das dritte und letzte Teaser-Video schließlich, in dem Röseler auf Markus Schaden trifft, wird eine Woche vor der Veranstaltung am 11. Mai erscheinen.

https://www.youtube.com/channel/UC60nb0aYIkwCeBsEio-IzjQ


10. März 2019 | TKSzeit | „Kunst kommt von Können und Förderung“

KLEINMACHNOW | Der Freundeskreis der Neuen Kammerspiele Kleinmachnow e.V. hat an vier Projekte Fördermittel in Höhe von insgesamt 3.000 € vergeben. […] „Die Besten im Westen – Im Osten nur Kosten?!“, Podcast-Serie von Lichtbildner Dieter Röseler, Kleinmachnow, […] Die Ausschüttung der Fördermittel ist daran gebunden, dass die geförderten Projekte in den Neuen Kammerspielen veranstaltet werden. (Aus Pressemitteilung des Fördervereins der Neuen Kammerspiele Kleinmachnow e.V.) […]


7. März 2019 | Bürgerportal Bergisch Gladbach | „Die Besten im Westen …“ in Kleinmachnow prämiert

27. Februar 2019 | PROFIFOTO | Umfrage: Wohin in der Saison 2019?

Arles, Houston, Zingst… Fotofestivals haben Konjunktur. Ein Blick in den Festivalkalender verlangt nach Orientierung. Wir haben uns unter Fotoprofis umgehört. Das wollten wir wissen:

1) Wohin sollten Fotografiefans 2019 auf jeden Fall reisen?

2) Welche Veranstaltungen kann man sich aus Ihrer Sicht sparen?

3) Mehr Multimedia oder doch lieber White Cube? Was erhoffen Sie sich von den Events?

4) Auf welche Einzelausstellung 2019 freuen Sie sich besonders?


Foto: © Lukas Liese

Dieter Röseler

Fotograf

http://dieter-roeseler.com/deutschland-5uhr30

Wohin sollten Fotografiefans 2019 auf jeden Fall reisen?

„AKT“ lautet meine persönlich pointierte Losung für dieses Jahr.
A wie Arles: Die Mutter aller Fotofestivals, die Les Rencontres de la Photographie, wurde vor 50 Jahren geboren: der Charme und das „savoir vivre“ des historischen Orts am Beginn des Rhône-Deltas im südfranzösischen Midi übt seit jeher eine große Anziehungskraft aus. Sowohl auf die Koryphäen der Branche als auch auf die Liebhaberinnen und Liebhaber der Fotografe als Kunstform. Auch wenn die „guten alten“ Zeiten der Portfolio-Reviews im Innenhof des Hotel d’Arlatan oder am Pool des Hotel du Forum tempi passati sind: Ich kenne keinen anderen Ort auf dieser Welt, an dem eine Herlinde Koelbl und ein Andreas Trampe gleichermaßen und zeitgleich gelöst, entspannt und ansprechbar sind. Um nur zwei unter Vielen zu benennen.
K wie Köln: Die Internationale Photoszene Köln schwimmt sich in diesem Jahr nolens volens erneut frei von ihrer Geburtshelferin, der abdankenden „Weltleitmesse des Bildes“ namens photokina. Das ist nicht nur mutig. In Anbetracht des Schlingerkurses, den die Messeveranstalter letzthin eingeschlagen haben, ist es vor allem (folge)richtig. Wer sich innerhalb Deutschlands ein Bild verschaffen will über die gesamte Bandbreite der zeitgenössischen Fotografe, ist beim Kölner Festival bestens aufgehoben: Nirgendwo sonst zwischen Rhein und Oder werden so divergierende Strömungen und Bildsprachen gezeigt, nirgendwo sonst zwischen Flensburg und der Zugspitze gibt es eine so große Anzahl einzelner Ausstellungen, nirgendwo sonst in diesem unserem Lande wird das Festival von einem so kompetenten und engagierten Team organisiert. Ich bin demütig dankbar, ein kleiner Teil der lebendigen Kölner Fotografieszene sein zu dürfen, die dieses erste aller deutschen Fotofestivals vor Jahrzehnten hervorgebracht hat, und es bis heute jung, frisch und frech hält. Und ja: ein klein wenig stolz bin ich auch darauf.
T wie Tifis: das vergleichsweise junge Fotofestival Kolga Tblisi Photo in der georgischen Hauptstadt geht heuer in die neunte Runde und punktet mit vielen der Reize, die Arles noch Ende der 1980er-Jahre ausmachten. Die Atmosphäre wird von vielen Festivalbesuchern als familiär, authentisch und herzlich auf einem sachlich-fachlich hohen Niveau geschildert – ganz ähnlich wie seinerzeit am noch nicht ganz so überlaufenen Rhône-Ufer zwischen Amphitheater und Place du Forum. Das fotografische Ausstellungsprogramm spannt einen weiten Bogen von klassischen Positionen bis hin zu neuen noch weithin unbekannten Autoren. Und – gleichsam als Sahnehäubchen – obendrauf: „Das Wetter, die Stadt, die Menschen, das Essen: das ist schon was Besonderes!“ lobpreist eine der Festival-Organisatorinnen die weichen Faktoren. In mir als bekennendem Hedonisten wird dadurch die Neugier geweckt. Nachhaltig. Ich werde 2019 zum Kolga-Ersttäter.

