9. Juli 2019: Mit und ohne Klimanotstand in die Sommerpause

Landauf, landab fanden heute die letzten Rats-Sitzungen vor der Sommerpause statt. Der Rat der Stadt Köln folgt dem Beispiel der Stadträte von Münster, Bochum, Aachen, Herne, Herford, Lippstadt, Kleve, Meerbusch und vielen mehr, nachdem im Mai Tönisvorst als erste Gemeinde Nordrhein-Westfalens den Klimanotstand ausgerufen hatte.

Schloß Bensberg – eins der Wahrzeichen Bergisch Gladbachs

Der Rat der Stadt Bergisch Gladbach hingegen hat die Frage in den zuständigen Fachausschuß verwiesen. „Das sieht unsere Geschäftsordnung so vor.“, kommentiert Bürgermeister Lutz Urbach die Entscheidung.

Nicht nur die AktivistInnen der „Fridays for Future“-Bewegung betrachten die seit den Europawahlen einsetzende Schwemme der ausgerufenen Klimanotstände skeptisch. So schreibt die Stadtratsfraktion der Linken mit der Bürgerpartei GL unter der Überschrift „Klimanotstand ohne Maßnahmen sinnlos“ im Bergisch Gladbacher Bürgerportal:

„Die Bürger werden bewusst getäuscht von solchen Scheinaktivitäten der großen Parteien. Wenn die Grünen tatenlos zusehen wie Stadt weiter den Feinstaub mit den neu bestellten Diesel LKW in die Luft bläst, dann haben wir im Rat keine echten Grünen mehr sitzen. […] In den letzten Jahren sind so gut wie alle Anträge in Sachen Umweltschutz und erneuerbare Energien […] von CDU und co. abgeschmettert worden. Jetzt – da es plötzlich „en vouge“ ist und politisch in die Landschaft passt – möchten die großen Parteien die Umwelt, die sie mit zerstört haben, zumindest lesbar auf dem Papier geschützt wissen. Konkrete Maßnahmen hierzu oder ein Umdenken in den Köpfen der großen Koalition blieben bisher aus.“

Nicht wenig spricht dafür, dass die Strategen in den ehemaligen Volksparteien CDU und SPD ihre Haltung des Ignorierens, die sie bis zur Europawahl sowohl im Hinblick auf die §13-Proteste als auch im Hinblick auf die „Fridays for Future“-Bewegung praktiziert haben, nun durch Aktionismus ersetzt haben. Blinden und konsequenzfreien Aktionismus, denn das Suffix Notstand im Sommermodewort Klimanotstand ist irreführend: weder wird mit dessen Ausrufung ein einziges geltendes Recht außer Kraft gesetzt, noch wird mit einem klaren Notfallplan interveniert. Es ist schlicht eine unverbindliche Willenserklärung. Nicht mehr. Allerdings auch nicht weniger.

Das allein ist nach wenigen Monaten konsequenter dezentraler und bundesweiter „Fridays for Future“-Streiks ein Etappensieg für die politisierte Jugend in diesem unserem Lande. Ebenso wie das Trittbrettfahren von Bundesaußenminister Heiko Maas, der es laut Berliner Tagesspiegel gerne sähe, wenn die BürgerInnen Deutschlands nach dem feigen Mordanschlag auf den Kasseler Regierungspräsidenten Lübcke nun – auch auffallend alliterativ – einen „Donnerstag der Demokratie“ ausriefen, damit die Bundesregierung aktiv gegen rechtsextreme Strömungen aktiv werden könne.

CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer nach der Vorstands- und Präsidiums-Klausurtagung am 3. Juni 2019 in Berlin

Im Lichte der bisherigen Ergebnisse des Klimakabinetts, der kopflosen Reaktionen der CDU-Bundesvorsitzenden kurz vor und nach der Europawahl sowie des seither über die Lande fegenden Klimanotstand-Tsunamis scheint die Entscheidung der Kölner „Fridays for Future“-Ortsgruppe nur folgerichtig: sie befindet sich seit Anfang der Woche im fünftägigen Dauerstreik auf der Domplatte und vor dem Kölner Rathaus. Und sie wollen auch während ihrer Sommerferien jeden Freitag weiter für ihre Belange demonstrieren.

2019 | Köln | Fridays For Future | „Wenn Freitage nicht reichen, streiken wir die ganze Woche! #dauerstreik #weekforfuture“ Transparent der FFF-Ortsgruppe Köln auf dem Alter Markt | Exzerpt von „Deutschland 5 Uhr 30 – #d5h30“ – Hommage an Chargesheimers „Köln 5 Uhr 30“

Gut so!

Dr. Uwe Boll: Ex-Regisseur und Produzent, jetzt Gastronom und Politiker

In drei Tagen, am Freitag, den 12. Juli, meldet sich „Raging Boll“ zu Wort: in Podcast-Episode 14 rechnet der gebürtige Wermelskirchener und frischgebackene Sprecher der jungen Partei DHD (Das Haus Deutschland) mit den federführenden Vertreterinnen und Vertretern des politischen Establishments ab und erläutert seine Sicht auf die Lage der Nation. Wie nicht anders zu erwarten, nimmt der promovierte Literaturwissenschaftler auch in diesem Gespräch kein Blatt vor den Mund. Save the date & staaaay tuuuned!


©2019 für Text- und Bildbeiträge (soweit nicht anders angegeben): Dieter Röseler – alle Rechte vorbehalten.

26. Mai 2019 – 16Uhr20: Wahlprognose

Vergleicht man die Zahlen der letzten Sonntagsfrage mit dem Wahlergebnis 2004, fällt auf, dass die ehemaligen Volksparteien der Union und die SPD seither nahezu einem gesamten Drittel ihrer einstigen Wählerschaft verlustig gegangen sind. Nachhaltig.

Geht man dazu über, die aktuelle Sonntagsfrage mit jener vom 25. Oktober des Vorjahres zu vergleichen, ist zu vermelden, dass die Parteien der jeweiligen Ränder in den letzten sieben Monaten fast ein Viertel an Zuspruch und Rückhalt verloren haben.

Im gleichen Zeitraum haben die sogenannten „Sonstigen“ um weit über 300 Prozent zugelegt.

Der Zeitraum der Befragungen für die aktuelle Sonntagsfrage erstreckte sich über eine gesamte Woche und endete Donnerstag. Nur sehr kurz, nachdem die Wahlkampf-StrategInnen der Union aus ihrer tagelangen Schock-Starre erwachten und das private Wahlkampf-Video des YouTubers Rezo zunächst diskreditierten, dann „den ältesten 26-Jährigen der Welt“ vor die hauseigenen Kameras der Unionszentrale zitierten, nur um das fertig produzierte Video schließlich von AKK kassieren und in der Versenkung verschwinden zu lassen. Noch bevor es das Licht der Öffentlichkeit erblicken durfte.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Rezos Kampfansage „nur“ 5 Millionen Aufrufe. Jetzt, gute eineinhalb Stunden vor Schließung der Wahl-Lokale sind es bereits 11.219.474 (in Worten: Elf Millionen zweihundertneunzehntausendvierhundertundvierundsiebzig). Hinzu kommen 2.819.697 Aufrufe des Statements von 90+ YouTuberinnen, das postwendend vor zwei Tagen veröffentlicht worden ist.

Wetten, dass die Wahlbeteiligung bei den 18- bis 29-Jährigen heute so hoch wie noch nie sein wird? Und: wetten, dass die „Sonstigen“ noch ein paar Bonus-Prozente mehr dank dieses mehr oder weniger weitsichtigen Unions-Krisenmanagements abgreifen werden?!

