8. Dezember 2018: „Es war mir eine Ehre.“

Mit diesen Worten beendete Bundeskanzlerin Angela Merkel gestern in Hamburg ihre über 18 lange Jahre währende Regentschaft als Bundesvorsitzende der CDU.

In ihrer Abschiedsrede ist Raum für Demut. Für Dankbarkeit und sogar für augenzwinkernden Humor. Vor allem aber für Würde.

Dies ist eine weitere ihrer zumindest in diesem Jahrtausend singulären – und hoffentlich stilbildenden – Leistungen: der (gerade noch) rechtzeitige Rückzug in Würde aus einem hohen politischen Amt. 

Genauso viel Respekt nötigt mir ab, dass sie alles in ihrer Macht Stehende unternommen hat, die Frage ihrer Nachfolge dazu zu nutzen, innerhalb ihrer Partei mehr Demokratie zu wagen, um einen sozialdemokratischen Claim aus den frühen Siebzigern des letzten Jahrhunderts zu bemühen.

Dass sich mindestens zwei der drei Bewerber um den Parteivorsitz während ihrer gemeinsamen Regionalkonferenzen-Ochsentour durch die Republik „fast wie eine Rockband“ fühlten, spricht zwar nicht gerade dafür, dass diese mit den Usancen im Musikantengewerbe vertraut sind, lässt jedoch im Umkehrschluss die Hoffnung auf eine gesunde Selbstironie der Protagonisten aufkeimen.

Der Foto-Finish im zweiten Wahlgang von 51,75% Zustimmung für Merkels Mädchen AKK verdeutlicht, dass es keine klare Linie innerhalb der Union gibt. Die Freunde des Bewahrens haben nur eine hauchdünne Mehrheit vor jenen des Neuanfangs. Friedrich Merz verzichtete darauf, sich allzu sehr einbinden zu lassen. Er schaut sich die weiteren Entwicklungen vorerst lieber vom Spielfeldrand aus an.

Wenn AKK bei den nächsten Wahlen nicht umgehend liefern kann, bleibt er dort – und nur dort – möglichst unbeschädigt. Seine Nehmerqualitäten auf dem bundespolitischen Parkett waren nie sonderlich ausgeprägt.

Es bleibt – Vorsicht: BILLIGER Kalauer – spahnend.

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