Welche Veranstaltungen kann man sich aus Ihrer Sicht sparen?

Das liegt – wie Schönheit auch – im Auge des jeweiligen Betrachters. Und natürlich an dessen persönlichen Vorlieben und Abneigungen: Wer keinen Zugang zu Katzen- und anderen Tierporträts hat, den wird es schwerlich nach Zingst ziehen. Und all diejenigen, für die Krisengebietsfotografe das allein seligmachende Fotografie-Genre ist, dürften die altehrwürdigen Rencontres in Arles als durchaus verzichtbar bewerten – ganz im Gegensatz zur Visa pour l’Image in Perpignan. Das gilt vice versa selbstverständlich genauso. Mein Rat: Wenn dich Festival-Programm UND -Ort anfixen, dann versuche un-be-dingt, dir ein eigenes Bild davon zu machen.

Mehr Multimedia oder doch lieber White Cube? Was erhoffen Sie sich von den Events?

Keines meiner nachhaltig erinnerbaren Ausstellungserlebnisse hat sich in einem White Cube zugetragen. Mein Ausstellungsgeschmack wurde geprägt während der Arles-Festivals 1988 – 1990: durch grandiose audiovisuelle – noch vermittels Carousel-Projektoren – analoge Opulenz-Opern im antiken Amphitheater, durch eine verstörend stille Einzelausstellung des jungen Christian Boltanski in einer romanischen Kapelle und last, but not least durch das Bespielen des mächtigen Steinbruchs von Les Baux mit einem Mix aus gigantisch großen und sehr kleinen Arbeiten. Es muss nicht immer „Multimedia“ sein, aber ein funktionierender Dialog zwischen Kunst und Umraum fängt mich. Immer.

Auf welche Einzelausstellung 2019 freuen Sie sich besonders?

Besonders freue ich mich meine eigene Solo-Show im Rahmen der Internationalen Photoszene Köln: „Deutschland 5Uhr30“ ist nicht nur eine fotografsche Bestandsaufnahme des wiedervereinigten Deutschlands 30 Jahre nach dem Mauerfall, sondern auch eine Hommage an Chargesheimer und dessen Opus magnum „Köln 5Uhr30“. Toll, dass Paolo Campi mir dafür seinen Szene-Club „Chargesheimer – die kunstbar“ zu Füßen des Kölner Doms zur Verfügung stellt. Zur Finissage am 19. Mai werden wir „Chargi“ dort auch anlässlich seines 95. Geburtstages ehren.

[Anmerkung: Einen Tag vor Veröffentlichung der Umfrage hat Dieter Röseler am 26. Februar aus gesundheitlichen Gründen entscheiden müssen, seine Solo-Show im Kölner Szene-Club „Chargesheimer – die kunstbar“ um ein Jahr zu verschieben. Jetzt freut er sich besonders auf die Benjamin-Katz-Ausstellung im Kölner Museum Ludwig vom 7. Juni bis 22. September 2019]

Quelle: PROFIFOTO 3/2019


2. Februar 2019 | Bürgerportal Bergisch Gladbach | Podcast: „Heimweh nach Bensberg“

Quelle: Bürgerportal Bergisch Gladbach


30. Januar 2019 | GL KOMPAKT | Eine Welt – verschiedene Perspektiven

Quelle: GL KOMPAKT


24. Januar 2019 | Bürgerportal Bergisch Gladbach | Philosophie des Sehens: „Ich sehe was, was Du …“

Text: Antje Schlenker-Kortum / Fotos: Helga Niekammer

Quelle: Bürgerportal Bergisch Gladbach


13. August 2018 | PROFIFOTO | „Alte Hüte. Kurze Nabelschau“

 

Ungefragt – Die ProfiFoto-Kolumne von Hendrik Neubauer

Hendrik Neubauer | Schriftsteller und Journalist | am 19. Mai 2018 im Hotel Worpsweder Tor | Exzerpt von #minnsche

[…] Im schönen Mai traf es sich, dass ich bei einem Termin mit Dieter Röseler in Worpswede Einblick nehmen konnte in die Porträt-Basismappe #minnsche. Das Projekt ist noch in der Entwicklung. Aber es machte mir selbst noch mal deutlich, wie erhellend der Blick in die Fotogeschichte für zeitgenössische Fotografen sein kann. Röseler hat sich von August Sanders „Antlitz der Zeit“ inspirieren lassen. Sander hat der Gesellschaft vor hundert Jahren einen Spiegel vorgehalten. Nur #minnsche verharrt nun nicht in einer Hommage an Sander. „Nichts ist Anfang des 21. Jahrhunderts so sicher wie die Unsicherheit”, hat der Kunstkritiker Klaus Honnef in Anbetracht der Arbeit bereits konstatiert. Ja, Unsicherheit spiegelt sich bei der Betrachtung in der Serie #minnsche wider. Unsere Arbeitsplätze und unser Broterwerb sind existenziell für den Einzelnen. Nie war die Vielfalt an Beschäftigungen so groß und unüberschaubar, aber auch noch nie war die Unsicherheit so groß wie heute?! Nur urteilten die Menschen unter den Auswirkungen des 1. Weltkrieges und Wirtschaftskrisen in den 1920er-Jahren nicht genauso? Was droht den Menschen heute – Robotik und Künstliche Intelligenz? Wie sieht die Zukunft der Arbeit aus?