24. Mai 2019: Autogrammstunde

High Noon im Ristorante Pizzeria Italia

Punkt 12 Uhr treffen sich die beiden Bergisch Gladbacher Sportskanonen Sergej Ivanovic Wotschel und Alex Sulzer. Bei strahlendstem Sonnenschein. Erneut – wie schon am Vorabend des 1. Mai – auf Bruno Valentinos Terrasse.

Der sympathisch-unprätentiöse Profi-Eishockeyspieler hatte im Verlauf der Benefiz-Veranstaltung „Kindern Flügel Verleihen“ großes Interesse an Sergejs Europameister-Boxhandschuhen geäußert.

Bei diesem etwas anderen Tanz in den Mai, den Bensbergs graue Charity-Eminenz Eddi Stoffel in enger Zusammenarbeit mit dem Ristorante Pizzeria Italia veranstalt, finden seit vier Jahren AusnahmesportlerInnen wie Sergej und Alex, HonoratiorInnen der Stadt wie Bürgermeister Lutz Urbach nebst Familie und SPD-Bergisch Gladbachs Geschäftsführerin und Pressesprecherin Vera Werdes, UnternehmensvertreterInnen wie Kurt Wagner vom Althoff Grandhotel und Georg Daubenbüchel (Vorstand der IBH) sowie einfache BürgerInnen wie Katja Willnow und des Boxers Manager Oliver Kirsch (ebenfalls mit Gattin Anke, Tochter Luna sowie Kegel) in Bruno Valentinos gemütlichen Gasträumen zusammen:

Vordergründig zu einem erlesenen 3-Gänge-Menu aus Bensbergs bester italienischer Küche. Auf einer zweiten – der gesellschaftlich relevanten – Ebene geht es jedoch vorrangig darum, dringend benötigte Gelder für das Kinderheim einzuwerben.

Sulzers erstes Gebot für die Boxhandschuhe war generös, so dass der Deal schnell besiegelt war und man sich für heute zur Autogrammstunde verabredete. Nur gut, dass Sergej seine Gewinner-Handschuhe nicht schon im Vorfeld signiert hatte, denn so konnte mit einem kurzen Abstecher zum Fachgeschäft Neikes noch Sulzers Wunsch berücksichtigt werden, die Boxer-Signaturen in silbernem Lackstift zu erhalten.

Den Kaufpreis spendet Sergej selbstverständlich ebenfalls einem Guten Zweck. Vorbildlich.

Das Dorfleben ist schön.

15. Mai 2019: BREAKING (Podcast-)News

Home is where the Dom is

Zutiefst geehrt, demütig dankbar und höchstgradig motiviert haben wir heute die große Freude, einen neuen institutionellen „Die Besten …“-Produzenten begrüßen zu dürfen:

Das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen unterstützt den Chargesheimer-Jedächtnis-Podcast, der kommenden Samstag, den 18. Mai 2019 ab 20 Uhr LIVE aus der Lichtblick School in Köln-Nippes übertragen wird, ebenfalls.

Und zwar mit einem „Heimatscheck“, einem kulturellen Förder-Programm, das erst im letzten Jahr von der neuen schwarz-gelben Landesregierung aufgesetzt wurde.

Unser ganz besonderer Dank gilt an dieser Stelle dem für die Bearbeitung von Heimatscheck-Förderanträgen zuständigen Dezernat 35.3 bei der Bezirksregierung Köln, dessen gute Seelen es geschafft haben, die reguläre Bearbeitungszeit in diesem besonderen Fall zu halbieren. Ganz ohne jedes „Fitzli-Fatzli“. Unbürokratisch. Bürgernah. Toll!

Last but not least: DANKE für diese großartige Unterstützung – sie ist Ehre und Verpflichtung gleichermaßen!!!