Wie war noch mal die Frage? Hilft den Fotografen der Blick in die Fotogeschichte? Der Blick zurück ist nie Selbstzweck. Und zumindest #minnsche entwickelt auf diesem Weg ein bohrende Fragestellung. Gerade weil die Arbeit sich auf einen Klassiker bezieht und nicht in Epigonentum abdriftet.

So weit erst mal. […]

Quelle: PROFIFOTO


25. April 2018 | PROFIFOTO | #MeToo im Fotostudio

 

Belästigungsskandale in der Fotobranche

Terry Richardson, Bruce Weber, Mario Testino, Patrick Demarchelier. Wer ist der nächste? Die Kette der Vorwürfe sexueller Belästigung in Fotostudios reißt nicht ab. Das Verlagshaus Condé Nast hat jetzt einen Verhaltenscodex für Fotoproduktionen herausgegeben (siehe Kasten). Wir haben uns umgehört, wie Fotografen, Agenturen und Redaktionen mit dem Thema umgehen.

Das wollten wir wissen:

1
Ist ein Verhaltenscodex für professionelle Mode- und Peoplefotografen sinnvoll?
2
Wer für Condé Nast arbeitet, hat jetzt verbindliche Vorgaben zu beachten, werden sich diese branchenweit durchsetzen?
3
Gab es für Sie Situationen, die potenziell problematisch waren?
4
Wie haben Sie sich davor geschützt, in solche Situationen zu kommen?

 

Condé Nast International Verhaltenscodex

Das Medienunternehmen Condé Nast, zu dem unter anderem Publikationen wie Vogue, Glamour und GQ gehören, hat vor dem Hintergrund der in den vergangenen Monaten bekannt gewordenen Vorwürfe sexueller Belästigung in der Modebranche einen verbindlichen Verhaltenskodex für alle Condé-Nast-Mitarbeiter, Partner und Dienstleister veröffentlicht.
Nach dem Verhaltenskodex unterliegen Fotoproduktionen in Zukunft konkreten Vorgaben, die beispielsweise das Mindestalter von Models, Betreuung minderjähriger Models sowie Genehmigung von und Umgang mit Nackt-Motiven beinhalten.
Zu den Richtlinien gehört, dass alle beauftragten Models mindestens 18 Jahre alt sein müssen. Wenn Ausnahmen notwendig sind – beispielsweise, weil Kinder für ein Feature unerlässlich sind – müssen sie von einer von der Agentur gestellten Aufsichtsperson begleitet werden.
Jede Aufnahme, die Nacktheit, durchsichtige Kleidung, Unterwäsche, Bademode, Tiere, simulierten Drogen- oder Alkoholmissbrauch oder sexuell behaftete Posen beinhaltet, muss vorher von der betreffenden Person schriftlich freigegeben werden. Keine der beteiligten Personen eines Shootings darf unter Einfluss von Alkohol oder illegalen Drogen stehen.
An jedem Set muss eine Möglichkeit zum privaten Umkleiden vorhanden sein. Zu keinem Zeitpunkt sollten Models während der Aufnahmen mit einem Fotografen, Make-up-Artisten, Stylisten oder anderen Beteiligten einer Produktion allein gelassen werden.
Wer gegen diese Richtlinien verstößt, wird von Condé Nast nicht mehr beauftragt oder beschäftigt.

[…]

Der Mann im Spiegel | Selbstporträt am 8. März 2018 | Exzerpt von #minnsche

Dieter Röseler, Fotograf, dieter-roeseler.com

 

Ist ein Verhaltenscodex für professionelle Mode- und Peoplefotografen sinnvoll?

Natürlich ist er das. Er sollte sich an den geltenden Gesetzen orientieren wie zum Beispiel bei der „Unzucht mit Abhängigen“; allerdings auch an der Unschuldsvermutung eines Verdächtigen, bis das Gegenteil bewiesen ist.

 

Wer für Condé Nast arbeitet, hat jetzt verbindliche Vorgaben zu beachten, werden sich diese branchenweit durchsetzen?

Der Code of Conduct von Condé Nast ist für den Schutz abhängig Beschäftigter sicher ein Schritt in die richtige Richtung, wenngleich auch dessen Umsetzung die seltsamsten Verhaltensweisen zeitigen wird. So, wie ja jeder halbwegs vernunftbegabte Mann mittlerweile sofort fluchtartig einen Aufzug verlässt – verlassen muss –, sobald eine einzelne Dame die Kabine betritt. Im Zusammenhang mit Condé Nast finde ich jedoch Folgendes sehr viel betrachtenswerter: Der Verlag hat die Zusammenarbeit mit seinem langjährigen, verdienten und renommierten Vertragspartner Bruce Weber einseitig aufgekündigt, bevor ein Urteil gesprochen wurde. Meines Wissens nach sogar, bevor eine Anklage erhoben wurde. Damit spielt sich der Verlag in dieser unseligen Causa zum Richter des Verfahrens auf, liefert eine Vorverurteilung und damit ein faktisches Berufsverbot für Bruce Weber. Das ist, wenn man lediglich den Mechanismus betrachtet, nicht sehr weit entfernt von der mittelalterlichen Hexenjagd; falls überhaupt. Condé Nast wäre zu wünschen, dass niemand mehr für den Verlag arbeitet, bis dieser seine sogenannten Corporate-Governance-Richtlinien wieder deutlich unter das geltende Recht stellt.

 

Gab es für Sie Situationen, die potenziell problematisch waren?

Natürlich gab es die. Nicht selten übrigens. Diese Situationen gibt es immer, wenn jemand, der/die sexuell attraktiv ist, sich im engeren Arbeitsumfeld bewegt.

 

Wie haben Sie sich davor geschützt, in solche Situationen zu kommen?

Mit dem gesunden Menschenverstand. Wenn die Praktikantin eines Kollegen auch nach dem dritten Hinweis im Hochsommer wieder ohne BH zur Arbeit erschien, wurde thematisiert, dass es doch verdammt frisch sei. Mit eindeutig zweideutigem Blick auf die Region ihres Tops, auf der sich sekundäre Geschlechtsmerkmale allzu deutlich unter dem dünnen Stoff abzeichneten.
Manchmal auch gar nicht: Um die Jahrtausendwende ist das Hotelzimmer meiner freiberuflichen Assistentin häufiger als einmal nicht genutzt worden. Was weder der Kunde, noch meine Assistentin, noch ich selbst monierten. Bis heute. Würde die Dame heute jedoch in das #MeToo-Geheul – trotz des seinerzeitigen Einverständnisses für jede einzelne sexuelle Handlung – einstimmen, hätte ich wohl schlechte Karten. Verdammt schlechte.

[…]

Quelle: PROFIFOTO 


17. April 2018 | Prof. Klaus Honnef

Präsentation der #minnsche-Basismappe Porträt

 


5. April 2018 | Prof. Klaus Honnef

Über Psychologie und Porträts

In den Gesichtern großer Porträtdarstellungen wollen Interpreten gerne Regungen der Seele, des Gemüts und der inneren Verfassung der Modelle erkennen. Sie schwelgen in tiefgründigen Auslegungen und bringen das terminologische Instrumentarium der Psychoanalse in Anschlag. Deshalb nennt man Porträts, die einer solchen Sicht Vorschub leisten, auch psychologische Porträts. Ich habe mich immer schwer getan mit dieser Zuschreibung und mich gefragt, ob das, was man schließlich herausfiltert, nicht allein Produkte der eigenen Einbildungskraft sind? Das fabelhafte Porträtprojket „#minnsche“ (für Nicht-Rheinländer: Menschen) von Dieter Röseler konfrontierte mich in den letzten Tagen erneut mit diesem Problem. Der Kölner Fotograf stellt seine Reihe eindrucksvoller Individualporträts ausdrücklich in den Horizont von August Sanders exemplarischem Mappenwerk „Menschen des 20. Jahrhunderts“. Das ist nicht nur intelligent und couragiert, sondern auch anspruchsvoll, provokativ und ästhetisch aufschlussreich. Wie er dies macht – dies herauszufinden war und ist noch meine Aufgabe. Seine Bildnisse sind zweifellos samt und sonders Individualporträts. Die fotografierten Menschen unterscheiden sich deutlich. Doch sind sie auch psycholgische Porträts? Wer will, kann in den Gesichtern alles mögliche hineingeheimnissen. Sie werden mit Sicherheit das zurückgeben, was man in sie hineinprojeziert. Da gibt es auch das schöne Porträt mit dem Titel „Der Kunstkritiker“. Ein älterer Mann lächelt, lässig an eine Bar gelehnt, in die Kamera. Nur der Titel lässt Rückschlüsse auf seinen Beruf zu. Er könnte ebenso irgendein Barbesucher aus der bürgerlichen Mittelschicht sein. Doch die Bar ist geschlossen. Und schon kann ich als Betracher mit allerlei Spekulationen beginnnen.

Blatt 23: Der Kunstkritiker | Exzerpt von #minnsche

Obwohl ich das Modell gut kenne, so gut, wie niemanden sonst auf der Welt, habe ich ihn auf Anhieb nicht wiedererkannt. Und erkenne ihn auch nach mehrfachem intensiven Wiedersehen nicht wieder. Gleichwohl ist es nach meiner Einschätzung ein ausgezeichnetes Porträt. Ist das vielleicht das Geheimnis, dass die Porträtfotografie vor der Folie der Selfiemanie und der Manie des wechselseitigen Fotografierens ihre Stellung im ästhetischen Wettstreit behauptet? Ich habe die Bezeichnung psycholgisch in meinem Text in Anführungszeichen gesetzt. Eigentlich müsste er bei jeder Interpretation von Porträts peinlichst vermieden werden..