9. Mai 2019: Besonders empfindlich

Neue Kammerspiele Kleinmachnow: Katrin Göring-Eckardt steht Rede und Antwort

Die als „Gespräch mit Kulturschaffenden aus Kleinmachnow“ angekündigte öffentliche Podiumsdiskussion im Kleinen Saal der altehrwürdigen kulturellen Institution im südwestlichen Speckgürtel Berlins zieht am gestrigen Abend des 74. Jahrestages der bedingungslosen Kapitulation Nazi-Deutschlands weite Kreise.

Während im Großen Saal – zur Feier der Befreiung bei freiem Eintritt – der große Bruno Ganz Adolf Hitler in „Der Untergang“ gibt, plaudert der realpolitisch-wertkonservative große Bindestrich der Bündnisgrünen unter der Moderation von Alexandra Pichl im Gespräch mit den drei Kleinmachnower Kulturschaffenden Rainer Ehrt, Christiane Heinke und Carolin Huder aus dem Nähkästchen. Direkt nach der Vorstellungsrunde geht die langjährige kulturpolitische Sprecherin ihrer Partei in globalpolitische medias res:

Katrin Göring-Eckardt

„Wenn wir uns anschauen, was in China gerade passiert – wir haben in Potsdam letzte Woche Fraktionsklausur gehabt und haben uns mit China beschäftigt … und ich weiß nicht, ob ich da als Ossi so besonders empfindlich bin, aber wenn man „social screening“ kriegt, wenn man Punkte für Wohlverhalten kriegt, und wenn der Staat sich diese Punkte anguckt, und dann überlegt, in welcher Art und Weise man eigentlich drankommt bei der Wohnungssuche, beim Arzt oder bei irgendwas… , dann muß ich sagen: „Da wird mir wirklich ganz anders.“ „

Es schließt sich ein nachdenklicher Blick auf Europa an:

Wir woll’n Dich hier nicht mehr! Bitte such‘ Dir doch mal ’nen anderen Job. Du bist zu liberal – Du bist uns zu freiheitlich. Du bist uns zu offendenkend. Das woll’n wir nicht mehr haben.“, zitiert die in Thüringen aufgewachsene Tochter eines Tanzlehrerehepaars einen nicht näher benannten österreichischen Regierungsvertreter, um mit der rhetorischen Frage zu schließen:

„Wo leben wir hier eigentlich?“

In einem Land, führt Carolin Huder (geschäftsführende Vorständin der Neuen Kammerspiele) aus, in dem allein schon der Antrag auf eine Kulturprojekt-Förderung nach dem europäischen Erasmus-Programm 81 (in Worten: einundachtzig) Seiten umfasst.

Carolin Huder im Podcast-Gespräch mit Dieter Röseler

Weitere wirklichkeitsfremde Narreteien aus der europäischen, bundes- und landespolitischen Kulturpolitik gibt Caro ab dem 12. Juli in der 16. Episode von „Die Besten …“ preis. Für jedermann. Staaaaay tuuuuuned!

4. Mai 2019: Chargesheimer-Jedächtnis-Podcast

PROFIFOTO berichtet:

2. Mai 2019 

Am 19. Mai würde der legendäre Kölner Fotograf Chargesheimer 95 Jahre alt. Am Vorabend wollen Philipp J. Bösel (DGPh), Markus Schaden (The Photobook-Museum), Wolfgang Zurborn (DFA­ Präsidium) und als Gastgeber Dieter Röseler ein ebenso unterhaltsames wie kurzweiliges und dennoch informatives Gespräch über den bedeutenden deutschen Fotografen der Nachkriegszeit führen.

„Charges…. – wer?“ ist die einhellige Reaktion, wenn man den Künstlernamen von Karl Heinz Hargesheimer (1924 – 1971/72) außerhalb seiner Fan-Gemeinde erwähnt. Dabei war der zeitlebens mit seiner Heimatstadt eng verbundene Kölner einer der gefragtesten und vielbeschäftigsten Nachkriegsfotografen Deutschlands: so beauftragte Spiegel-Gründer Rudolf Augstein ihn beispielsweise im Vorfeld der Bundestagswahl 1957, ein Porträt von Konrad Adenauer anzufertigen. In der Hoffnung, dass der „Alte“ so gezeigt werde, dass ihm keine dritte Amtszeit als Bundeskanzler vergönnt sei.