Quelle: Facebook

 


 

12. August 2016 | OSTSEE-ZEITUNG

Momentaufnahmen der jüngsten deutschen Geschichte

Der Kölner Fotograf Dieter Röseler zeigt seine Werkreihe „Deutschland 5 Uhr 30“ noch bis zum Ende des Monats im Rahmen einer Sonderausstellung im Dokumentationszentrum Prora.
Der Kölner Fotograf Dieter Röseler zeigt seine Werkreihe „Deutschland 5 Uhr 30“ noch bis zum Ende des Monats im Rahmen einer Sonderausstellung im Dokumentationszentrum Prora. Quelle: Maik Trettin
 

Prora. Morgens, halb zehn in Deutschland, sind alle Menschen fröhlich und beißen – glaubt man der Werbebotschaft eines Süßwarenproduzenten – bei strahlendem Sonnenschein mit einem Lächeln in ihre Waffelschnitten. Solche Werbe-Bilder kann der Kölner Fotograf Dieter Röseler sicher auch produzieren. Aber auch weitaus Spannenderes: Wie es in „Deutschland, 5 Uhr 30“ aussieht, zeigt er in seiner gleichnamigen Ausstellung, die bis zum Ende des Monats im Dokumentationszentrum in Prora zu sehen ist.

Röseler hat 25 Orte fotografiert. Jeder steht für ein Jahr und jeder Ort für eine geschichtliche oder politische Entwicklung im Land. Die Reihe beginnt mit einer Aufnahme von drei Basaltstelen, die in Bad Homburg an das Attentat auf den Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen, im Jahre 1989 erinnern. Die Aufnahme von Köln zeigt das dortige Denkmal der grauen Busse im Jahr 2006, das den zehntausenden kranken sowie geistig und körperlich behinderten Menschen gewidmet ist, die in Deutschland während des Nationalsozialismus ermordet wurden.

Auch Orte in Mecklenburg-Vorpommern hat Röseler fotografiert, um gesellschaftliche Entwicklungen deutlich zu machen. „Macht ihr noch Sex oder golft ihr schon?“, steht auf dem Asphalt der Strandpromenade in Heiligendamm. Im Hintergrund sind die Villen des Badeortes zu erkennen. Ein anderes Bild zeigt die ehemalige Heeresversuchsanstalt in Peenemünde, ein weiteres Bad Kleinen, wo 1993 Polizisten das RAF-Mitglied Birgit Hogefeld festnahmen und Wolfgang Grams schwer verletzten. Ein Polizist wurde bei der Aktion getötet, der RAF-Mann starb später an den Folgen eines Kopfschusses.

Zwei weitere Aufnahmen sind auf Rügen entstanden, das Röseler durch seine Lebensgefährtin kennenlernte, die hier aufwuchs. Sie machte ihn auf den verlassenen Fährtrichter an der Trelleborger Straße in Sassnitz aufmerksam, den der Fotograf als Sinnbild für die Aussetzung des Schengener Abkommens im vergangenen Jahr vor dem Hintergrund des Flüchtlingsansturms einsetzt. Wie die vor mehr als 25 Jahren versprochenen „blühenden Landschaften“ aussehen können, hat Dieter Röseler in Mukran im Bild festgehalten: Er fotografierte den trostlosen und verlassenen Mehrgeschosser im einstigen Hafengebiet, der seinerzeit das Rechenzentrum des Fährkomplexes beherbergte. Dort, erinnert sich die frühere Informatik-Studentin Anke Woyscheszik, stand der modernste Großrechner der DDR.

„Deutschland 5 Uhr 30“ ist menschenleer. Das liegt nicht allein an der Uhrzeit, mit der es Röseler ohnehin nicht so genau nahm („Den größten Teil des Jahres ist es um die Zeit draußen dunkel“). Er folgt damit vor allem der Idee des Kölner Künstlers Chargesheimer, der seine Stadt vor über 40 Jahren auf diese Art und Weise dokumentierte: in hochformatigen, menschenleeren Schwarz-Weiß-Fotografien. Der Betrachter soll sich auf den Ort konzentrieren, die Umgebung auf sich wirken und dabei nicht von Gesichtern ablenken lassen. Wer mit Ort und Jahreszahl allein nicht gleich etwas anzufangen weiß, bekommt von Röseler eine kleine Stütze: Zu jedem Bild gibt es einen kurzen Text.

 

Erfolgreicher Lichtbildner

1966 wurde Dieter Röseler in Köln geboren. Nach einer Fotografenlehre gründete er sein Unternehmen „Lichtbildner Röseler“, war freiberuflicher Fotochef für ein Düsseldorfer Magazin und übernimmt seit 1994 regelmäßige Auftragsarbeiten unter anderem für die Daimler Chrysler AG, die Deutsche Telekom, Vodafone, Volkswagen sowie die Magazine Spiegel, Stern und Focus.

Ende 2014 hat er mit der Werkreihe „Deutschland 5 Uhr 30“ begonnen, inspiriert vom Kölner Fotografen Chargesheimer. Im Herbst vergangenen Jahres wurde die Ausstellung erstmals in der Künstlerkolonie Worpswede und in Köln gezeigt.

Im Dokumentationszentrum in Prora (neben der Diskothek M 3) ist sie bis Ende dieses Monats täglich in der Zeit von 9.30 bis 19 Uhr zu sehen.

Maik Trettin

Quelle: OSTSEE-ZEITUNG


2. Oktober 2015 | WÜMME-ZEITUNG | Szenen einer Ehe

„Deutschland 5 Uhr 30“: Der Kölner Lichtbildner Dieter Röseler dokumentiert fotografisch 25 Jahre Einheit

Undine Zeidler 02.10.2015
Worpswede. Wir feiern Silberhochzeit! Alle zusammen! Für den einen war es die Traumhochzeit schlechthin, für andere eher eine Vernunftsehe, und ein paar weitere fühlten sich zwangsverheiratet, als am 3. Oktober 1990 in Berlin die Freiheitsglocke läutete und die Bundesfahne aufgezogen wurde.

Dieter Röseler zeigt in diesem Monat 25 Fotografien zu 25 Jahren Deutsche Einheit im Hotel Worpsweder Tor. Mit dabei auch dieses Motiv von der Insel Rügen. (Hans-Henning Hasselberg)

 

Ein ungleiches Paar trat da vor den Traualtar der Geschichte, BRD und DDR. 45 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg vereinten sie sich wieder zu einem Land. Und wie das so ist im Leben: Dem Feuerwerk folgt der Alltag. Gleich einem Chronisten bereiste der Kölner Fotograf Dieter Röseler Orte dieser Ehe. Seine Ausstellung „Deutschland 5 Uhr 30“ versteht er als „fotografische Zwischenbilanz“. Er dokumentiert Stationen eines Zusammenlebens, die schönen und die hässlichen.

Vor 25 Jahren flanierten Hunderttausende durch die Berliner Oktobersonne und feierten die Deutsche Einheit. Der schwarze Block marschierte in Kreuzberg. Abends flogen auf dem Alexanderplatz Molotowcocktails. Wasserwerfer fuhren auf. Die Touristen fanden es aufregend, junge Berliner nicht minder. Trotzdem bleibt der heimliche Feiertag der befreiten Herzen der Tag des Mauerfalls, der 9. November 1989. Das macht es mit dieser Silberhochzeit irgendwie noch eigentümlicher. Ist das Land überhaupt so zusammengewachsen wie es sich gibt? Was macht diese vergangenen gemeinsamen Jahre aus? Wo will das Land hin?

Dieter Röseler spürte mit seiner Kamera diesen Fragen nach. Seine Motivauswahl gibt Denkanstöße. Dabei schlief der Kölner in der Badewanne als Tausende Ostberliner im November ’89 durch die engen Tore der Grenzübergänge nach Westen quollen. Er schlief, als der Kurfürstendamm von Trabants zugeknattert und zugenebelt wurde und „Wahnsinn“ das Wort der Nacht war. Elf Monate später, als in Berlin der sprichwörtliche Bär steppte, hatte er gerade die Gesellenprüfung gemacht und betreute Kunden auf der Kölner Messe Fotokina.

Das mit der Einheit hat der Kölner später doch noch hinbekommen. Er lebt in einer „gesamtdeutschen Partnerschaft“, wie er sagt. Seine Gefährtin wuchs auf der Insel Rügen auf. Und: „Ohne die Deutsche Einheit hätten wir uns nie kennengelernt.“ Seit sechs oder sieben Jahren geisterte ihm das Thema Einheit dann schon durch den Kopf. „Fotografisch fassbar“ wollte er sie machen. So richtig zufrieden war er mit seinen Ansätzen nicht. Das sollte sich ändern, als im vergangenen Jahr an dem Gemeinschaftsprojekt „Chargesheimer Reloaded“ teilnahm und seine Bilder in das gleichnamige Buch aufgenommen wurden.

[…] Carl Heinz Hargesheimer, der seinen Namen zusammenzog, hat mit seiner letzten Arbeit „Köln 5 Uhr 30“ vor seinem Tod um die Jahreswende 1971/72 die Blickrichtung vorgegeben, mit der Röseler heute auf das ganz Land blickt: schwarz-weiße Hochformate, aufgenommen mit einer feste Brennweite – und vor allem kein Mensch weit und breit.

Das Werk gilt als kritische Bestandsaufnahme Kölns zu Beginn der 70er-Jahre, „eine melancholischen Abgesang an seine Stadt, die im Beton zu erstarren drohte“, wie es der Katalog zu einer großen Chargesheimer-Retrospektive im Museum Ludwig 2007 formulierte. Als Röseler im vergangen Jahr die Bilder wieder sah, machte es bei ihm noch einmal „Klick“: „Nächstes Jahr ist Silberhochzeit“, sagte er sich und überlegte, diesen Ansatz „hochzubrechen“. Warum sollte nicht für ein Land funktionieren, was in Köln ging.

Stilistisch bleibt der Lichtbildner Röseler seinem Vorbild Chargesheimer treu. Die Uhrzeit 5.30 Uhr versteht er wie dieser eher metaphorisch als die „Niemandszeit zwischen Tag und Nacht“. Eine Zeit, zu der Berlin am 3. Oktober 1990 eine kurze kalte Nacht lang schlief zwischen Freudentaumel und Feuerwerk um Mitternacht und Einheitsfeier am Tag.

Inhaltlich geht Röseler über das Städtebauliche Chargesheimers hinaus. Für jedes Jahr der gesamtdeutschen Geschichte wählte er einen symbolträchtigen Ort aus. Sie spiegeln zugleich das Ringen eines Mannes mit der eigenen Haltung. Spätestens seit dem Fußball-Sommermärchen 2006 wäre er gerne Patriot und zugleich echauffiert er sich über selbstgefällige, arrogante Politiker im Umgang mit Griechenland, über den „moralischen Niedergang der politischen Klassen überhaupt“, über Landesverratsvorwürfe gegen Journalisten oder, dass es Obdachlosenlager geben muss. 260 Aufnahmen hat Röseler bereits zusammengetragen. Fünf Bundesländer stehen noch aus.