Obgleich Augsteins Hoffnung sich nicht erfüllte, war Chargesheimers Adenauer-Bildnis (das dieser im Übrigen autorisierte) eines „in Granit gemeißelten, maskenhaften Antlitz[es]“ in seiner ungeschönten Unmittelbarkeit seiner Zeit weit voraus und stilbildend, genauso wie der Bildband „Im Ruhrgebiet“, den er nur ein Jahr später gemeinsam mit dem späteren Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll vorlegte. Während sich die meisten Honoratioren der Ruhrgebiets-Städte über alle Maßen echauffierten („Der Gelsenkirchener Verkehrsdirektor warf den Autoren Böll und Chargesheimer „pessimistische Voreingenommenheit und beispiellose Einseitigkeit“ vor und konstatierte, die beiden Autoren hätten – „das gilt für Mensch und Landschaft“ – nur „Entartung“ dargestellt.“ Der Spiegel 4/1959, Seite 59), urteilte Karl Korn (Gründungsherausgeber und Ressortleiter Feuilleton der FAZ) in seiner Rezension: „Man fühlt sich mit einem Dante der Kamera konfrontiert.“

Auch mit seinem opus summum „Köln 5Uhr30“ (1970) polarisierte Chargesheimer. Seine vehemente fotografische Kritik an der nach dem Leitbild der „autofreundlichen Stadt“ ausgerichteten Kölner Verkehrspolitik der Sechziger Jahre war wenig zeitgemäß. Der melancholische Abgesang „an ‚seine‘ Stadt Köln, die im Beton zu erstarren drohte“ wurde zwar von photokina-Mitbegründer Prof. L. Fritz Gruber mit einer fulminanten Einzel-Ausstellung geadelt – beim Publikum stieß sie jedoch mehrheitlich auf Unverständnis und Ablehnung.


Heute wird diese Ikone der Fotobücher zu Höchstpreisen gehandelt und seine (und auch Heinrich Bölls) Meinung mehrheitlich geteilt, dass die Kölner Innenstadtschneise „Nord-Süd-Fahrt“ eine Bausünde allererster Güte sei. Die Stadt Köln hat zwar schon 1980 ein Nachwuchs-Stipendium im Bereich Medienkunst nach ihrem couragierten Sohn benannt, übt sich seither jedoch in vornehmer Zurückhaltung.


Weitere Erinnerungen im Öffentlichen Bewusstsein sind ausschließlich auf Privatinitiativen engagierter Bürger zurückzuführen (z. B. Gigi und Paolo Campi, Renate Gruber, Helmut Krumminga mit Wolfgang Niedecken, Heinz-Erich Lambertin et alii der Chargesheimer Gesellschaft, Prof. Christoph und Markus Schaden sowie Wolfgang Vollmer und Eusebius Wirdeier, beide DGPh).


Der Chargesheimer-Jedächtnis-Podcast wird planmäßig auf Dieter Röselers YouTube-Kanal live am Vorabend von Chargesheimers 95. Geburtstag am 18. Mai 2019 ab 20:00 Uhr aus der Lichtblick School in Köln Nippes übertragen.