Einige Motive wirken atemberaubend, schön oder gar verträumt, wie der Kölner Dom, Schloss Neuschwanstein oder das Bergische Land im „fetten“ Morgennebel mit Sonne. „Kein schöner Land in dieser Zeit“, summte da in seinem Kopf. Ein Lied, das auf beiden Seiten der Mauer gesungen wurde. So zeigt sich Deutschland gerne seinen Besuchern.

Andere Ortsnamen stehen für die andere Seite dieses geeinten Deutschlands: Rostock-Lichtenhagen, das Sonnenblumenhaus. Im August 1992 bewarf ein Mob vier Tage lang die Aufnahmestelle für Asylbewerber und ein Wohnheim für Vietnamesen. Tausende Schaulustige johlten und klatschten Beifall. Selbst in Ägypten kam man als Deutscher da in Erklärungsnot. Oder Bad Kleinen. 1993 erlebte der verschlafene Bahnhof in Mecklenburg-Vorpommern, wie 98 GSG-9-Leute zwei RAF-Terroristen schnappten. Oder Solingen. Dort zeigt Röseler die Baulücke, „wo bis 1993 das Haus der türkischen Familie Genç stand“.

Ein anderer Schmerzort soll in Röselers Projekt nicht fehlen: Heidenau. Zu DDR-Zeiten ein grauer Industrieort. Fabrik an Fabrik. In ihnen arbeiteten neben Sachsen Gastarbeiter aus Vietnam, Angola oder Algerien. „Fidschis“ und „Alis“ hießen sie. Gruselgeschichten über Messerstechereien raunten sich die Leute zu. Und trotzdem, wer im Mangelland DDR eine schicke Jeans haben wollte, ging in eines der Wohnheime und ließ sich von Vietnamesen für wenig Geld eine nähen. Nach der Wiedervereinigung verschwanden die Fabriken, die meisten der Arbeitsmigranten auch.

Dieter Röseler zeichnet das Bild eines Landes im Wandel. Neben der Ausstellung in Worpswede und einer zeitgleichen Parallelausstellung in Köln soll daraus ein Buch werden. Jeweils mit einem Zitat versehen hat dieses Projekt das Zeug zu einem fotografischen Geschichtsbuch und zu einem Silberhochzeits-Fazit. Nach elf Reisemonaten resümiert Röseler: „Ja, es ist ein Land, aber es wird noch sehr viel länger dauern, bis zusammengewachsen ist, was zusammen gehört“, wie es Willy Brandt im November 1989 beschwor. Für seine Generation sieht der 1966 geborene Dieter Röseler dieses Ziel noch nicht erreicht. Eines dürfte ihm mit seiner Fototour hingegen allemal gelungen sein. Er hat mehr Orte in Deutschland bereist, als der gewöhnliche Bundesbürger es wohl tut. Die Ostler zog es nach der Wende zuhauf in die Welt hinaus. Das lang ersehnte und für immer unerreichbar geglaubte Ägypten lag 1990 einfach viel näher als Neuschwanstein – und das ist bis heute so.

Die Foto-Ausstellung „Deutschland 5.30 Uhr“ von Dieter Röseler ist im Hotel Worpsweder Tor, Findorffstraße 3 in Worpswede, noch bis zum 31. Oktober zu sehen. Zeitgleich zeigt die Galerie Lichtblick, Steinberger Straße 21 in Köln, unter demselben Titel eine zweite Auswahl von jeweils 25 Fotografien. Abzüge sämtlicher Motive beider Ausstellungen sind über die Galerie zu bestellen, Preis pro Blatt: 400 Euro.

Zahlreiche Hintergrundinformationen zu diesem Projekt und dem Künstler bietet zudem die Internet-Präsenz dieter-roeseler.com. Dort gibt es auch Adressen, um mit Dieter Röseler direkt in Kontakt zu treten.

Quelle: WÜMME-ZEITUNG


3. September 2015 | galerie lichtblick – Köln

Deutschland 5Uhr30

„Deutschland 5 Uhr 30“ – Dieter Röselers Hommage an den großen Kölner Nachkriegsfotografen Chargesheimer und an sein opus magnum „Köln 5 Uhr 30“ anlässlich der Silberhochzeit beider deutscher Teilstaaten am 3. Oktober 2015


2015, Rügen

Begonnen hat alles am 9. August 2014 mit der frühmorgendlichen Anfertigung eines Architektur–Lichtbildwerkes einer Industriebrache im Kölner Arbeiterviertel Mülheim. Röselers „Mutter aller #d5h30-Bilder“ folgt dem Gestaltungskanon, den Universalkünstler Chargesheimer (1924–1972) schon 45 Jahre zuvor seinem „Köln 5 Uhr 30“ verordnet hatte: Hochformat | Schwarzweiß | kurze Brennweite | menschenleer.

In den folgenden Monaten reift die Idee heran, im 25. Jahr des wiedervereinigten Deutschlands des Lichtbildners physisches und psychisches Heimatland einer fotografischen Bestandsaufnahme zu unterziehen; eine Zwischenbilanz, „DEM DEUTSCHEN VOLKE“ sozusagen als Geschenk zur Silberhochzeit.


2011, Bergisch Gladbach

Das Konvolut „Silber-Edition“ besteht aus je einem „Vergangenheits-Ort“ sowie einem erklärenden Kurz-Zitat pro Jahr der wiedererlangten Einheit; es ist eine zwar dokumentarische, aber dennoch hoch emotionale Achterbahnfahrt in unsere jüngere deutsche Vergangenheit: vom verstörenden RAF-Mord am philanthropischen Deutsche-Bank-Vorstandssprecher Alfred Herrhausen über die migrantenfeindlichen Pogrome in Rostock-Lichtenhagen bis hin zur bisher unbefristeten Aussetzung des Schengener Abkommens seitens der Bundesrepublik Deutschland.

„Das nackte Bild eines Landes – Umwelt und Heimat seiner Einwohner – soll transparent werden, quasi ein Röntgenbild zur Diagnose. Die Summe und Vielfalt menschlicher Einzelschicksale – um die es in letzter Absicht hier dennoch geht – sind optisch ausgeklammert.“, zitiert Röseler leicht abgewandelt zwei Sätze aus Chargesheimers Vorwort zu „Köln 5 Uhr 30“, um sein Anliegen und seine Triebfeder zu verdeutlichen.


1990, Naturpark Bergisches Land

Quelle: galerie lichtblick


28. Juli 2015 | Image and View – Photographie. Visuelle Kultur.

Deutschland 5 Uhr 30

Bilder in kühler Abstraktion. Düster-dramatisches Licht; Orte, die gelegentlich spektakulär und bisweilen eher unscheinbar sind. Bilder ohne Menschen. Das ist Deutschland 5 Uhr 30, ein tiefgründiges Projekt des Lichtbildners Dieter Röseler – seine Referenz und Hommage an einen anderen großen Fotografen aus der gemeinsamen Heimatstadt am Rhein: »Ich habe keinen Vornamen« Chargesheimer, dessen 5 Uhr 30- Fotografien Bestandsaufnahme und sperrige Liebeserklärung an »seine« Stadt Köln waren.

Die melancholischen Bilder von Dieter Röseler sind Notizen, die sich nicht auf eine Stadt konzentrieren, sie lassen auf ein ganzes Land blicken. Ein »Verstehen auf den ersten Blick« ist unmöglich, man muss sich auf diese Notizen einlassen und sich visuell einlesen, sich der Nachdenklichkeit öffnen. Als »Bestandsaufnahme« deutscher Gegenwart setzen die mittlerweile über 260 Fotografien in ihrem sehr speziellen Zusammenklang zugleich Bezugspunkte zu Vergangenheit und zum Kulturerbe des Landes; sie zeigen in ihrer dunklen Wuchtigkeit individuelle Perspektiven und nachdenkliche Lehrstücke – über vergessene, mitunter verdrängte und unbekanntere Geschichte(n), über Umweltzerstörung und Kommerz, Zersiedlung und Verfall, über Einsamkeit und verrinnende Zeit.

So divergierende Orte wie das Worringer Schlachtfeld, das Bayer-Kreuz in Leverkusen, Rostock-Lichtenhagen, das Ostseebad Prora oder das »Märchenschloss« Neuschwanstein Ludwig II. von Bayern bilden den Rahmen für eine Erkundungsreise durch gesamtdeutsche Befindlichkeiten. Dieter Röselers Stationen sind Abbilder und Verortung gescheiterter Politik, verlorener Unschuld und Schilderungen von Traumata deutscher Geschichte: Drittes Reich, RAF und Stuttgart21. Anlässlich der »Silberhochzeit« beider lange getrennten Hälften Deutschlands konzipiert und umgesetzt, klingen in den visuellen Erzählungen des Lichtbildners Röseler über sein Heimatland auch literarische Bezüge an, die an Heinrich Böll, Siegfried Lenz oder Günther Grass erinnern.

Ohne Überschwänglichkeit und Schwärmerei, ohne überzogenes Pathos sind die Fotografien des Projekts »Deutschland 5 Uhr 30« stille Betrachtungen des Landes und seiner Gegenwart. Aus ihnen spricht spürbares Unbehagen, in ihnen wird der besorgte Blick des fotografischen Forschers und Chronisten Dieter Röseler erkennbar: hier wurde keine Traumehe geschlossen, bestenfalls eine Vernunftehe.

Projektbegleitend wird vom arthellweg verlag eine limitierte Edition herausgegeben, die am 30. September 2015 in der Künstlerkolonie Worpswede präsentiert wird. 25 Motive der Serie sind als Einzelblätter, kleine Werkgruppen oder Komplettausgabe erhältlich. Mehr Informationen dazu hier.

»Deutschland 5 Uhr 30« ist als Preview-Ausstellung vom 2. – 31.10.2015 in der Künstlerkolonie Worpswede, Hotel Worpsweder Tor, zu sehen. Hier gibt’s weitere Infos zur Ausstellung.

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Fotos: ©Dieter Röseler – aus der Serie »Deutschland 5 Uhr 30«

Quelle: Image and View – Photographie. Visuelle Kultur.