Das Publikums-Interesse an dieser Veranstaltung ist überraschend groß: die Facebook-Veranstaltung hat bereits am 27. April d. J. (also noch vor Beginn aller PR-Aktivitäten der Projekt-Förderer) 1.366 Personen erreicht. Ein erstes Teaser-Video mit Wolfgang Zurborn und Dieter Röseler ist seit dem 20. April online. Das zweite, in dem Röseler und Philipp J. Bösel beim gemeinsamen Frühstück über Chargesheimer sinnieren, feierte am 27. April Premiere. Das dritte und letzte Teaser-Video schließlich, in dem Röseler auf Markus Schaden trifft, wird eine Woche vor der Veranstaltung am 11. Mai erscheinen.

https://www.youtube.com/channel/UC60nb0aYIkwCeBsEio-IzjQ

1. Mai 2019: Kindern Flügel Verleihen

So war’s – schön war’s!

Antipasti

Im vierten Jahr in Folge haben Eddi Stoffel und Bruno Valentino nun schon den etwas anderen Tanz in den Mai zelebriert: eine Benefiz-Veranstaltung mit Live-Musik, einem köstlichen 3-Gänge-Menu, einer Tombola sowie mit der Versteigerung von vier Sportler-Devotionalien zugunsten des Heilpädagogischen Kinderheims. Ort der Handlung: das Bensberger Ristorante Italia. Durch den Abend führte – wie auch schon im letzten Jahr – ausgesprochen kurzweilig der in Bensberg beheimatete und Alliterationen nicht abgeneigte motivierte Moderator, toughe Trainer und respektable Referent Sebastian Hempfling.

Hier folgen ein paar optische Notizen als Erinnerung für all‘ die feinen Menschen, die gestern Abend Freude daran hatten, Gutes zu tun.

Los geht’s mit der Versteigerung des vom amtierenden GBU-Europameister Sergej Ivanovic Wotschel signierten und gestifteten Riesen-Boxhandschuhs:

tbc

17. April 2019: Das (Dorf-) Leben ist schön

Ich mag sie, die kleinen Schwestern der großen Städte: Ob nun Bensberg, Kleinmachnow oder Schwane- und Worpswede. Um’s mal pointiert mit der unvergessenen Romy Schneider zu schreiben: ich mag sie sogar sehr.

Die Wege sind bedeutend kürzer als in den Metropolen Berlin, Bremen und Köln. Zum Beispiel bei der Anmeldung des neuen Wohnorts: in keinem der Dörfer, in denen ich leb(t)e, mußte ich länger als 15 Minuten Wartezeit hierfür aufwenden. Selbst eine nicht ganz alltägliche Angelegenheit wie der formelle Antrag auf einen Künstler- respektive Ordensnamen benötigte seinerzeit deutlich weniger als eine Woche Bearbeitungszeit in der kleinen, aber offenbar hoch effizienten Verwaltung von Schwanewede.

Vor Allem aber:

Tradition und Brauchtum werden gepflegt. Und gelebt.

So findet heuer bereits zum vierten Mal in Folge im Bensberger Ristorante Italia am 30. April kein „Tanz in den Mai“ statt, sondern das von „Einfach Eddi“ initiierte und mit viel Herzblut und großem Engagement gefütterte Charity-Diner zugunsten des Heilpädagogischen Kinderheims. Die diesjährige Auflage steht unter dem Motto „Kindern Flügel Verleihen“.

Ein guter Zweck, für den Eddi unermüdlich trommelt und trommelt. So, dass sich Jeder vor den Karren und einspannen lässt. Und zwar: gerne einspannen lässt! Von Moderator Sebastian Hempfling, der durch den Abend führen wird, über Restaurant-Inhaber Valentino Bruno, der von jedem 3-Gang-Menu 10 Euro in den Spendentopf geben wird und Heimleiter Klaus Landen bis hin zu Bürgermeister Lutz Urbach, um nur einige Wenige zu nennen.

Eddi Stoffel
Bürgermeister Lutz Urbach
Sebastian Hempfling

Gestern fand sich dieser illustre Herren-Zirkel auf Brunos Schloßstrassen-Terrasse bei einem der besten Espressi der Gegend zusammen, um gemeinsam das Veranstaltungsplakat vorzustellen und den Ablauf des Abends zu beprechen.

Valentino Bruno

Ziel der Veranstaltung ist es in diesem Jahr, vermittels einer Tombola mit hochwertigen Preisen sowie der Versteigerung von signierten Sportler-Devotionalien unterschiedler Sportler verschiedener Disziplinen so viel Gelder einzuwerben, dass den leidgeprüften Kindern wirksam geholfen werden kann.

Aus diesem Grunde sind alle UnternehmerInnen und HändlerInnen herzlichst aufgerufen, Hotel-Chef Kurt Wagner nachzueifern, der freundlicherweise einen Übernachtungsgutschein im größten Barockschloß nördlich der Alpen (das mit den atemberaubenden Blicken auf malerischste Sonnenuntergänge hinter den Kölner Domspitzen) gespendet hat. Oder auch an Herrn Brune, der schöne Damen-Armreifen zur Verfügung stellt. Oder auch an Herrn Lübbers, der eine hochwertige Armbanduhr spendet.

Es wird gebeten, die (gerne auch Geld-)Spenden im Ristorante Italia auf der Schloßstrasse 62 unter dem Stichwort „Kindern Flügel Verleihen“ abzugeben. Spendenquittungen können selbstverständlich auf Wunsch ausgestellt werden.

v. l. n. r.: Sebastian Hempfling, Valentino Bruno, Bürgermeister Lutz Urbach, Eddi Stoffel, Klaus Landen

25. März 2019: Bastard I – V

Bastard II | 10. August 2018 | Bensberg

Inspiriert von den frühen Wolken-Arbeiten Marina Abramovics auf der einen Seite und vom Song „Bastard“ des erfolgreichsten deutschen Pop-Duos Rosenstolz andererseits hat Dieter Röseler im August 2018 die Arbeit an seinem Schwarzweiss-Zyklus Bastard aufgenommen.

Vom Balkon seiner Wohnung im rheinisch-bergischen Bensberg fängt er seither mit der Kamera triviale Wolkenformationen ein, die er in einem weiteren Arbeitsschritt spiegelt. So entstehen Faltbilder, die als Grundlage für ein psychodiagnostisches Testverfahren nach dem freudianischen Psychiater und Psychoanalytiker Hermann Rorschach dienen können.

Die ersten fünf Bildtafeln legt er nun als optische Untermalung für das titelgebende Musikstück vor:


©2019 für Text- und Bildbeiträge (soweit nicht anders angegeben): Dieter Röseler – alle Rechte vorbehalten.

31. Dezember 2018: „Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.“

Dieser Satz feiert im vor der Türe stehenden Jahr 2019 seinen 60. Geburtstag. Die österreichische Schriftstellerin Ingeborg Bachmann prägt ihn am 17. März 1959 während einer Rede im Bonner Bundeshaus. Seit 1973 ziert er ihren Grabstein auf dem Klagenfurter Zentralfriedhof Annabichl.

Bis zur halben Wegstrecke des Zeitstrahls seither in Richtung Gegenwart wird dieser Satz sehr gerne von Alfred Herrhausen zitiert. So gerne und häufig, dass so Mancher den Ursprung des Satzes schon diesem Ausnahmebanker und Querdenker der Bonner Republik zuschreibt.

Dieser brillante Mann war seiner Zeit in Vielem voraus: so bringt er bereits 1987 auf großer Bühne (während einer Tagung der Weltbank in Washington) einen teilweisen Schuldenerlass für Entwicklungsländer ins Gespräch – eine Idee, die zu seiner Zeit so unerhört, so undenkbar ist, dass er nicht selten dafür öffentlich angefeindet wird. Zum Beispiel vom Chef der Commerzbank, der ihm „unsolidarisches Verhalten“ gegenüber anderen Banken vorwirft. Und von seinem Nachfolger auf dem Sessel des Vorstandssprechers der Deutschen Bank, „Peanuts“-Hilmar Kopper, der diesen Gedanken als „intellektuelle Bemerkung“ abtut. Zwölf Jahre später erst unterbreiten die G8-Staaten der Weltbank und dem IWF auf dem Kölner Gipfel einen auf Herrhausens Ideen basierenden Vorschlag. Diese wiederum verabschieden zur Jahrtausendwende diesen Vorschlag und setzen ihn seither im Rahmen der sogenannten HIPC-Initiative um.

Schon am 20. November 1989 – 11 Tage nach dem Fall der Berliner Mauer – plädiert Herrhausen in einem Interview mit dem Hamburger Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ bereits für die deutsche Wiedervereinigung. Auf die pointierte Frage: „Reicht es Ihnen als Unternehmer und Banker nicht, wenn die DDR zuerst assoziiertes und später vielleicht einmal volles Mitglied der EG wird?“, antwortet er: „Als Banker und Unternehmer müßte ich damit wohl zufrieden sein. Ich würde als deutscher Staatsbürger bedauern, wenn wir auf Wiedervereinigung ein für allemal verzichten würden.“

10 Tage später verblutet Alfred Herrhausen infolge seiner Verletzungen. Unter bis heute nicht geklärten Umständen ist es der RAF am 30. November 1989 möglich, einen feigen Bombenanschlag auf ihn zu verüben. Obwohl es schon Wochen zuvor Hinweise gibt, dass ein Anschlag der Linksterroristen gegen Herrhausen geplant werde, wird das üblicherweise vorausfahrende Begleitfahrzeug an diesem Morgen kurz vorher abgezogen. Der angebliche Kronzeuge Siegfried Nonne bezichtigt Mitte 1992 hessische Verfassungsschützer, ihn mit kaum verhohlenen Morddrohungen zu einer Falschaussage genötigt zu haben. Dieser Vorwurf wird von Aussagen eines BKA-Mitarbeiters gestützt.

Exzerpt von „Deutschland 5Uhr30 – #d5h30“ | Hommage an Chargesheimers „Köln 5Uhr30“

„Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.“, steht heute auch eingemeißelt auf einer der drei Gedenkstelen an Alfred Herrhausens Attentats- und Gedenkort.

Wie augenscheinlich schon 1992 vertritt das hessische Landesamt für Verfassungsschutz auch 2017 wieder die Antithese zum Titelsatz: ein interner Bericht in Bezug auf den NSU-Komplex wird mit einer Sperrfrist von sagenhaften 120 (in Worten: einhundertundzwanzig) Jahren belegt, wie u. A. Susanne Höll in der Süddeutschen Zeitung berichtet. Oberster Dienstherr der hessischen Verfassungsschützer ist von April 1999 bis August 2010 – also während aller vom NSU begangenen Morde – übrigens Volker Bouffier; seither Ministerpräsident Hessens.

Exzerpt der Werkreihe #minnsche

Ende 2018 schließlich erschüttert die Geschichte des vielfach preisgekrönten Blenders Claas Relotius die (Medienlandschaft der) Berliner Republik: die Story eines jungen geltungssüchtigen Mannes, dem es ein ganzes Jahrzehnt lang gelingt, fast allen namhaften deutschsprachigen Printmedien – allen voran dem Spiegel – erdichtete Scheinwelten als Realität zu verkaufen.

Spiegel-Impressum von Heft 52/2018

Die vornehmste Aufgabe d e s deutschen Investigativ-Magazins im kommenden Jahr dürfte sein, seiner Leserschaft zu erklären, wie und warum das so lange möglich war. Denn Ingeborg Bachmann hatte Recht, als sie sagte:

„Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.“

In diesem Sinne: Ein Frohes, Gutes und Wahres Neues Jahr!


©2006, 2010, 2015 und 2018 für die Bildbeiträge: Dieter Röseler | ©2018 Text: Dieter Röseler – alle Rechte vorbehalten | all rights reserved